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Bundeswehr-Affäre: Bericht belegt massive Fehler des Todesschützen

Beim Tod eines Bundeswehrsoldaten in Afghanistan soll nach SPIEGEL-Informationen gegen Sicherheitsbestimmungen verstoßen worden sein. Zugleich erhöht die SPD den Druck auf Verteidigungsminister zu Guttenberg: Fraktionschef Steinmeier mahnt ihn, nicht immer "Sündenböcke" zu suchen.

Guttenberg unter Druck: Feldpost, Schießunfall, Meuterei Fotos
REUTERS

Hamburg - Die Ermittler der Bundeswehr haben bei ihren Untersuchungen zum Tod des Hauptgefreiten Oliver O. am 17. Dezember 2010 auf einem Außenposten der Bundeswehr in Nordafghanistan massives Fehlverhalten des Schützen beim Umgang mit seiner Dienstpistole festgestellt.

In dem achtseitigen Feldjäger-Bericht, der bereits am 27. Dezember 2010 fertiggestellt worden ist, kommen die Ermittler zu dem Schluss, dass der tödliche Kopfschuss in einem Mannschaftszelt des "A-Zuges" durch "die Nichteinhaltung von Sicherheitsbestimmungen und die Unachtsamkeit" des Schützen, dem Hauptgefreiten Patrick S., zustande kam. Gleichwohl sei "auszuschließen, dass es sich um eine vorsätzliche Tat handelt", heißt es in der Zusammenfassung der Ermittlungen.

Vielmehr befand sich laut dem Bericht eine Patrone im Lauf der Dienstpistole vom Typ P8, obwohl Patrick S. davon ausging, die Waffe sei vollständig entladen.

Der Schuss wurde den Ermittlungen zufolge aus nächster Nähe abgegeben, die Feldjäger gehen von einer Entfernung von nur zwei Metern aus. Die Feldjäger schrieben nach ihren Recherchen, dass der Schütze in Richtung des zu Tode gekommenen Kameraden gezielt haben müsse, als sich der Schuss löste. Das werde auch durch die rekonstruierte Flugbahn des Projektils bestätigt, die am Tatort nachvollzogen worden war.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier forderte Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf, etwaige Konsequenzen persönlich zu tragen. "Ich erwarte, dass der Minister jetzt nicht wieder Sündenböcke sucht", sagte Steinmeier. Guttenberg müsse "persönlich und unverzüglich" Stellung zu allen Vorwürfen nehmen. "Und ich erwarte, dass er dieses Mal Manns genug ist, seine eigenen Fehler dann auch als solche einzugestehen."

Unterdessen griff Guttenberg in einer weiteren Bundeswehr-Affäre durch: Als Konsequenz aus den Vorfällen an Bord der "Gorch Fock" setzte er Kapitän Norbert Schatz als Kommandant des Schulschiffes ab. Außerdem ordnete der Verteidigungsminister die sofortige Rückkehr der "Gorch Fock" nach Deutschland an.

siu/dpa

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1.
SethSteiner 19.01.2011
Waren wir nicht gerade beim Thema Sicherheit und Reife? Sieht so aus als wäre hier beides nicht der Fall gewesen. Es wurde nicht aufgepasst und es klingt fast als hätten die Soldaten (wohlbemerkt die ach so harten Kerle) regelrecht gespielt. Man fragt sich was da in den Zelten wohl noch so alles abläuft. Achja, warum soll Guttenberg da nach schauen jetzt? Was machen wir mal in einem Krieg, wenn wir ein Stalingrad haben, muss dann der Verteidigungsministert sich um jeden Toten kümmern? Es gibt doch Offiziere.
2. Aufklärung
genugistgenug 19.01.2011
Zitat von sysopDie Bundeswehr muss im Fall eines im Dezember getöteten Soldaten ihre Darstellung korrigieren: Bisher war von einem Unglück beim Waffenreinigen die Rede. In Wirklichkeit aber starb der 21-Jährige*durch den Schuss eines Kameraden, der fahrlässig mit einem Gewehr hantierte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,740464,00.html
war da nicht erst von Selbstmord die Rede? Wie viele Wochen hat man nun gebraucht um das Geschehen aufzudecken? Oder hat man nur gehofft es wird vergessen? Dafür ist doch jede ReGIERung bekannt! Die CDU sogar für ihre brutalstmöglichste Aufklärung. Da hilft nur eines: jeder Beteiligte und Verantwortliche gibt eine vollständige, wahre und öffentliche Erklärung ab - wird nur ein kleines Teil davon widerlegt oder tauchen vertuschte Informationen auf - R.A.U.S. ohne Kündigungsfrist oder Abfindung.
3. Spieglein, Spieglein an der Wand
sir.viver 19.01.2011
Diesen Satz journalistischer und stilistischer Hoechstleistung muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen: Zitat SPON: "Die anderen Soldaten bemerkten erst durch den Knall, dass das Gewehr losgegangen sei." Bravo. Erst durch den Knall, wie denn sonst? Bzw. wie sollten sie den vor (!!!) dem Knall das bemerkt haben, also vor dem Schuss? Ein klarer Fall fuer den Hohlspiegel :)
4. Deswegen ...
jupiter999 19.01.2011
... bringt man Soldaten bei das aus einer nicht geladenen Waffe der lauteste Knall kommt. Aber es gibt immer einen der nicht hinhören will und sich oder andere wegpustet während er seine Waffe zerlegen und/oder reinigen will oder einfach nur meint mit dem Ding rumalbern zu müssen. Wird er dabei erwischt kriegt er den Einlauf seines Lebens macht den Fehler niemals wieder. Die Erklärung die man nach solchen Unfällen vom Verursacher oder Zeugen zu hören bekommt ist immer die gleiche. "Ich war überzeugt die Waffe wäre nicht geladen gewesen ..." Nur vorher überprüfen so wie es einem in der Ausbildung tausend mal durch den Kopf gespült wird damits auch bei den stumpferen Messern im Schneidebrett ankommt .... nö. "Hab ich vergessen" Wenn sich die Hirnakrobaten doch dabei nur öfter selbst aus dem Genpool ballern würden als jemand anderen, dann hätte die Sache noch wenigstens etwas positives.
5. Ist
Hovac 19.01.2011
der Minister beliebt so wie es im Artikel steht. Nur weil die Medien brav vom tollen Herrn von und zu berichten heißt da noch lange nicht das die Mehrheit der Bevölkerung ihn mag. Das hilft etwas: http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html
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