Ausrüstungsmängel Taskforce stellt der Bundeswehr düstere Prognose

Marode Kampfjets, anfällige Helikopter: Seit Monaten sorgen Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr für Schlagzeilen. Eine von Ministerin von der Leyen eingesetzte Taskforce sieht keine schnelle Besserung.

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Berlin - Das Bundesverteidigungsministerium gibt zu, dass die eklatanten Ausrüstungsmängel der Truppe nicht schnell zu beseitigen sind. "Wir brauchen Zeit", sagte Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder im Verteidigungsausschuss des Bundestags. Laut Teilnehmern erklärte die im Sommer von Ministerin Ursula von der Leyen eingesetzte Ex-Unternehmensberaterin, dass die eklatanten Lücken bei der Einsatzbereitschaft "nicht von heute auf morgen verbessert" werden könnten.

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Suder und die Inspekteure der Teilstreitkräfte präsentierten in der Sitzung drei Stunden lang erste Ergebnisse von zwei sogenannten Taskforces des Ministeriums. Diese waren beauftragt worden, nachdem im September eklatante Lücken bei der Ausrüstung und der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr aufgedeckt wurden. Die Generäle legten damals einen Offenbarungseid ab, von "kreativer Mangelverwaltung" war die Rede. Kurz darauf kam sogar heraus, dass Deutschland im Notfall nicht einmal die Nato-Verpflichtungen einlösen kann.

Mehr als eine negative Bestandsaufnahme konnte die Taskforce aber auch jetzt nicht vorlegen. Luftwaffeninspekteur Karl Müllner kündigte zwar an, dass er in Zukunft bei der Ausbildung des Personals, der schnelleren Beschaffung von Ersatzteilen und einer effizienteren Wartung Verbesserungen einführen will. Sowohl bei der Wartung als auch bei der Ausbildung solle der Einsatz von privaten Anbietern geprüft werden. Dennoch werde sich die Lage nicht so schnell verbessern, räumte Müllner ein:

Bei der Luftwaffe hatte der Bericht über die "materielle Einsatzbereitschaft der Teilstreitkräfte" erhebliche Probleme aufgedeckt. So waren von 109 "Eurofighter"-Kampfjets nur 42 einsatzbereit, bei den etwas älteren "Tornados" sind es 38 von 89. Die altersschwache Flotte der "Transall"-Transportflieger weist von 56 Maschinen nur noch 24 flugtaugliche Modelle auf. Bei den "Eurofighter" fehlt es vor allem an Ersatzteilen. Der "Tornado" ist altersbedingt störanfällig und muss häufig recht lange in die Wartungshallen, zudem fehlt es an Spezial-Technikern.

Auch beim Heer und der Marine, die die Helikopter der Bundeswehr betreibt, gibt es wenig Hoffnung auf schnellere Besserung. Die neu eingeführten Modelle NH90 und der "Tiger" sorgten noch immer für Probleme, hieß es in der Sitzung. Bei der Marine, wo derzeit noch der ältere Rettungshubschrauber des Typs "SeaKing" im Einsatz ist, sieht es noch düsterer aus: Für eine Flugstunde des Helikopters brauchen die Techniker derzeit statistisch 120 Stunden für die Wartung, so die Darstellung im Ausschusses.

Diese langen Wartungsphasen sorgen auch bei der Marine für erhebliche Probleme: Die geplanten Reparaturzeiten würden immer wieder massiv überschritten, hieß es im Ausschuss. Im Fall der Fregatte vom Typ F123 sei ein Schiff sogar ein ganzes Jahr ausgefallen, weil die Arbeiten nicht vorangingen. Die Fregatten werden beispielsweise bei der Anti-Piraterie-Mission vor Somalia eingesetzt und sind auch Teil von ständigen Nato-Manövern auf hoher See.

Doch am Mittwoch kam noch ein neues Problem hinzu: Der Bekleidungshersteller der Bundeswehr hat ernste finanzielle Probleme. Würde die Firma "LHBw", welche die Einsatzkleidung für Auslandsmissionen fertigt, pleite gehen, wäre die Versorgung gefährdet. Staatssekretärin Suder berichtete im Ausschuss, sie sei aktuell mit der Firmenleitung im Gespräch und bereite zudem einen "Notfallplan" vor. An der Privatfirma hält die Bundeswehr nur einen Minderheitsanteil.

