Bundeswehr-Auszeichnung Zentralrat der Juden kritisiert Idee für Tapferkeitsorden

Er erinnert zu sehr an das "Eiserne Kreuz": Mit deutlichen Worten hat der Zentralrat der Juden den Vorschlag zur Einführung eines Tapferkeitsordens für die Bundeswehr zurückgewiesen. Es dürfe nicht an unselige NS-Traditionen angeknüpft werden.


Ludwigshafen - Wohl kaum eine Auszeichnung ist so vorbelastet wie das "Eiserne Kreuz" - und doch debattiert der Bundestag derzeit darüber, einen solchen Orden für Mut und Tapferkeit einzuführen oder wiederzubeleben. Jetzt meldete sich der Zentralrat der Juden zu Wort - und kritisierte mit deutlichen Worten die Pläne, die unter anderem von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Bundespräsident Horst Köhler unterstützt werden.

Verteidigungsminister Jung: Bisherige Auszeichnungen werden ohne besondere Leistungen vergeben
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Verteidigungsminister Jung: Bisherige Auszeichnungen werden ohne besondere Leistungen vergeben

Ein solcher Orden könne als Wiederbelebung des "Eisernen Kreuzes" verstanden werden, sagte Generalsekretär Stephan Kramer der "Rheinpfalz am Sonntag". Das "Eiserne Kreuz" sei von den Nazis schamlos missbraucht worden und stehe für den nationalsozialistischen Massenmord, betonte Kramer.

Orden und Ehrenzeichen kann der Verteidigungsminister nicht alleine beschließen, sie müssen vom Staatsoberhaupt gestiftet werden. Im Bundestag liegt schon seit geraumer Zeit eine Petition vor, die die Wiederauferstehung des Eisernen Kreuzes als Tapferkeitsorden zum Ziel hat. Vielen Soldaten sind die bisherigen Auszeichnungen nicht gut genug. Denn Einsatzmedaillen für Aufenthalte in den diversen Auslandsmissionen werden auch ohne besondere Leistungen vergeben, Hauptsache, die vorgegebene Dienstzeit von vier Monaten wurde absolviert.

"Bundeswehr steht in keiner Verbindung zur Wehrmacht"

Die Bundeswehr sei eine demokratische Parlamentsarmee, "die in keiner traditionellen Verbindung zur Wehrmacht steht", sagte Kramer weiter. Offenbar habe die Führung der Bundeswehr einen "Testballon" starten wollen, wie die gesellschaftliche Resonanz für einen derartigen Orden ausfalle.

Grundsätzlich könne es keine Einwände gegen eine spezielle Auszeichnung für besondere Tapferkeit von Bundeswehrsoldaten geben, sagte Kramer. Jedoch dürfe nicht an unselige Traditionen angeknüpft werden, "die während des Nationalsozialismus zum größten Menschheitsverbrechen geführt haben".

Weiter kritisierte Kramer, die Debatte werde auf dem Rücken der Soldaten ausgetragen. Es sei unverständlich, warum immer wieder versucht werde, an alte Traditionen anzuknüpfen, die mit der Bundeswehr nichts zu tun hätten.

Symbol ist Erkennungszeichen der Bundeswehr

Das Eiserne Kreuz wurde zwischen 1813 und 1945 als militärischer Orden verliehen. Während des Ersten Weltkriegs erhielt von den rund 13 Millionen Kriegsteilnehmern fast jeder Dritte eines der Eisernen Kreuze am schwarzen und weißen Band.

Im Zweiten Weltkrieg wurden weitere Stufen des Eisernen Kreuzes eingeführt. Insgesamt wurde das Eiserne Kreuz während des Zweiten Weltkriegs etwa 2,3 Millionen Mal verliehen, zu dieser Zeit befand sich in seiner Mitte ein Hakenkreuz. Als Symbol ist es seit 1956 Erkennungszeichen der Bundeswehr.

sam/AP/AFP



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