Bundestagswahl Union und SPD droht Verlust Dutzender Mandate

Die Union liegt in den Umfragen weit vor der SPD, doch laut einem Wahlrechtsexperten ist schon jetzt absehbar: Nicht nur die Sozialdemokraten, auch CDU und CSU könnten viele Sitze im Bundestag verlieren.

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Es sieht so aus, als bliebe alles beim Alten. Die Union kratzt an der 40-Prozent-Marke, die SPD dümpelt in den Umfragen bei knapp unter 25 Prozent. Für Konservative und Sozialdemokraten hieße das bei der Bundestagswahl im September: geringe Verluste im Vergleich zu 2013, kaum Veränderungen.

Doch der Eindruck täuscht.

Nur vier Parteien sitzen derzeit im Bundestag. Sehr wahrscheinlich kommen im Herbst mit FDP und AfD zwei weitere hinzu - mit denen sich die anderen dann die Sitze im Parlament teilen müssten. Vor allem für Schwarze und Rote bedeutet das wohl massive Verluste bei den Mandaten.

"Die Union könnte bis zu 50 Mandate verlieren, wenn sie nur drei Prozentpunkte schlechter abschneidet als bei der vergangenen Wahl", sagte der Wahlrechtsexperte Christian Brugger von der Plattform mandatsrechner.de der "Welt am Sonntag".

Die Union war vor vier Jahren auf 41,5 Prozent gekommen - ihre Fraktion besteht aus 309 Abgeordneten. Im jüngsten SPON-Wahltrend mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erreichen CDU und CSU 38,1 Prozent - laut mandatsrechner.de würde das einen Verlust von 46 Sitzen bedeuten. Die SPD wiederum hatte bei der vergangenen Wahl 25,7 Prozent der Stimmen geholt (193 Sitze). Bei Civey landete die Partei zuletzt bei 24,8 Prozent - bleibt es dabei, ziehen 28 Sozialdemokraten weniger in den neuen Bundestag ein.

CDU und CSU müssten zudem damit rechnen, "dass sie viele Wahlkreise direkt gewinnen und ihre Landeslisten deshalb kaum oder gar nicht ziehen", erklärte Brugger. So könne es zu einem Szenario kommen, bei dem die CSU nur direkt gewählte Abgeordnete nach Berlin entsenden kann. "Das wäre dramatisch für (den CSU-Spitzenkandidaten) Joachim Herrmann, der auf Listenplatz 1 kandidiert, nicht aber in einem Wahlkreis." Voraussichtlich zögen in der CDU nur in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg, Berlin und Bremen Listenkandidaten in den Bundestag ein.


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kev/dpa



insgesamt 174 Beiträge
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Ossifriese 27.08.2017
1. Veränderungen
Interessant wäre jetzt noch ein Vergleich mit den möglichen erwartbaren neuen Abgeordneten der andren Parteien gewesen. Was und wie verändert sich durch die vielleicht ausfälligen Kandidaten der großen Parteien? Eine Veränderung der Mehrheitsverhältnisse würde dem Grundsatz der demokratischen Verteilung der abgegebenen Stimmen doch widersprechen... oder wie?
hexenbanner64 27.08.2017
2.
Die werden schon wieder eine neue Regelung finden um alle Schäfchen auf die Weide zu kriegen.Irgendwann muss halt ein neuer Plenarsaal gebaut werden damit alle Abgeordneten reinpassen würden.Wenn sie denn mal da wären.Aber das passiert ja nur bei der Abstimmung zur Diätenerhöhung!
unixv 27.08.2017
3. Kann für uns doch nur gut sein!
Weniger von Lobbyisten gekaufte, angebliche Volksvertreter, die sich dank Automatisierung der Diäten die Taschen füllen. Neue Gesichter bringen auch neue Ideen mit und sind noch nicht so korrupt wie die, die dann gehen müssen! Toll!
alaskafuchs 27.08.2017
4. Mandatsverlust? Warum nicht?
Ich habe gerade den heutigen Spiegel-Artikel "Kanzlerin will Vorwürfen gegen libysche Marine nachgehen" gelesen. Was die Kanzlerin da zum Besten gibt, ist für meine Vorstellung, wie man sein Land regieren sollte, völlig unannehmbar. Man nehme nur ihre Haltung zur kurzzeitigen Rückkehr von Flüchtlingen in ihre Heimat. Da auch ein Herr Schröder in meinen Augen keinen Deut besser ist, begrüße ich einen möglichen Mandatsverlust beider Parteien.
newliberal 27.08.2017
5. Tja, das wäre wirklich tragisch
wenn es morgens statt Berlin Plenarsaal wieder husch, husch Lehrerzimmer in der Provinz hiesse. Wirklich tragisch. Dass selbst sicher geglaubte Listenplätze nicht mehr ziehen, dürfte zu erheblichem Ungemach in so mancher Partei führen und auch die Position der Kanzlerin schwächen. Deshalb: Alle zur Wahl damit o.g. Szenario nicht Wirklichkeit wird.
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