Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Bundeswehr am Hindukusch: Ex-General erklärt Afghanistan-Einsatz für gescheitert

Seit zehn Jahren kämpft der Westen in Afghanistan - es sei vergeblich gewesen, sagt der frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Kujat. Das Land sei nicht stabilisiert, und nach dem geplanten Abzug kämen die Taliban "binnen weniger Monate" wieder an die Macht.

Ex-Generalinspekteur Kujat: "Soldaten haben nicht das bekommen, was sie brauchen" Zur Großansicht
AP

Ex-Generalinspekteur Kujat: "Soldaten haben nicht das bekommen, was sie brauchen"

Halle/Berlin - Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, hält den Afghanistan-Einsatz für gescheitert. "Der Einsatz hat den politischen Zweck, Solidarität mit den Vereinigten Staaten zu üben, erfüllt", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung" anlässlich des zehnten Jahrestages des Kriegsbeginns. "Wenn man aber das Ziel zum Maßstab nimmt, ein Land und eine Region zu stabilisieren, dann ist dieser Einsatz gescheitert."

Kujat sagte, man habe zu lange nicht akzeptiert, dass "der Gegner militärisch kämpft und wir militärisch kämpfen müssen". Weiter sagte er: "Die Argumentation, es gehe um einen Stabilisierungseinsatz, ist zu lange durchgehalten worden - auch mit Blick auf die innenpolitischen Befindlichkeiten." Das Ergebnis sei, dass die Soldaten nicht das bekommen hätten, was sie brauchten, um dem Gegner Paroli zu bieten.

Kujat war an der Planung des deutschen Afghanistan-Einsatzes federführend beteiligt: Von 2000 bis 2002 war er Generalinspekteur der Bundeswehr und damit höchster Offizier der Bundeswehr. Der Generalinspekteur ist der militärische Berater der Bundesregierung und Verteidigungsministerium.

Kujat befürchtet: "Wenn wir 2014 aus Afghanistan rausgegangen sind, dann werden die Taliban die Macht in wenigen Monaten wieder übernehmen."

Deutschland wird nach Angaben der Bundesregierung auf jeden Fall bis Ende 2014 alle Bundeswehr-Kampftruppen aus Afghanistan abziehen. "Der Abzug wird bis Ende 2014 abgeschlossen sein", sagte der deutsche Afghanistan-Beauftragte Michael Steiner zum zehnten Jahrestag des internationalen Einsatzes an diesem Freitag.

Auf einen genauen Termin, wann die ersten von derzeit noch 5000 Bundeswehr-Soldaten Afghanistan verlassen, legte sich Steiner weiterhin nicht fest. Der Diplomat versprach jedoch, dass es bis zum Ende dieses Jahres "Klarheit" geben werde. Eigentlich hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, dass der Abzug noch 2011 beginnt - allerdings nur mit dem Zusatz "soweit es die Lage erlaubt".

Der Abzug aus Afghanistan war auch bei dem Treffen der Verteidigungsminister in Brüssel am Donnerstag zentrales Thema. Dabei erklärte Nato-Chef Anders Fogh Rasmussen: "Das Training und die Ausbildung der afghanischen Armee wird ein Schlüsselelement der Nato-Mission nach 2014 sein", erklärte Nato-Chef Rasmussen. Also wird offenbar auch nach dem öffentlichen Abzugstermin eine große Zahl von Nato-Soldaten in Afghanistan bleiben.

Krieg völlig unvorbereitet begonnen

Auch der ehemalige Kommandeur der Isaf-Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, zieht eine düstere Bilanz zum zehnten Jahrestag. Amerikaner und Nato hätten kaum mehr als 50 Prozent ihrer Ziele in Afghanistan erreicht, sagte er. Die Amerikaner hätten den Krieg völlig unvorbereitet begonnen, mit einem "beängstigend simplen" Bild vom Land. "Wir wussten nicht genug und wir wissen immer noch nicht genug", sagte McChrystal in Washington bei einer Veranstaltung des Think-Tanks "Council on Foreign Relations".

