Wählerwanderung Wer ins Merkel-Lager wechselte 

Die Union verdankt ihr Sensationsergebnis vor allem zwei Faktoren: Sie nahm der FDP 2,11 Millionen Stimmen ab und mobilisierte rund eine Million früherer Nichtwähler. Verluste haben CDU/CSU nur in Richtung AfD zu verzeichnen. Das zeigt die Wählerwanderung.

Von , und (Grafik)


Berlin - Rund 62 Millionen Menschen hatten am Sonntag die Wahl, 44 Millionen machten von ihrem Recht Gebrauch - und die Union mit 41,5 Prozent zum eindeutigen Sieger.

Im Vergleich zu 2009 stieg die Wahlbeteiligung um knapp einen Prozentpunkt. Davon profitierten vor allem CDU/CSU, wie die Wahlanalyse der Meinungsforscher von Infratest dimap im Auftrag der ARD zeigt.

Wohin strömten die Nicht- und Wechselwähler? Welches Lager stimmte für wen? Die Antworten im Überblick:

  • Die Union konnte der FDP 2,11 Millionen Stimmen abnehmen. Das ist der mit Abstand größte Wählerstrom. Außerdem konnten CDU und CSU 1,13 Millionen ehemalige Nichtwähler mobilisieren. 420.000 Stimmen kamen zudem von ehemaligen Grünen-Wähler, 210.000 stimmten 2009 noch für die SPD. Doch die Union musste auch Verluste hinnehmen: So wechselten 290.000 ehemalige Unionswähler zur europakritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD). Und 490.000 Ex-Unionswähler sind laut der Analyse inzwischen verstorben.

  • Die größte Niederlage der Bundestagswahl muss die FDP verkraften: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte flog die Partei aus dem Parlament. Dabei reichte es 2009 noch zu dem Spitzenergebnis von 14,6 Prozent, jetzt schrumpfte die Partei auf 4,8 Prozent. Die FDP-Wähler von einst wanderten nicht nur in Massen zur Union (2,11 Millionen). 530.000 wechselten außerdem zur SPD, 430.000 zur AfD und 460.000 einstige Anhänger der Liberalen gingen gar nicht mehr zur Wahl.

  • Die Sozialdemokraten verdanken ihr leichtes Plus auf 25,7 Prozent vor allem den Stimmen von ehemaligen Grünen-Wählern (550.000) und Ex-Anhängern der FDP (530.000). Aber auch einstige Linkspartei- und Nichtwähler stimmten in diesem Jahr für die Sozialdemokraten (370.000 beziehungsweise 360.000).

  • Die AfD kommt nach dem vorläufigen Endergebnis auf 4,7 Prozent der Stimmen. Die meisten holte sie bei ehemaligen FDP-Wählern (430.000). Hinzu kommen 340.000 Stimmen von Ex-Linke-Wählern. Die Partei konnte zudem 210.000 ehemalige Nichtwähler sowie 100.000 Erstwähler mobilisieren.

  • Die Grünen sackten von 10,7 auf 8,4 Prozent der Wählerstimmen ab. Die Partei verlor 550.000 ihrer ehemaligen Wähler an die SPD, 420.000 weitere zudem an die Union. Dafür stimmten 170.000 ehemalige FDP-Anhänger diesmal für die Grünen.

  • 370.000 Linken-Wähler von 2009 entschieden sich diesmal für die SPD, 340.000 für die AfD und 120.000 für die Union. Außerdem gingen 320.000 ehemalige Anhänger der Linkspartei gar nicht wählen. Das erklärt, warum die Partei nur 8,6 Prozent bekam, statt 11,9 Prozent wie bei der vergangenen Bundestagswahl.

Für mehr Informationen: Lesen Sie die Höhepunkte des Wahlabends im Minutenprotokoll hier und sehen Sie die Ergebnisgrafiken hier:

Wahlergebnisse

Fotostrecke

13  Bilder
Jubel und Entsetzen: Der Wahlabend in Bildern

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kantundco 23.09.2013
1. Ich befürchte...
... die AfD wird keine Eintagsfliege bleiben. Denn der Ausverkauf der deutschen Demokratie und der Ersparnisse der Deutschen geht jetzt erst richtig los. Gespannt darf man nur sein, ob sich die Rhetorik der "Euro-Retter" ändert.
charlybird 23.09.2013
2. Es ist für mich absolut rätselhaft,
wie man als Wähler der LINKE zur AFD wechseln kann. Die politischen Berührungspunkte gehen gegen Null, wenn man mal die Euroschimpfe ausklammert, die bei den Linken als Einzelmeinung existiert. Aber das als Wahlgrundlage ?
archivdoktor 23.09.2013
3. Unglaublich!
Zitat von sysopDie Union verdankt ihr Sensationsergebnis vor allem zwei Faktoren: Sie nahm der FDP 2,11 Millionen Stimmen ab und mobilisierte rund eine Million früherer Nichtwähler. Verluste haben CDU/CSU nur in Richtung AfD zu verzeichnen. Das zeigt die Wählerwanderung nach dem vorläufigen Endergebnis. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-waehlerwanderung-zeit-verluste-und-gewinne-der-parteien-a-923873.html
340.000 Linkswähler zur AfD, 420.00 von den Grünen zur Union, 170.000 FDP-Wähler zu den Grünen - ich komme aus dem Staunen nicht heraus!!! Selten eine so kuriose Wählerwanderung gesehen - aber ich finde es gut, wenn "Stammwähler" mal was anderes ausprobieren!
seppiverseckelt 23.09.2013
4. AfD = NICHT
Man schaue GENAU hin ! Nach der FDP ist "Die Linke2 die Zweitgrösste "Spenderin" von AfD Stimmen- VOR der CDU , SPD Und Grünen ...! Wer JETZT noch behauptet die AfD sei "RECHTS GESTRICKT" sei eine partei RECHTS der CDU- Der LÜGT wie Gedruckt- und WILL LÜGEN !!! die afD ist die Partei der UNABHÄNGIG-SELBST-DENKENDEN welche sich NICHT von Parteiprogrammenund 2alternativlosen Muttis2 Bevormunden lassen- DAS gibt Anlass zur Hoffnung ! Die AfD wird bald schon noch VIEL stärker- denn schon Bald steht der €URO- und Banken-Rettungs-Horror wieder vor der tür- und die EINZIGE alternative zm Wahnsinn ist ein "Ende Gelände"- ein bewusstes auflaufen und Crashen lassen verfaulter und Überschuldeter Institutionen ! ein RAUS aus dem €URO- und zwar UNSERERSEITS ! NACH der ersten Wahl ist VOR dem Triumph- Ihr werdet Euch noch Wundern !!!
falx 23.09.2013
5. CDU wie weiter?
Nach Ausnüchterung wird der CDU schnell klar werden, dass sie sich ein schönes Ei gelegt hat. Das Abwerben von FDP stimmen hat gut funktioniert, mehr aber nicht, uns selbst das könnte zur ihrem Problem werden. Die CDU hat bisher all ihre Koalitionspartner verbrannt. Hoffentlich ziehen SPD/Grüne die richtigen Konsequenzen: CDU-Minderheitsregierung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.