Umfrage Mehrheit der Deutschen lehnt längere Wahlperiode ab

Soll der Bundestag nur noch alle fünf Jahre gewählt werden? Die Fraktionsspitzen sind dafür - mehr als die Hälfte der Deutschen ist laut einer Civey-Umfrage jedoch dagegen.

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Alle Parteien im Bundestag sind sich einig: Ab 2021 soll das Parlament offenbar nicht mehr wie bisher für vier, sondern für fünf Jahre gewählt werden. Auf eine Verlängerung der Wahlperiode verständigten sich führende Vertreter der Fraktionen.

Doch so einig wie die Parteien im Bundestag sind sich die Bürger offenbar nicht. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE.

Demnach sind 36,9 Prozent der Befragten "auf keinen Fall" dafür, den Bundestag zukünftig alle fünf Jahre statt wie bisher alle vier wählen zu lassen. 13,7 Prozent antworteten außerdem mit "eher nein". Die Mehrheit ist also gegen eine Verlängerung der Wahlperiode.

Klar für eine Wahl des Bundestags nur noch alle fünf Jahre sprachen sich dagegen 24,8 Prozent aus. Und mit "eher ja" antworteten 17,7 Prozent. Unentschieden äußerten sich 6,9 Prozent.

Befragt wurden am 14.9.2017 insgesamt 5027 Personen, der Stichprobenfehler lag bei 2,5 Prozent.

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Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 12.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 12.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Man kann nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. In unserem Fall heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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user124816 14.09.2017
1. kürzere wahlperiode!
keine sau kann sich merken was so eine regierung die letzten 4 jahre verbrochen hat, und kaum jemand hat zeit und lust sich hinzusetzen und zu rekapitulieren. an dieser stelle dank an die kabarettisten, allen voran urban priol mit seinem "tilt" jahresrückblick - DIE übernehmen diesen job, und bringen es fertig das ganze so aufzubereiten, dass man es sich vor der wahl noch mal reinziehen kann.
RalfHenrichs 14.09.2017
2. Der Witz dabei ist,
dass immer wieder behauptet wird (und zwar zurecht), dass sich die Welt immer schneller verändert. Und es soll immer seltener gewählt werden. Passt irgendwie nicht.
lupenrein 14.09.2017
3. Der
Kanzler sollte maximal für 2 Wahlperioden, der Bundestag für 4 Jahre gewählt werden. Jede Verlängerung schmälert die demokratischen Rechte der Bürger.
isi-dor 14.09.2017
4. So wird kein Schuh draus!
Es wäre nicht das erste Mal, wenn die Diätenjäger sich etwas gönnen, was das Volk rigoros ablehnt. Es gibt keinen sachlichen Grund, das Wahlverfahren zu ändern. Keine Partei wird gezwungen, jahrelang Wahlkampf zu führen und daran hat sich seit Gründung der Republik nichts geändert. Im Übrigen kann eine Verlängerung der Legislaturperiode nur einhergehen mit: 1. einer Begrenzung der Mandatszeit aller Abgeordneten auf maximal 2 Perioden 2. der Einfürung der Politiker-Vollhaftung bei gravierendem Staatsversagen 3. der Umsetzung der EU-Antikorruptionsrichtlinie mit Mandatsverlust bei Vorteilsnahme jedweder Art 4. dem Verbot von Lobbyisten 5. dem Verbot von Nebenbeschäftigungen für alle Abgeordneten 6. der Verpflichtung zur Teilnahme an allen Plenarsitzungen; bei Fehlen sind amtsärztliche Krankmeldungen einzureichen. Die deutschen Wahlämter sind kein Selbstbedienungsladen!
aurelis 14.09.2017
5. Begrenzung der Funktionärszeit
Der Dauer von 5 Jahren stimme ich voll zu wenn gleichzeitig eine Begrenzung auf 2 Wahlperioden für alle Funktionäre, sprich Politiker erfolgt.
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