SPD-Wahlkampfstrategie: Steinbrück will mit Hausbesuchen punkten

Faire Löhne für gute Arbeit - mit diesem Thema möchte Peer Steinbrück mit der SPD in den Bundestagswahlkampf ziehen. Seine Partei stehe für Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität, sagte der designierte Kanzlerkandidat. Um die Bürger zu überzeugen, will er sie sogar zu Hause besuchen.

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Peer Steinbrück: SPD kürt ihren Kanzlerkandidaten

München - Angela Merkel zieht mit breiter Unterstützung ihrer Partei in den Bundestagswahlkampf. Am Sonntag will die SPD zeigen, dass auch sie hinter Peer Steinbrück steht. Dann soll der 65-Jährige auf dem Sonderparteitag in Hannover zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2013 gekürt werden. Nun erläuterte Steinbrück, mit welchen Themen er die Bürger überzeugen will.

"Die SPD tut gut daran, ihre unverkäuflichen Werte in den Vordergrund zu stellen - Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" in einem Interview für die Samstagsausgabe. Steinbrück versprach "Rezepte gegen die skandalöse Bezahlung insbesondere von Frauen in Minijobs". Auch bei den Themen Rente, Gesundheit und Gleichberechtigung werde seine Partei Alternativen bieten.

"Wir dürfen keine Spaltung in Parallelgesellschaften zulassen", sagte er. Schlecht bezahlte Menschen fühlten sich ausgeschlossen und verlören das Vertrauen in die Demokratie. Am oberen Ende leisteten sich einige einen "schnöden Individualismus". Die SPD stehe für das Motto "Faire Löhne für gute Arbeit".

Steinbrück räumte ein, dass Merkel in der Bevölkerung beliebt sei. "Aber die Bürger vermissen bei ihr einen Kompass, klaren Kurs und Werteorientierung", sagte er. "Die Union ist entkernt. Ihr einziger Markenkern heißt Merkel. Das mag für die Union reichen, aber für unser Land ist das zu wenig."

"Die Agenda 2010 war ein grundsätzlich richtiger Schritt"

Die CDU habe beim Thema Gerechtigkeit "nichts als Etiketten" zu bieten, sagte der SPD-Politiker. "Deren Mindestlohn ist kein gesetzlicher flächendeckender Mindestlohn, die Lebensleistungsrente reiner Zynismus und die Flexi-Quote keine Frauenquote." Auch die von der CDU ausgerufene Bildungsrepublik sei, wie die Energiewende, "nichts als eine Worthülse".

Zugleich verteidigte Steinbrück die Agenda 2010, die die SPD unter Ex-Kanzler Gerhard Schröder durchgezogen hat. Es habe Fehler gegeben, "aber die Agenda 2010 war ein grundsätzlich richtiger Schritt", sagte er. "Aber wir haben an manchen Stellschrauben, etwa der Leiharbeit, zu stark gedreht."

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Steinbrück ist für seine Schlagfertigkeit und witzige Formulierungen bekannt. Zudem hat er sich in Finanzfragen einen guten Ruf erarbeitet. Das machte ihn auch für Unternehmen attraktiv, die ihn als Redner buchten und oft fünfstellige Honorare zahlten. Die daraus resultierenden Nebeneinkünfte wiederum brachten den SPD-Politiker zuletzt in die Bredouille. "Wenn eine alleinerziehende Mutter, die von gut 1000 Euro im Monat leben muss, über meine Honorare verblüfft ist, verstehe ich das", sagte er. Er habe aber nichts Unrechtes getan. "Was, bitte schön, hat mein Kontostand mit meinem Willen zu tun, anderen Menschen einen fairen Lohn zu verschaffen?"

Auf die Debatte über seine Nebeneinkünfte habe er sich aber kaum vorbereiten können. "Sie wissen doch selbst, dass meine Nominierung eine Sturzgeburt war", sagte er der "SZ".

"Gelegentlich war ich für meine Partei anstrengend"

Um Wähler zu gewinnen, wolle er sich den Fragen der Bürger stellen, kündigte Steinbrück an. Dazu werde es auch sogenannte Wohnzimmergespräche geben. "Wir fragen Menschen, ob sie Lust haben, den Steinbrück einzuladen und mit ihm zu reden - ohne Presse, ohne Kameras." Für die Gastfreundschaft will er sich auch revanchieren. "Den Kuchen bringen wir mit."

Steinbrück sagte, die Unterstützung der SPD in den vergangenen Wochen habe ihn berührt. "Gelegentlich war ich für meine Partei anstrengend", räumte er ein. Nun laute seine Botschaft an die SPD: "Wir schreiten Seit' an Seit'."

SPD-Chef Sigmar Gabriel versprach Steinbrück Unterstützung. "Die SPD will Steinbrück als Kanzlerkandidaten, weil er der Beste ist, um den Raubtier-Kapitalismus der Finanzmärkte energisch zu bändigen", sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung.

