Bundeswehr Rechnungshof hält Truppenfriseure für überflüssig

Für eine halbe Million Euro leistet sich die Bundeswehr "Truppenfriseurstuben". Zu teuer, urteilen Deutschlands oberste Kassenprüfer nach SPIEGEL-Informationen - und empfehlen: "Maschinenhaarschnitt des ortsansässigen Friseurs".

Bundeswehr-Soldaten
DPA

Bundeswehr-Soldaten


Nach einer aufwendigen Prüfung der 67 "Truppenfriseurstuben" der Bundeswehr hat der Bundesrechnungshof seinen vertraulichen Abschlussbericht fertiggestellt. Auf 19 Seiten kommen die Beamten der Bonner Behörde nach Informationen des SPIEGEL zu dem Schluss, dass "weder hygienische Erfordernisse nach dem Infektionsschutzgesetz noch Vorschriften zur Haartracht oder Anforderungen an das äußere Erscheinungsbild" Truppenfriseurstuben erforderten.

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Die Vorgaben der entsprechenden Vorschriften könnten auch von ortsansässigen Friseuren sichergestellt werden. Es sei nicht ersichtlich, wie es "zu einer Beeinträchtigung des militärischen Dienstes" durch einen Friseurbesuch kommen könne: "Die Haarpflege ist kein überraschendes Ereignis, sondern kann von den Soldatinnen und Soldaten für die dienstfreie Zeit geplant werden." (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Die Prüfer hatten an etlichen Standorten der Bundeswehr "örtliche Erhebungen" vorgenommen und unter anderem "beispielhaft den 'Trockenhaarschnitt Herren'" ausgewertet. In einem Fall sei der "Maschinenhaarschnitt des ortsansässigen Friseurs" sogar preiswerter gewesen als der seines Kollegen bei der Truppe. Der Bund gab bisher pro Jahr eine knappe halbe Million Euro für die Unterstützung der Truppenfriseurstuben aus.

Das Verteidigungsministerium hat dem Bundesrechnungshof nun zugesichert, die "Schließung der Einrichtungen sozialverträglich in einem Zeitraum von fünf Jahren zu gestalten".

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insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
romeov 27.01.2018
1. Entschuldigung
...aber mir hat noch nie ein Arbeitgeber meinen Haarschnitt bezahlt oder gar freigegeben, um den Friseur zu besuchen.
rkinfo 27.01.2018
2. Der ortansässige Friseur muss erst aufgesucht werden ...
Je Haarschnitt außerhalb sind somit 1/2h Fahrtzeit (ca. 15€ Sold, ca. 2€ Fahrtkosten) plus Reisekosten anzusetzen. Bei ca. 20 Haarschnitten/ Tag also etwa 300€ Sold plus 40€ Fahrtkosten extra. Bei 1/3 Mio./a Haarschnitte also 1 Mio. Zusatzkosten ... heute 1/2 Mio. ... genial !!! Das Argument 'dienstfreie Zeit' zieht nicht, denn dazu kann man (rechtlich) keinen Soldaten verpflichten ;-)
thermo_pyle 27.01.2018
3. Sorry: Blödsinn !
Es geht um eine halbe Million Euro !? Ehrlich ? Was würde denn eine Einsparung bei der Beleuchtung der Kasernen bringen ? Oder die Beschaffung von Billigst-Klopapier ? Da werden Abermillionen Euro für neue Waffen ausgegeben, aber für den Haarschnitt reicht es nicht mehr !? Armes Deutschland ! Hauptsache, es ist genug Geld für die Parlamentarier da ;-)
kumi-ori 27.01.2018
4.
Sicher kann man bei solchen Einrichtungen wie der Bunddeswehr auf den ersten Blick bei vielen Dingen eine Menge Geld sparen. Aber wie ist das, wenn es keinen hauptberuflichen Feldbarbier mehr gibt, und die Truppe beispielsweise nach Afghanistan in Marsch gesetzt wird? Wird dann die örtliche Friseuse aus dem Garnisonskaff für den Auslandseinsatz zwangsrekrutiert?
geradsteller 27.01.2018
5. Klar, bei der Truppe
muss gespart werden. Bei Anderem gilt, „wir schaffen das“. Entweder, ich muss beim Frisör sparen, dann darf ich nicht als Umwelt- Menschen- Retter protzen. Woher der Realitätsverlust?
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