Für die Verteidigungsministerin, die nicht an der Sitzung teilnahm, wird das Thema Ausrüstung immer mehr zum Kernproblem. Von der Leyen war mit Ankündigungen angetreten, die Bundeswehr zum attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands machen zu wollen. Dass jedoch bei ihrer Truppe beim Kriegsgerät kaum etwas funktionieren will und auf Jahre keine Besserung in Sicht ist, passt kaum zu der Attraktivitätsoffensive. Ein erfahrener General bringt es auf den Punkt: "Wer will schon zu einer Armee, die nur als Trümmertruppe dasteht?"

insgesamt 28 Beiträge
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Peter Lublewski 03.12.2014
1. Task Force
Da hat die Task Force also festgestellt, dass Flugzeuge und Hubschrauber marode sind. Da die ganze Welt das bereits wusste frage ich mich, was es nun wieder gekostet hat, zu dieser Erkenntnis zu gelangen.
Sven Stemmildt 03.12.2014
2. Wenn irgendein Verteidigungs- oder Haushaltspolitiker...
...der letzten 25 Jahre behauptet, von diesen Tatsachen überrascht zu sein, dann lügt er. Die Bundeswehr ist schon seit Jahren ausgehungert worden. Es scheint das dauernde Verdienst von Frau von der Leyen zu werden, unter der Hand längst bekannte Tatsachen offen auszusprechen: erst in der Familienpolitk der CDU, jetzt in der Bundeswehr.
mps58 03.12.2014
3. Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif
Sicherheit gibt es eben nicht zum Nulltarif. Ersatzteile sollte sich unsere Armee schon leisten können. Die Kriegsherde sind nur noch wenige tausend Kilometer von uns entfernt, und wir tun immer noch so als könnte uns das nie erreichen. Es ist Zeit zum Umdenken, wir müssen uns wieder verteidigen können und eine entsprechende Abschreckung aufbauen.
quark@mailinator.com 03.12.2014
4. Und ?
Alles, was es zur Landesverteidigung braucht, ist die Heimatverbundenheit der Jugend und eine gewisse Grundausbildung. Insofern stören mich der lasche Sportunterricht und die Abschaffung der Wehrpflicht viel mehr, als irgendwelche technischen Spielzeuge. Der Krieg findet im Moment kalt im Internet statt und wenn schon Geld ausgegeben werden soll, dann weniger für Mach 3 Jäger und mehr für Hacker und digitale Absicherung. Der andere kalte Krieg findet auf ökonomischem und politischem Gebiet statt. Auch da könnte DE sich bemühen. Aber wozu Raketen und Panzer ? Ein paar ... OK. Aber mir sind schon so viel zuviele Soldaten im Ausland. Aber is ja klar - wenn man in die Nähe eines ausgeglichenen Haushalts kommt, werden Begehrlichkeiten wach ... bitte nicht nachgeben.
Luna-lucia 03.12.2014
5. mal nur den
Hubschrauber vom Typ "Sea King" näher betrachtet; könnte man doch heutzutage erwarten, dass es eine "Art" elektronisches Sammelprogramm gibt, für alles, was sich außerhalb der Norm, und „flugtechnisch relevant“ ist, befindet, aufzeichnet. Oki, dann sollten auch nur diese "Aufzeichnungen", sozusagen in der Nachfluginspektion, zur weiteren Kontrolle an die zuständigen Servicespezialisten, weitergegeben werden. Dabei würde viel zeit eingespart. Denn prüfen, und überprüfen muss sein – okay, aber man kann auch Systeme kaputt prüfen. Indem man sie immer und immer wieder startet, weil man „todsicher" sein möchte, dass sie auch wirklich funktionieren. Und, - dann kommen zuerst die "normalen" Prüfer, dann die Güteprüfstellen, und wenn’s dann noch nicht reicht, die Bauaufsicht. Und alle prüfen, prüfen ... bis es echt nicht mehr geht - weil "es" - das zu Überprüfende System z.B., kaputt geprüft worden ist!
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