Bundeswehreinsatz Erstmals Zahlen - 90.000 Soldaten waren in Afghanistan

Seit 2001 sind deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert. Aber wie viele waren es bislang? Wissenschaftler haben nach Informationen des SPIEGEL nun die Zahl der Veteranen berechnet.

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archivbild 2012)
REUTERS

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archivbild 2012)


Der Afghanistaneinsatz ist der teuerste Auslandseinsatz in der Geschichte der Bundeswehr, doch bislang war unbekannt, wie viele Soldaten und Soldatinnen insgesamt über Afghanistan-Erfahrung verfügen. Nun haben Wissenschaftler herausgefunden: Vom Beginn im Jahr 2001 nach den Terroranschlägen vom 11. September bis zum Jahr 2018 sind es rund 90.000, wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

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Heft 10/2019
Ein deutsches Desaster

Bislang lag die Zahl der Veteranen nicht vor, weil das Verteidigungsministerium nur Angaben zur Entsendung veröffentlicht. Darin sind aber viele Soldaten mehrmals enthalten, da sie nicht nur einmal nach Afghanistan geschickt wurden.

Die neue Zahl geht auf ein Forscherteam um die Soziologin Anja Seiffert vom Potsdamer Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zurück. Die Wissenschaftler haben die Zahlen und Stärken der deutschen Kontingente analysiert und die Verleihung der Einsatzmedaillen der Bundeswehr ausgewertet. Für 30 Tage im Auslandseinsatz gibt es die bronzene, für 360 Tage die silberne und für 690 Tage die goldene Variante.

Der Großteil der Truppen ist längst wieder zu Hause. Der Kampfeinsatz der Bundeswehr endete 2014, inzwischen sind nur noch 1180 Soldaten vor Ort, um die afghanischen Sicherheitskräfte auszubilden und zu beraten.

Die Heimkehrer scheinen mit der Vergangenheit überraschend gut zurecht zu kommen. Die Wissenschaftler um Seiffert haben Angehörige des 22. Kontingents befragt. Danach klagen nur sieben Prozent, es gehe ihnen gesundheitlich schlecht, drei Viertel bezeichnen ihr Wohlbefinden als "gut", die Scheidungsrate liegt unter dem deutschen Durchschnitt. Eine Mehrheit erklärte sogar, der Einsatz habe sie selbstbewusster gemacht und sie wüssten das Leben jetzt "mehr zu schätzen".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, der Afghanistan-Einsatz sei der längste Auslandseinsatz in der Geschichte der Bundeswehr. Das ist nicht korrekt. Wir haben den Fehler korrigiert.

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
timo0105 01.03.2019
1. Falsche Überschrift
OK, es waren 90.000 Soldaten in Afganistan im Einsatz. Aber wie viele davon waren an Kampfhandlungen beteiligt. Diese Zahl wäre wichtig, um die Zahl der von PTBS betroffenen einordnen zu können. Ich möchte die Leistung der Soldaten nicht relativieren, aber die SPIEGEL Überschrift ist zu reißerisch.
f_bauer 01.03.2019
2. Reißerische Überschrift
Es waren 90.000 Soldaten in Afghanistan eingesetzt. Das heisst nicht, dass die auch alle gekämpft haben. Wenn man sich das durch den Kopf gehen lässt, ist es auch nicht mehr ganz so überraschend, dass die nicht alle unter PTSD leiden.
kloppskalli 01.03.2019
3. ... so what
ohne Feindkontakt laesst es sich bestimmt ganz gut aushalten in Ofgoanistoan - wenn ich mich recht erinnere sind "unsere Jungs" ja eher im beschaulichen Norden eingesetzt gewesen. Ne ordentliche Zulage gibts sicher auch. Leider hats nur nichts gebracht. Die Afghanen kommen alleine nicht gegen den IS an - sobald die fremden Truppen weg sind wird die heimische Armee sich ganz schnell wieder in liberal denkende und in islamisch/islamistisch denkende Teile zerlegen und der Spass geht weiter.
lollopa1 01.03.2019
4. Wissenschaftler haben errechnet ;-)
Warum fragen die nicht beim BMVg nach, da liegen die Zahlen offen, oh, da waren ja Kameraden 2-5 mal in Afghanistan, wie soll man das auseinanderdividieren? Mathe ist schwierig. Ja, die meisten kommen selbstbewusster zurück, schreibt einer der auch 4 mal da war, hat mich insgesamt 2 Jahre meines Lebens gekostet, aber was macht man nicht alles um die Bundesrepublik auch am Hindukusch zu verteidigen......
spon_7302413 01.03.2019
5. Eine sinnlose Verschwendung...
... von Leben, Zeit Geld und Material. Nichts von dem wofür die Kampfaufrufe einst ins Horn geblasen wurden um unserer "Freiheit und Art zu leben" am Hindukusch zu verteidigen hat sich erfüllt. Die Menschheit sollte so langsam lernen, dass größtönende Aufrufe zur Verteidigung von Irgendwas, irgendwo weit entfernt, in der Regel nur den Bedarf derjenigen decken, die dafür sorgen, das Material und den Nachschub zu liefern. Und wer hat's bezahlt, ohne etwas davon zu haben? Richtig, die Menschen vor Ort und die Steuerzahler hier, die für die Kosten und Schäden aufkommen müssen - und natürlich die Inst der BW, die mit dem Schrott, der vom Restbudget noch bezahlt werden kann, jeden Tag aus einem Dutzend nominelle Bestandsreserve drei halbwegs Einsatzfähige zusammen frickeln müssen. Und wofür das alles?
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