Bundeswehr-Elitetruppen Ex-KSK-Chef lobt NS-Spezialeinheit als Vorbild

Ein Buch mit dem Titel "Geheime Krieger", das gleich zwei deutsche Eliteeinheiten in Verruf bringt, alarmiert Berliner Verteidigungspolitiker. Darin loben der ehemalige KSK-Chef Günzel und der legendäre GSG-9-Gründer Wegener eine berüchtigte NS-Spezialtruppe als Vorbild.


Hamburg - In dem Werk stellt der ehemalige Brigadegeneral Reinhard Günzel das Kommando Spezialkräfte (KSK) und seine Elite-Soldaten in die Tradition der Wehrmachts-Spezialdivision "Brandenburg". "Die Kommandosoldaten wissen genau, wo ihre Wurzeln liegen", schreibt Günzel, der bis Ende 2003 Kommandeur des KSK war, das auch in Afghanistan zum Einsatz kam. Die Einsätze der Division "Brandenburg" gälten "in der Truppe als geradezu legendär".

Günzel: Vorbild "Brandenburg"
DPA

Günzel: Vorbild "Brandenburg"

Den selben Ton schlägt als Mitverfasser der Generalmajor a. D. Ulrich Wegener an, Gründer und langjähriger Kommandeur der GSG 9, der Antiterroreinheit der Bundespolizei. Wegener, der 1977 die Erstürmung der entführten Lufthansa- Maschine "Landshut" befehligte und zum "Helden von Mogadischu" wurde, schreibt, Kameradschaft und Korpsgeist ließen sich "vor allem bei den Brandenburgern studieren".

Wie die dubiosen Vorbilder operierten, berichtet der dritte Autor, Wilhelm Walther, Ex-"Brandenburger" und zeitweiliger Stabschef des SS-Obersturmbannführers Otto Skorzeny: Die Kampfweise der Einheit sei von "List und Tücke geprägt" und die meisten Einsätze "nicht von dem damaligen Kriegsvölkerrecht gedeckt" gewesen.

Hans-Peter Bartels, SPD-Abgeordneter im Bundestags-Verteidigungsausschuss, sieht nun möglichen Handlungsbedarf: "Wenn das Bild des KSK, das in dem Buch gezeichnet wird, annähernd richtig wäre, dann gäbe es in den Heeres-Spezialkräften einiges zu korrigieren", sagte er dem SPIEGEL. Günzels Elite-Kämpfer seien offenbar "voller Dünkel gegenüber der verweichlichten Welt der Zivilisten wie auch gegenüber der Rest-Bundeswehr".

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