Merkels Zukunft Nach dem Gipfel droht der Abstieg

Alle staunen über Angela Merkels grandiosen Wahlsieg - und übersehen: Ab jetzt könnte es für die Kanzlerin bergab gehen, denn ihr fehlt ein neues Ziel. Profitieren könnte davon die SPD.

Wahlsiegerin Merkel: Die Kanzlerin auf dem Gipfel
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Wahlsiegerin Merkel: Die Kanzlerin auf dem Gipfel

Von Ulrich von Alemann


Angela Merkel schaltet und waltet: Die SPD hat sie in der letzten Großen Koalition wie eine halbe Zitrone ausgepresst und dann weggeworfen. Die FDP hat sie ausgelaugt und ihre Schalen in die grüne Tonne entsorgt. Was kommt als Nächstes - wird sie die andere Hälfte der SPD-Zitrone auspressen und wegwerfen? Das befürchten die Linken unter den Sozialdemokraten für den Fall, dass jetzt wieder eine Große Koalition gebildet wird. Deshalb argumentieren sie: Bloß das nicht, die macht uns fertig, die Merkel.

Aber ist das wirklich ein zwingendes Szenario? Warum eigentlich? Große Koalitionen müssen nicht qua Naturgesetz den Untergang des kleineren Partners bedeuten. Die erste Große Koalition von 1966 bis 1969 eröffnete anschließend die Chance zur ersten sozialdemokratischen Kanzlerschaft unter Willy Brandt mit der FDP. Es kommt also darauf an, was man aus einem großen Bündnis macht.

Was also kann die SPD jetzt tun? "Merkel Superstar", kommentieren nun nicht nur deutsche, sondern auch internationale Medien. Ist ja richtig: Es war ein tolles Wahlergebnis. So ein Ergebnis schaffte auch Brandt 1969, als die FDP mit gerade mal 5,8 Prozent eines ihrer schlechtesten Ergebnisse einfuhr. Und das nach einer Großen Koalition!

Brandt zog dann seine Ostpolitik durch, FDP- und SPD-Abgeordnete wechselten die Fronten. Er überstand knapp ein Misstrauensvotum und schaffte im November 1972 einen grandiosen Erfolg: den größten Wahlsieg der SPD mit fast 46 Prozent der Stimmen.

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Aber was blieb von dem Triumph? Anderthalb Jahre später musste Brandt zurücktreten - beileibe nicht nur wegen des DDR-Spions Guillaume in seinem Umfeld, sondern weil ihn die Partei nicht mehr trug. Fraktionschef Wehner sagte über ihn: "Der Herr badet gern lau."

So kann das gehen mit den großen Wahlsiegern. Geht es für Merkel-Superstar jetzt noch weiter bergauf? Nein, sie hat ihren Gipfel bereits erreicht.

  • Sie hat die FDP marginalisiert.
  • Sie hat die konservativen Kritiker in ihrer eigenen Partei kaltgestellt. Sie kann sagen: Ich mache das richtig mit meinem Modernisierungskurs. Ich bin der Mainstream der deutschen Politik. Ich bin die Quelle eurer Mandate. Das haben alle verstanden.

Aber jetzt? Ein neues Ziel fehlt. Denn besser geht es nicht. Die absolute Mehrheit hat sie verfehlt. Angela absoluta ist nicht eingetreten. Dazu könnte es höchstens dann noch kommen, wenn die SPD dabei hilft: indem sie ein Bündnis verweigert und eine Neuwahl provoziert. Das könnte leicht passieren, wenn nach ein mehreren Monaten Verhandlungen keine Koalition zustande kommt und die Kanzlerin die (unechte) Vertrauensfrage stellt.

Neuwahlen im Jahr 2014 wären ein Desaster für die Oppositionsparteien, für die Grünen genauso wie für die SPD. Insofern bleibt für beide Parteien nur, harte Koalitionsverhandlungen zu führen. Das wird quietschen, auch zwischen CDU und CSU. Aber es gibt keine Alternative.

Und nicht vergessen: Der Triumph von Merkel ist auf dem Zenit und damit gleichzeitig der Beginn ihres Abstiegs. Die Mühen dieses beschwerlichen Weges könnten sie wie bei vielen US-Präsidenten am Ende von deren Amtszeit zur lahmen Ente machen. Das haben diejenigen, in der SPD und bei den Grünen, die sich nun vehement gegen eine Koalition mit der Union stemmen, bisher nicht auf dem Schirm. Mit einer guten Politik kann man Merkel Paroli bieten. Man muss nur den Mut dazu haben.

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insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
rosaberg 26.09.2013
1. Merkels Zukunft: Nach dem Gipfel droht der Abstieg
Ach, wäre das schön. Auf diesen Tag warte ich seit September 2005. Staune, wie sich ein ganzes Volk von dieser Frau hat blenden lassen.
bexx4me 26.09.2013
2. Genau
So sehe ich es auch. Wer mutig und selbstbewußt in die Koalition geht und dann in der täglichen Politikarbeit standhaft bleibt, sollte dies eher als Chance begreifen, Gesicht zu zeigen. Noch ein Jahr Opposition und Blockade im Bundesrat wird das Ergebnis der SPD nicht verbessern.
Olaf 26.09.2013
3.
Zitat von sysopAPAlle staunen über Angela Merkels grandiosen Wahlsieg - und übersehen: Ab jetzt könnte es für die Kanzlerin bergab gehen, denn ihr fehlt ein neues Ziel. Profitieren könnte davon die SPD. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-nach-merkels-triumph-beginnt-der-abstieg-a-924594.html
Noch jemand, der nicht verstanden hat wie Frau Merkel denkt.
king_pakal 26.09.2013
4. optional
Zitat von sysopAPAlle staunen über Angela Merkels grandiosen Wahlsieg - und übersehen: Ab jetzt könnte es für die Kanzlerin bergab gehen, denn ihr fehlt ein neues Ziel. Profitieren könnte davon die SPD. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-nach-merkels-triumph-beginnt-der-abstieg-a-924594.html
CDU/SPD/CDU/SPD/CDU/SPD/CDU/SPD/CDU/SPD/CDU/SPD auf immer und ewig.
Edelweiß 26.09.2013
5. Mut zur Alternativlosigkeit?
Ich kann es einfach nicht mehr hören, dieses "alternativlos". Jetzt ist also auch die große Koalition alternativlos, eine deutsche Besonderheit, die anderen Ländern (wohlgemerkt: demokratischen) undenkbar wäre. Die Krönung ist hier, dass der eben noch als alternativlos bezeichnete Weg einige Sätze später angeblich "Mut" erfordert. Spätestens hier hätte dem Autor doch auffallen müssen, dass das einfach nicht zusammenpasst. Wenn der Weg sowieso alternativlos ist, dann braucht es keinen Mut, ihn zu gehen -- man geht ihn einfach deshalb, weil einem nichts anders übrig bleibt. Mut kann man überhaupt nur beweisen, wenn es die Möglichkeit gibt, zwischen mehreren Alternativen zu entscheiden. Der erste mutige Schritt wäre auch für die SPD, zu erkennen, dass es immer eine Alternative gibt. Nur ein kleiner Schritt für dich, liebe SPD, aber ein großer Schritt für Deutschland.
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