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Wahlkampf-Blog Es grünt so grün der Genosse

Ein Sozialdemokrat auf Stimmenfang bei den Grünen Zur Großansicht

Ein Sozialdemokrat auf Stimmenfang bei den Grünen

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Rot? Als Farbe für ein SPD-Plakat zur Bundestagswahl? Also bitte, versuchen wir es doch einfach mal mit Grün, sieht doch viel hübscher aus, hat sich Christian Vorländer, Bundestagskandidat der Sozialdemokraten in München, gedacht. Dazu noch das "Und Du?", wie es derzeit auf Tausenden Plakaten der Grünen zu sehen ist, natürlich in einer Schriftart, die der der Öko-Partei verwechselnd ähnlich ist.

Ein kleiner Satz auf dem Plakat würde auch helfen. "Grün wählen" geht gar nicht, die Leute sollen ja bloß nicht auf die Idee kommen, die Erststimme den Grünen zu geben. Nein, nein, für ihn sollen sie stimmen: Christian Vorländer, 39 Jahre, Sozialdemokrat durch und durch. Seit 1989 in der SPD, ging schon bei den Jusos los damals. Also dann einfach so: "Grüne wählen Christian Vorländer", dazu noch die Hinweise auf Bundestagswahl und Erststimme sowie ganz unten auf seine Homepage. Fertig ist das Plakat - und jetzt ist der Ärger da.

"Eine miese Nummer im Münchner Süden", sagt Jerzy Montag von den Grünen. Montag tritt im selben Wahlkreis an wie Vorländer. Er kann es nicht fassen, dass sich der Sozialdemokrat Farbe, Layout und Schriftart der Grünen zu eigen gemacht hat, um auf Wählerfang im Lager der Grünen zu gehen. Montag spricht von einem "Diebstahl der Corporate Identity". Und tatsächlich handelt es sich bei Vorländers Plakat um eine reichlich freche Aktion.

An allen Straßenecken im Wahlkreis würden die Plakate hängen, sagt ein Mitarbeiter Montags. Der rechtspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion muss um den Wiedereinzug ins Parlament bangen. Auf der Liste ist er lediglich auf dem unattraktiven Platz 16 gelandet, und der Kampf ums Direktmandat ist mehr als schwierig. Mit im Rennen im Wahlkreis 220, München-Süd: Peter Gauweiler von der CSU. Gauweiler sitzt seit 2002 im Bundestag, zog stets als Direktkandidat ins Parlament ein, zuletzt mit 38,2 Prozent der Erststimmen. Gauweiler ist im Münchner Süden der Platzhirsch. Montag hatte bei der letzten Bundestagswahl 13,3 Prozent der Stimmen eingefahren.

Vorländers Rechnung ist einfach: Wenn die Grünen-Wähler in Scharen ihr Kreuz bei ihm machen würden, könnte er eine Chance auf das Direktmandat haben. Der Rechtsanwalt war bereits bei der Bundestagwahl 2009 als Kandidat angetreten, damals hatte er 28,4 Prozent der Stimmen geholt. 28,4 Prozent plus 13,3 Prozent, dann sähe die Sache doch ganz anders aus.

Jerzy Montag ärgert sich maßlos über die Aktion Vorländers. Der SPD-Mann sei "völlig von Sinnen", schreibt der Grüne auf seiner Homepage. Die Sozialdemokraten müssten sich mit den "Raubrittermethoden" ihres Kandidaten beschäftigen und ihn "zur Besinnung bringen".

Juristische Schritte gegen den SPD-Mann planen die Grünen allerdings nicht. Wäre ja auch komisch, wenn sich Vertreter beider Parteien ein paar Tage vor der Bundestagswahl vor dem Münchner Landgericht treffen würden. Denn da war doch was mit dem Plan, dass Rot und Grün zusammen die schwarz-gelbe Bundesregierung ablösen wollen, oder?

Vorländer will die Plakate weiter verwenden. Als SPD-Kandidat sei er der Einzige, "der ein Direktmandat der CSU verhindern könnte". Und wenn man genau hinschaut, findet man auf seinem Plakat auch ein bisschen SPD-Farbe. Sein Name ist in roten Buchstaben auf das Plakat gedruckt.

Er möge die Grünen, betont Vorländer, es gehe ihm selbstverständlich überhaupt nicht darum, der Öko-Partei zu schaden. Und dass er jetzt den Zorn von Jerzy Montag auf sich gezogen hat? "Man kann nicht Everybody's Darling sein."

12 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
dr.u. 17.09.2013
Florian B. 17.09.2013
xxbigj 17.09.2013
BettyB. 17.09.2013
nunu-na 17.09.2013
klima66 17.09.2013
FairPlay 17.09.2013
verstehnix 18.09.2013
mundi 18.09.2013
hpm 20.09.2013
FlameDance 22.09.2013
ichliebeeuchdochalle 22.09.2013

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  • DPA
    Dieses Wahlplakat, über das alle lachen. Diese Aktion eines Politikers, die seit Tagen für Aufruhr sorgt. Diese Debatte, die Sie bewegt. All das lesen Sie in unserem Blog zur Bundestagswahl. SPIEGEL-ONLINE- und SPIEGEL-Redakteure schreiben im Wahlkampf über Ungewöhnliches, Kurioses und Bemerkenswertes - nah dran und persönlich.




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