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Bundeswehr: De Maizières Veteranentag sorgt für Wirbel

Deutschland soll seiner Soldaten gedenken. Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat dafür einen Ehrentag für Bundeswehrveteranen vorgeschlagen - vor allem das angedachte Datum sorgt für Irritationen.

Verteidigungsminister de Maizière: Ehrentag vorgeschlagen Zur Großansicht
dapd

Verteidigungsminister de Maizière: Ehrentag vorgeschlagen

Berlin/Holloman - Den Vorschlag machte er in den USA, wo ein Ehrentag für Soldaten eine lange Tradition hat: Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat die Einführung eines Ehrentags für Bundeswehrveteranen vorgeschlagen. Der CDU-Politiker will, ähnlich wie in anderen Nato-Staaten schon üblich, künftig auch in Deutschland einen Veteranentag begehen. Als ein mögliches Datum böte sich der jährliche Volkstrauertag an, sagte de Maizière am Mittwoch.

Doch die Kritik aus der Heimat ließ nicht lange auf sich warten. Der Verteidigungsexperte der Grünen im Bundestag, Omid Nouripour, sagte am Donnerstag: "Man kann einen Veteranentag nicht 'par Ordre du Mufti' einführen", sagte Nouripour am Donnerstag. Einen solchen Tag müssten die betroffenen Verbände organisieren. "Das muss von unten kommen." Der SPD-Wehrexperte Rainer Arnold lehnte den Vorschlag ebenfalls ab. "So ein Tag würde nur als künstlich aufgepfropft empfunden", sagte Arnold der "Mitteldeutschen Zeitung".

Für Kritik sorgte insbesondere de Maizières Vorschlag, wann man den Tag feiern könne. SPD-Mann Arnold hält es für "undenkbar, das Veteranengedenken auf den Volkstrauertag zu legen". Der Tag im November habe "eine Tradition, die in hohem Maße mit unserer unsäglichen Geschichte verknüpft ist."

Die Nationalsozialisten hatten den Volkstrauertag 1934 in Heldengedenktag umbenannt. Arnold sagte: "Die Bundeswehr ist aber kein Teil dieser Tradition und sollte auch an keiner Stelle den Eindruck erwecken."

"Wir haben uns bisher gedrückt"

Der Verteidigungsminister hatte gesagt, er könne sich vorstellen, an einem solchen Tag nicht nur die verwundeten Soldaten zu würdigen, sondern auch Tapferkeitsmedaillen für besondere Leistungen im Einsatz zu verleihen. Bis Ende des Jahres will de Maizière ein Veteranenkonzept vorlegen. "Es ist überfällig. Wir haben uns bisher davor gedrückt", sagte der Minister. "Eine Tradition entsteht nicht durch Verordnung. Aber vielleicht kann man mal eine Tradition stiften, und die Zeit ist jetzt reif."

De Maizière hatte sich im vergangenen Jahr in einer Rede im Bundestag erstmals zu dem Veteranenbegriff bekannt, der zuvor im offiziellen Sprachgebrauch nicht verwendet wurde. Gleichzeitig hatte er sich vorgenommen, die Betreuung von Veteranen zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit zu machen.

Unterstützung für de Maizière gab es vom Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus. Er schlug vor, mit einem Veteranentag an den "schwarzen Karfreitag" für die Bundeswehr vor zwei Jahren zu erinnern. Am 2. April 2010 war eine Bundeswehrpatrouille bei Kunduz von den Taliban angegriffen und in ein stundenlanges Gefecht verwickelt worden. Drei deutsche Soldaten wurden getötet. "Das war der Moment, wo die deutsche Öffentlichkeit auf dieses Thema reagiert hat", sagte Königshaus. "Ein Veteranentag in der Karwoche oder am 2. April wäre daher eine Idee."

De Maizière reagiert gelassen auf Diskussion

Auch der Bundeswehrverband unterstützte den Vorschlag de Maizières. "Wir begrüßen das Vorhaben des Ministers uneingeschränkt", sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Kirsch am Donnerstag in Berlin. "Er bekommt auf diesem Weg alle Unterstützung vom Deutschen Bundeswehrverband, die er braucht."

In vielen anderen Ländern ist der Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs - der 11. November - den Gefallenen und Veteranen gewidmet. In Großbritannien und den ehemaligen britischen Kolonien, dem Commonwealth, spricht man vom "Remembrance Day", dem Tag der Erinnerung. In den USA heißt der 11. November offiziell Veteranentag.

