Ukrainekrise Bundeswehr gibt für Manöver 20 Millionen Euro extra aus

Mehr Training, größere Abschreckung: Wegen der Ukrainekrise stockt das Verteidigungsministerium die Mittel für Bundeswehrübungen auf - offenbar ein Zeichen an Russland.

Deutsche Schützenpanzer auf polnischem Übungsplatz (im Juni 2015): Abschreckung
DPA

Deutsche Schützenpanzer auf polnischem Übungsplatz (im Juni 2015): Abschreckung


Die Zahl der Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen sinkt, dafür üben sie mehr. Zusätzliche 20 Millionen Euro sollen in diesem Jahr in Manöver fließen. Grund für die Aufstockung der Mittel von 70 auf etwa 90 Millionen Euro seien die Nato-Übungen im östlichen Bündnisgebiet. Das sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur dpa.

154.000 Soldaten nehmen in diesem Jahr für die Bundeswehr an internationalen Truppenübungen teil. Das sind zwar etwas weniger als im vergangenen Jahr, jedoch mehr als doppelt so viele wie 2013. Damals waren es etwa 73.000 Soldaten. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der dpa vorliegt.

Dabei geht es nicht nur ums Training an der Waffe. Vielmehr soll mit den Manövern auch ein Zeichen an Russland gesendet werden: In Polen und den baltischen Staaten nehmen 4400 Soldaten an 16 Manövern teil. So soll den an Russland grenzenden Nato-Partner der Rücken gestärkt werden.

Das größte Nato-Manöver dieses Jahres findet in Südwesteuropa statt: Vom 28. September bis zum 16. Oktober werden mehr als 30.000 Soldaten aus 35 Ländern an der Übung "Trident Juncture" teilnehmen. An der Übung in Italien, Spanien und Portugal werden auch 3000 Bundeswehrsoldaten teilnehmen.

Kritik vor allem an den Nato-Manövern in Osteuropa kommt von den Linken: Die Bundestagsabgeordnete Heike Hänsel sagt, die Übungen seien darauf angelegt, im Ukraine-Konflikt "die Spannungen mit Russland zu verschärfen und die Friedensordnung in Europa zu gefährden". Das Geld sollte sinnvoller ausgegeben werden, etwa für die verarmte ukrainische Bevölkerung oder Kriegsflüchtlinge.

vek/dpa

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analyse 30.07.2015
1. Wenn das Manöver tatsächlich ein Zeichen für Rußland
sein soll,ist es strategisch völlig kontraproduktiv !Sowohl im europäischen,als auch im globalen Kontext !
mtbfahrer 30.07.2015
2. Säbelrasseln
Ich habe selber nur die ersten vier Jahre meines Lebens in der Zeit des kalten Krieges verbracht, vielleicht reagiere ich deswegen verstört auf die Ereignisse der letzten paar Jahre, es baut sich in mir ein ganz schlechtes Gefühl auf... Die Spannungen in der Welt werden stärker und äußern sich bereits im mittleren Osten. Eine verstärkte militärische Aufrüstung vieler Parteien gleichzeitig sollte uns mit den Ereignissen unserer Geschichte im Hinterkopf ein deutliches Warnsignal sein.
bugmexx 30.07.2015
3.
Kontinuierlich wurde der Haushalt für Verteidigung herunter geschraubt. Die Wehrpflicht abgeschafft. Die Anzahl unserer Soldaten reduziert. Ohne viel Ahnung vom Militär und Verteidigung zu haben, möchte mal behaupten - was in Russland passiert könnte eine ernsthafte bedrohung sein. Nicht alles Friede, Freude Eierkuchen
Eppelein von Gailingen 30.07.2015
4. Die Provokationen gegen Russland gehen also ungerührt weiter
20 Millionen € für einen Karnevalsaufzug? Die Nato, an der Spitze Stoltenberg, mausert sich zum Unterstützer für Despoten. Anstatt dem Erdogan für seinen Vernichtungskrieg gegen die Kurden eine satte auf die Pfoten zu hauen, wird ihm Beistand geschworen. Er darf weiter an der Vernichtung der Kurden arbeiten. Schizophrenie des Nordatlantikpakts, der sich in die Türkei verlaufen hat. Was hat die Nato damit zu tun?? Das ist Klapsmühlenpolitik pur. Dann lobe ich Özdemir, wie er mit seinen türkischen Wurzeln die Wahrheit über einen Erdogan sagt, und über die Zukunft der Türkei mit diesem Despoten.
Frua 30.07.2015
5. Peanuts
Angesichts des Wehretats von 33 Mrd. Euro sind 20 Mio. für "practise" sehr sehr wenig. :-) Ich habe kürzlich einen interessanten Artikel gelesen. Die Bundesmarine verfügt noch über 35 Schiffe. Die grössten davon sind Fregatten. Keinen einzigen Lenkwaffenzerstörer oder Lenkwaffenkreuzer. Ein einziger russischer Lenkwaffenkreuzer wird alleine mit dieser armseligen Flottille fertig. Davon hat die russische Marine alleine 7. Und 20 Lenkwaffenzerstörer. Von der Zerstörkraft sind allerdings die Atom-U-Booten der Russen die fürchterlichsten Waffen. Davon hat die Bundeswehr keinen einziges. 5 U-Boote, die alle wesentlich kleiner und kampfschwächer sind als die WK2-U-Boote vom Typ XII hat die Bundesmarine noch. Damit wollte die Frau Merkel anlässlich der Ukraine-Krise gegen die Russen Krieg führen. Alleine in Sewastopol auf der Krim liegt eine grössere Flotte an Kriegschiffen als die gesamte Bundesmarine aufbieten kann. Der Putin mopst sich doch nur noch über die Frau Merkel und ihr Gekläffe.
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