SPD-Bundestagsfraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann prophezeite, dass Steinbrück bei der Kandidatenkür auf dem Parteitag "ein ganz hervorragendes Ergebnis bekommt" - auch wenn es nicht die fast 98 Prozent sein dürften, die Merkel zu Wochenbeginn bei ihrer Wiederwahl als CDU-Chefin einfahren konnte. "Die SPD neigt nicht zu nordkoreanischen Ergebnissen", sagte Oppermann dem "Hamburger Abendblatt".

mmq/dpa

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1. Schade!
zudummzumzum 08.12.2012
Zitat von sysopDPAFaire Löhne für gute Arbeit - mit diesem Thema möchte Peer Steinbrück mit der SPD in den Bundestagswahlkampf ziehen. Seine Partei stehe für Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität, sagte der designierte Kanzlerkandidat. Um die Bürger zu überzeugen, will er sie sogar zu Hause besuchen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-spd-kandidat-steinbrueck-macht-gerechtigkeit-zum-thema-a-871730.html
Statt Kuchen wäre ich FÜR Presse und Kameras. Gerade mit Herrn Steinbrück würde ich gerne mal darüber reden, wie idiotisch seine Bankenrettung 2008 war, auf der aufbauend die Staatenrettung 2009 - ???? erfolgte. Nur um zu zeigen, was für eine Pfeife die SPD dort auf den Schild stellen möchte. Wenn Finanzen seine Kernkompetenz sind (und er dort nichts auf der Naht hat), möchte ich persönlich nicht riskieren, ihm auch noch die anderen Politikfelder zu überlassen. Kehr um, SPD - Steinbrück ist der falsche Kandidat !
2. Unerträglich
warndtbewohner 08.12.2012
dasi ist doch eine Verarschung der Wähler durch die SPD die ihresgleichen sucht. Ausgerechnet Steinbrück will für soziale Gerechtigkeit und faire Löhne stehen. Ja hat der sie noch alle? Es war doch gerade Steinbrück der ohne wenn und aber hinter Hartz IV und der Agenda 2010 von Schröder stand und immer noch steht. Er war stets gegen Mindestlöhne und willfähriger Diener der Finanzindustrie. Und der will auf einmal wieder mit sozialen Themen punkten? Liebe SPD ihr habt hunderttausende ins soziale Elend gestoßen, dass werden euch die Leute nicht vergessen. Und die paar Hansel die auf euer Geschwätz reinfallen reichen bei weitem nicht um mehrheitsfähig zu werden. Nein liebe Sozis, ihr habt fertig.
3. Warnbeispiel Baden-Württemberg
Eutighofer 08.12.2012
Die Begriffe "Gerechtigkeit" und "Solidarität" missbraucht die SPD um Steuern und Abgaben zu erhöhen. Dafür werden dann neue Stelle für "Vetterle" geschaffen. So geschehe in Badeb-Würrtemberg. Über 200 Stellen allein in Ministerien entstanden neu. Ich bin dagegen, Steuern und Abgaben zu erhöhen. Ich habe nicht den Eindruck, dass SPD-geführte Regierungen sparsam wirtschaften. Fremder Leute Geld ausgeben mag für Politiker schön sein, für Bürger nicht.
4. Faire Löhne für gute Arbeit
artusdanielhoerfeld 08.12.2012
Was ist denn bitteschön ein "fairer Lohn"? "Fair" wird definiert als: den Regeln, Richtlinien entsprechend, die Rechte anderer achtend. Das heißt also: Tariflohn. Aber wer stellt den denn in Frage? Und was ist denjenigen, die "schlechte Arbeit" leisten? Werden die unter Tarif bezahlt? Gilt das dann auch für Schlechte Rechtsanwälte, Ärzte und Politiker? Wohl kaum!
5. xxx
Schleswig 08.12.2012
Zitat von sysopDPAFaire Löhne für gute Arbeit - mit diesem Thema möchte Peer Steinbrück mit der SPD in den Bundestagswahlkampf ziehen. Seine Partei stehe für Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität, sagte der designierte Kanzlerkandidat. Um die Bürger zu überzeugen, will er sie sogar zu Hause besuchen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-spd-kandidat-steinbrueck-macht-gerechtigkeit-zum-thema-a-871730.html
Wie lächerlich ist denn dieser Realitätsverlust. Wir haben haben die Gerechtigkeit als Arbeitnehmer deutlich zu spüren bekommen.Fragt doch ein mal den Peer wie das war, mit der West LB und der Bankenrettung. Und die viel beschworene Solidarität,die praktiziert der Kandidat gerade mit Euro Bonds und Griechenland. Einer der korruptesten Staaten der Welt. Aber Gleiche zieht es wohl immer zu Gleichen hin.
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