Dem Minister dürfte die Aufregung durchaus zupass kommen. De Maizière hatte die Idee zu dem Gedenktag ausdrücklich als Anstoß für eine breite Diskussion geäußert, von Verordnungen will der Chef des Wehrressorts nichts wissen. Nach einer Diskussion, die alle Betroffenen einschließen soll, könne man die Idee bis Ende des Jahres entwickeln, so jedenfalls hat es de Maizière gesagt.

Folglich reagierte der Minister auf seiner USA-Reise, die ihn am Donnerstag ins Pentagon und zum Geheimdienstkoordinator der US-Regierung führte, sehr gelassen - nämlich gar nicht. Aus seiner Delegation hieß es nur, eine breite Diskussion inklusive kritischer Stimmen, sei genau das Ziel des Vorstoßes gewesen.

fab/mgb/dpa/dapd

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1. ...
Joachim Baum 16.02.2012
Zitat von sysopdapdDeutschland soll seiner Soldaten gedenken. Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat dafür einen Ehrentag für Bundeswehr-Veteranen vorgeschlagen - vor allem das angedachte Datum sorgt für Irritationen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815704,00.html
Unsere Regierenden haben ein seltenes Talent, mit falschen Gedenktagen genau die zu "motivieren", die unseren Staat schon immer als falsche "Alternative" ansehen.
2. Einmotten
paix 16.02.2012
Pack die Bundeswehr endlich mal einer endgültig ein. Ich will keine Armee die in andere Staaten zieht und am Hindukusch Deutschland "verteidigt". Terror bekämpft man mit Polizei und Politik, nicht mit Panzern und Granaten. Wenns nach mir ginge würde sich Deutschland für neutral erklären und das ganze Militärgedöns abschaffen. Und nein, ich mag auch keinen "Veteranentag". Ich will nie wieder etwas, das offiziell den Berufsstand des Soldaten und damit das berufsmäßige töten auch nur ansatzweise huldigt und oder ehrt. Dann lieber ein Veteranentag für Polizei und Feuerwehr. Das wäre viel sinnvoller.
3.
Atheist_Crusader 16.02.2012
Gute Idee, schlechtes Datum. Deutschland hängt ja leider immer noch im Post-Weltkriegs-Würgereflex und findet alles irgendwie scheiße, was mit Militär zu tun hat. Es wäre schön, da auch mal wieder ein paar positivere Konnotationen zu bekommen. Bisher haben die Rechten praktisch das Monopol auf positive Gefühle gegenüber unserem Militär... und dem Pack sollte man auf solche Dinge nicht einfach das Exklusivrecht einräumen. Aber nicht Volkstrauertag. Nehmt was neues. Was ganz neues. Ohne jede Vorbelastung.
4. Pro. Ganz klar dafür
Kitu 16.02.2012
Zitat von sysopdapdDeutschland soll seiner Soldaten gedenken. Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat dafür einen Ehrentag für Bundeswehr-Veteranen vorgeschlagen - vor allem das angedachte Datum sorgt für Irritationen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815704,00.html
Das Datum ist mir Schnuppe, solange es ein offizieller Feiertag wird. Davon kann man nie genug haben... Und wen ich mit meinem Ausschlafen ehre ist prinzipiell ja auch... Na, Ihr wisst schon.
5. Gute Idee, nur anderes Datum bitte
JohnBlank, 16.02.2012
Zitat von sysopdapdDeutschland soll seiner Soldaten gedenken. Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat dafür einen Ehrentag für Bundeswehr-Veteranen vorgeschlagen - vor allem das angedachte Datum sorgt für Irritationen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815704,00.html
Ich halte von den humanitären Einsätzen, wir Bürger sagen dazu Krieg, nicht nicht. 10 Jahre sind viel zu viel ... Finde auf jeden Fall, dass wir solch einen Tag brauchen, auch wenn es dann nur "gespieltes" Mitleid ist. Ich hab Zividienst gemacht und kann der BW nix abgewinnen, aber die heutigen Soldaten verdienen einen solchen Tag. Wieviele sind in Afghanistan gefallen, 10 Stück oder so? So ein Tag ist längst überfällig, wenn wir schon humanitäre Einsätze machen "müssen". Nur das Datum ist unglücklich.
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Neues Stationierungskonzept der Bundeswehr
Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat das neue Stationierungskonzept der Bundeswehr vorgestellt. Danach stehen mehr als 60 der 328 Standorte vor dem Aus: 32 werden geschlossen, und weitere 33 schrumpfen auf weniger als 15 Mitarbeiter.
Baden-Württemberg
Schließung: Hardheim, Hohentengen, Immendingen, Sigmaringen.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Pforzheim, Ravensburg, Schwäbisch Gmünd.