McChrystal war von Juni 2009 an ein Jahr lang Kommandeur der Isaf- und US-Truppen in Afghanistan. Er musste zurücktreten, nachdem er gegenüber dem Magazin "Rolling Stone" abschätzige Bemerkungen über Mitglieder der Regierung von US-Präsident Barack Obama gemacht hatte.

fab/dpa/dapd/Reuters/AP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 139 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Schon wieder einen Krieg verloren?
Walther I. 07.10.2011
Meinen Herr General damit, daß wir schon wieder einen Krieg verloren haben? Dann müssen wir nächstes Mal aber mal so richtig.... Sonst geht unser guter Ruf zum Toifel. Es reicht nicht, wenn Herr Westerwelle abschreckend ausschaut. Oder war das nur ein mißlungener Stabilisierungseinsatz, derart, daß der Taliban die gebohrten Brunnen wieder zubetoniert und die frischbeschulten Mädels in den Harem zurück? Dann sollten wir auf solche Einsätze verzichten, und die Leute in Ruhe lassen. Wenn die was gemacht haben wollen, dann sollen die Unternehmen beauftragen und bezahlen, fertig. Die Eingeborenen schützen sie dann viel besser, als jeder Besatzer es könnte.
2. wow
Noctim 07.10.2011
Is nich wahr! Seltsam, dass die "dumme" und "uninformierte", ja "laienhaften" "Schwätzer" am "Stammtisch" das Ganze schon vor mindestens sechs Jahren erkannt haben. Da wird geradeaus an der Realität vorbei regiert. Ich sehe dahinter noch nicht mal eine machthungrige, weltweite Verschwörung, sondern einfach die totale Inkompetenz und Ignoranz. Wenn sich meinetwegen zwei sonst verfeindete, aber sonst gleiche Parteien im Krieg gegen den Besatzer verbünden und einen Partisanenkrieg starten, dann ist dieser einfach nicht durch technische Überlegenheit zu gewinnen. Eine Bevölkerung, die nicht "befreit" werden will, wird das auch niemals. Eher schießt dir der lächelnde Ali von hinten in den Rücken.
3. Also
keppler 07.10.2011
Zitat von sysopSeit zehn Jahren kämpft der Westen in Afghanistan - es sei vergeblich gewesen, sagt der frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Kujat. Das Land*sei nicht stabilisiert, und nach dem geplanten Abzug kämen die Taliban "binnen weniger Monate"*wieder an die Macht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,790422,00.html
alles für die Katz? War das nicht schon seit Jahren klar?
4. Nichts Neues
Der Terrier 07.10.2011
Zitat von sysopSeit zehn Jahren kämpft der Westen in Afghanistan - es sei vergeblich gewesen, sagt der frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Kujat. Das Land*sei nicht stabilisiert, und nach dem geplanten Abzug kämen die Taliban "binnen weniger Monate"*wieder an die Macht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,790422,00.html
Man muss sich das Verhältnis zum damaligen Verteidigungsminister Struck in Erinnerung rufen, um diese "aufgewärmte Ansicht" von Kujat richtig zu deuten. Es gab nach Ermahnungen durch ein tiefes Zerwürfnis zwischen beiden, was letztlich zur Ernennung von Schneiderhan und zur Ablösung von Kujat führte. Kujat wurde überdies 2006 in den Ruhestand verabschiedet. Man mag zu Afghanistan positiv oder negativ stehen; aber wenn er ständig einseitig Stellung bezog, dann bekommt er auch keinen Einblick mehr zur militärischen Lage. Meine Empfehlung an ihn wäre, sich zurück zu halten. Jeder kennt seine Einstellung, nichts Neues!
5. Leider nur zu wahr!
der_humanist 07.10.2011
Was will man auch erwarten, wenn eine Armee so vom eigenen Volk verachtet wird wie die Deutsche? Wenn Soldaten keine vernünftige Ausrüstung bekommen, weil kein Geld da ist, wenn in der Heimat sofort die versammelte Gutmenschenpresse über einen Oberst herfällt, weil ja auch Kinder gestorben sein sollen (nachts um halb vier bei einem von Taliban gekaperten Tanklaster) und wenn die gleichen Soldaten sich von den Politikern als "Mörder" (Trittin) beschimpfen lassen müssen, die sie selbst dorthin geschickt haben - was will man da erwarten?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: