Iranischer Geheimdienst Ermittler enttarnen mutmaßlichen Spion bei der Bundeswehr

Über Jahre hatte ein Bundeswehrangehöriger Zugang zu hochgeheimen Informationen der Truppe. Er soll sie nach SPIEGEL-Informationen an das Regime in Teheran verraten haben.

Marschierende Soldatinnen und Soldaten
imago/ Deutzmann

Marschierende Soldatinnen und Soldaten

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Die Bundeswehr steht womöglich vor einem Spionageskandal. Nach Informationen des SPIEGEL nahmen Beamte des Bundeskriminalamts am Dienstag einen Mitarbeiter der Truppe fest, der hochsensible Informationen an den iranischen Geheimdienst MOIS verraten haben soll.

Generalbundesanwalt Peter Frank wirft dem 50-jährigen Abdul-Hamid S. geheimdienstliche Agententätigkeit vor. Der gebürtige Afghane arbeitete für die Bundeswehr als Sprachauswerter und landeskundlicher Berater. Für den iranischen Geheimdienst soll er bereits seit mehreren Jahren gearbeitet haben.

In seiner Tätigkeit bei der Bundeswehr hatte S. Zugang zu sensiblen Informationen, etwa zum Einsatz der Truppe in Afghanistan, womöglich aber auch zu anderen Gebieten von Interesse für deutsche Sicherheitsbehörden.

Die Tatsache, dass ein ausländischer Geheimdienst über Innenquellen im deutschen Sicherheitsapparat verfügt, ist hochbrisant. Entsprechende Fälle sorgen in der Regel für erhebliche Aufregung, wie der von Markus R. Der BND-Mitarbeiter war 2013 als Informant des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA aufgeflogen. Er hatte seine Erkenntnisse zudem russischen Behörden angedient.

2011 war ein russisches Agentenpärchen in Deutschland aufgeflogen. Über Jahre unterhielt es aus Deutschland eine Quelle im niederländischen Außenministerium und versuchte, Mitarbeiter aus deutschen Sicherheitsbehörden als Quellen zu rekrutieren.

Hackerattacken iranischer Dienste auf deutsche Ziele

In den Sicherheitsbehörden werden die Aktivitäten iranischer Nachrichtendienste in Europa seit einiger Zeit mit zunehmender Besorgnis beobachtet. Im vergangenen Jahr wurde ein in Österreich akkreditierter iranischer Diplomat in Deutschland festgenommen. Er soll über Jahre Quellen in Belgien geführt haben. Zuletzt soll er zweien seiner Zuträger den Auftrag für einen Anschlag auf das Treffen einer iranischen Oppositionsgruppe in Paris erteilt haben. Die beiden wurden kurz vor dem geplanten Anschlag festgenommen.

Zudem wurden Hackerattacken iranischer Dienste auf deutsche Ziele bekannt. Zwischenzeitlich glaubten die deutschen Behörden auch, Teheran bereite eine Liste mit potenziellen jüdischen Zielen in Deutschland vor, die im Falle eines Kriegs Irans mit Israel angegriffen werden könnten. Die Vorwürfe wurden allerdings bislang nicht bewiesen.

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insgesamt 46 Beiträge
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yvowald@freenet.de 15.01.2019
1. Bundeswehr-Kampfkraft gleich Null
Wenn es bei der Bundeswehr sauber zugeht und die Generalität nichts zu verbergen hat, ist die Aufregung um diesen angeblichen Spion, der für den Iran eine Kundschafter-Tätigkeit ausgeübt hat, ein Sturm im Wasserglas. Bei der deutschen Truppe funktioniert ja sowieso fast nichts, was also sollte da über die "Kampfkraft" nach außen dringen?
gammoncrack 15.01.2019
2. Offensichtlichtlich hat sich in den letzten 50 Jahren
einiges an den Sicherheitsüberprüfungen geändert. Vor meiner Versetzung 1974 in das Natohauptquartier nach Mons, wurden vom MAD 4 Personen aus meinem Umfeld aufgesucht und zu meiner Person befragt. Zusaätzlich wurde ich sprichwörtlich durch die Mangel genommen. Die Versetzung scheiterte fast an einem eintätigen Aufenthalt in dem damaligen Jugoslawien. Ich arbeitete zwischen Schule und Bundeswehr bei der damaligen TOUROPA als Page bei den angebotenen Urlaubsreise per Bahn. Die Sicherheitsüberprüfung war deswegen so intensiv, da ich im Rahmen meiner Tätigkeit zu Dokumenten der Klassifizierung Top Secret bekommen sollte und letztlich auch bekam. Auch das nicht sofort, sondern das "Upgrade" von Secret auf Top Secret erfolgte erst nach einem Jahr Beobachung. Wie derartiges nun möglich ist, entzieht sich meinem Verständnis. Es muss sich wohl einiges bei der heutigen Sicherheitsüberprüfung geändert haben, insbesondere wenn jemand Zugang zu hochgeheimen Unterlagen erhalten soll.
whugo 15.01.2019
3. Was kann er schon verraten haben?
Dass der jahrelange Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan rein gar nichts bewirkt hat? Dass ein Großteil der Ausrüstung der Bundeswehr nicht einsatzfähig ist? Dass die Bundeswehr sich deshalb Ausrüstung von befreundeten Staaten zusammenleihen muss? Dass der Einsatz der Bundeswehr hier in Deutschland höchst umstritten ist? Dass die Bundeswehr in Afghanistan Einheimische ausbildet, von denen manche anschließend zu den Taliban überlaufen? Ja, das sind alles hoch brisante Erkenntnisse, und vor allem sind sie überaus geheim!
RalfBukowski 15.01.2019
4. Worüber muss man sich denn jetzt...
...eigentlich Sorgen machen? Dass der Iran nun weiß, wie wenig einsatzfähig unsere Armee ist? Nun, das kann man doch ständig in der Zeitung lesen.
bushrat 15.01.2019
5. Logik
Zitat von whugoDass der jahrelange Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan rein gar nichts bewirkt hat? Dass ein Großteil der Ausrüstung der Bundeswehr nicht einsatzfähig ist? Dass die Bundeswehr sich deshalb Ausrüstung von befreundeten Staaten zusammenleihen muss? Dass der Einsatz der Bundeswehr hier in Deutschland höchst umstritten ist? Dass die Bundeswehr in Afghanistan Einheimische ausbildet, von denen manche anschließend zu den Taliban überlaufen? Ja, das sind alles hoch brisante Erkenntnisse, und vor allem sind sie überaus geheim!
Die Sachen hat er nicht verraten muessen, denn die kennen ja sogar Sie. Sie muessen die Sachen auflisten, die Sie nicht kennen. Die sind geheim.
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