Stationierung: Künftig 15.800 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 25.500, mit Sigmaringen wird ein Großstandort mit über 1000 Dienstposten geschlossen.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 2,4 auf 1,5.
Bayern
Schließung: Fürstenfeldbruck, Kaufbeuren, Penzing.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Bamberg, Deggendorf, Kempten (Allgäu), Regensburg, Traunstein, Würzburg.

Stationierung: Künftig 31.000 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 50.700, mit Fürstenfeldbruck und Penzing werden zwei Großstandorte mit über 1000 Dienstposten geschlossen.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 4,1 auf 2,5.
Berlin
Keine Schließungen oder signifikanten Reduzierungen. Das Führungskommando der Luftwaffe kommt nach Berlin-Gatow.

Stationierung: Künftig 5000 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 5200.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner bleibt bei 1,5.
Brandenburg
Keine Schließungen oder signifikanten Reduzierungen. Das Führungskommando des Heeres kommt nach Strausberg.

Stationierung: Künftig 7400 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 8800.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 3,5 auf 2,9.
Bremen
Keine Schließungen oder signifikanten Reduzierungen.

Stationierung: Künftig 700 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 1100.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 1,7 auf 1,1.
Hamburg
Keine Schließungen oder signifikanten Reduzierungen.

Stationierung: Künftig 2400 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 2700.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 1,5 auf 1,4
Hessen
Schließung: Rotenburg an der Fulda.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Darmstadt, Gelnhausen, Wetzlar.

Stationierung: Künftig 5400 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 8600.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 1,4 auf 0,9.
Mecklenburg-Vorpommern
Schließung: Lübtheen, Rechlin, Trollenhagen

Das Führungskommando der Marine kommt nach Rostock.

Stationierung: Künftig 10.600 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 14.200.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 8,6 auf 6,4.
Niedersachsen
Schließung: Ehra-Lessien, Lorup, Schwanewede.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Braunschweig, Göttingen, Neuharlingersiel, Stade.

Stationierung: Künftig 40.800 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 51.600.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner 6,5 auf 5,1.
Nordrhein-Westfalen
Schließung: Kerpen, Königswinter.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Arnsberg, Dortmund, Herford, Paderborn, Recklinghausen, Siegen. Das Führungskommando der Streitkräftebasis erhält seinen Sitz in Bonn.

Stationierung: Künftig 26.800 Soldaten und Zivilbeschäftgte statt bisher 36.600.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 2,0 auf 1,5.
Rheinland-Pfalz
Schließung: Bad Neuenahr-Ahrweiler, Birkenfeld, Emmerzhausen, Kusel, Speyer.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Kaiserslautern. Das Führungskommando des Zentralen Sanitätsdienstes kommt nach Koblenz.

Stationierung: Künftig 20.600 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 28.700, mit Kusel und Speyer werden zwei Großstandorte geschlossen.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 7,2 auf 5,1.
Saarland
Keine Schließungen

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Sankt Wendel.

Stationierung: Künftig 1400 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 2700.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 2,6 auf 1,4.
Sachsen
Schließung: Mockrehna.

Stationierung: Künftig 3600 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 4500.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 1,1 auf 0,9.
Sachsen-Anhalt
Keine Schließungen.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Halle (Saale) Stationierung: Künftig 4400 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 5600.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 2,4 auf 1,9.
Schleswig-Holstein
Schließungen: Alt Duvenstedt, Bargum, Glücksburg, Hohn, Hürup, Ladelund, Lütjenburg, Idstedt, Seeth.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Albersdorf, Bramstedtlund, Itzehoe, Schleswig.

Stationierung: Künftig 15.300 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 26.000.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 9,2 auf 5,4.
Thüringen
Schließung: Ohrdruf.

Künftig weniger als 15 Dienstposten: Mühlhausen, Suhl.

Stationierung: Künftig 6300 Soldaten und Zivilbeschäftigte statt bisher 9000.

Bundeswehrdichte je 1000 Einwohner sinkt von 4,0 auf 2,8.

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