Traditionswechsel Erste Kaserne nach gefallenem Bundeswehrsoldaten benannt

Verteidigungsministerin von der Leyen hat einer Kaserne einen neuen Namen gegeben, die bislang den eines Weltkriegsveteranen trug. Der Rückhalt für derlei Eingriffe in die Tradition ist häufig gering.

Ursula von der Leyen
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Ursula von der Leyen


Die Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover erinnerte mit ihrem Namen bislang an den preußischen General Otto von Emmich. Cambrai ist der Name der nordfranzösischen Stadt, die im Ersten Weltkrieg von deutschen Truppen besetzt wurde und wo es die erste größere Panzerschlacht gab. CDU-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat genug von derlei Heldenkult - zumal er auch in rechten Kreisen zelebriert wird.

Die Kaserne in der niedersächsischen Landeshauptstadt ist in Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne umbenannt worden. "Tobias Lagenstein bleibt in der Bundeswehr, bleibt im Kreise seiner Kameradinnen und Kameraden", sagte von der Leyen zur Übergabe der Urkunde mit dem neuen Namen. Der 2011 in Afghanistan bei einem Einsatz getötete Feldjäger Tobias Lagenstein habe sich "mit seinem Leben für die Verteidigung unserer Freiheit und unserer Werte eingesetzt", hatte sie zuvor dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt. "Lagenstein steht für die Bundeswehr von heute."

Von der Leyen unterzeichnete in Hannover auch den neuen Traditionserlass der Bundeswehr, mit dem die bisherigen Regelungen aus dem Jahr 1982 überarbeitet werden. "Gerade weil sich die Herausforderungen heute so schnell verändern, brauchen wir ein gemeinsames Verständnis von unserer Vergangenheit", sagte die Ministerin.

Der neue Erlass zielt laut Verteidigungsministerium auf "eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit" der Bundeswehr. Weder die Wehrmacht noch die ehemalige Armee der DDR dürfen demnach Vorbild für die Truppe sein. (Laden Sie das Papier hier herunter.)

Soldaten stützen Umbenennung

Als Zeichen für einen neuen Umgang mit ihrer Tradition hatte von der Leyen auch die Umbenennung von Kasernen mit den Namen von Wehrmachtsoffizieren angekündigt. Insgesamt tragen bundesweit rund 20 Kasernen strittige Namen von Wehrmachtsangehörigen.

Vor Ort aber stießen die Pläne bislang häufig auf wenig Unterstützung. In Rotenburg hätten sich sowohl die dortigen Soldaten als auch der Stadtrat gegen eine Umbenennung der Lent-Kaserne ausgesprochen, teilte SPD-Bürgermeister Andreas Weber mit. Namensgeber ist der von der Wehrmacht gefeierte Weltkriegsflieger Helmut Lent (1918-1944), der dem NS-Regime auch als Propagandafigur diente. Eine Informationstafel solle an der Kaserne über die Hintergründe aufklären und dem kritischen Umgang mit der Geschichte dienen.

Emmich-Cambrai-Kaserne, künftig Tobias-Lagenstein-Kaserne
DPA

Emmich-Cambrai-Kaserne, künftig Tobias-Lagenstein-Kaserne

Auch in Delmenhorst hatten Stadt und Soldaten bislang gegen einen Namenswechsel für die Feldwebel-Lilienthal-Kaserne votiert, die nach dem Panzerjäger und Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes, Diedrich Lilienthal (1921-1944), benannt ist.

Der Hannoveraner Namensgeber Emmich hatte dagegen nicht unter dem NS-Regime, doch auch seine Rolle beim deutschen Einmarsch in Belgien im Ersten Weltkrieg ist umstritten. Über die Umbenennung der Kaserne war bereits vor sechs Jahren diskutiert worden. Erst jetzt erfolgt jedoch der Namenswechsel.

Von der Leyen hatte eine Neufassung des bisherigen Traditionserlasses aus dem Jahre 1982 begonnen, nachdem 2017 der Fall des rechtsextremen Soldaten Franco A. aufgedeckt wurde. Damals kam heraus, dass in manchen Kasernen die Wehrmacht als Vorbild verehrt wurde.

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Hans-Peter Bartels, begrüßte die Umbenennung als "gutes Symbol". Der bisherige Name habe nicht mehr in die Zeit gepasst, sagte der SPD-Politiker der "Rheinischen Post". Auch die Stadt Hannover befürwortet den anstehenden Namenswechsel. Die Herausstellung militärischer Erfolge in beiden Weltkriegen entspreche nicht mehr dem heutigen Wertebezug der Bundeswehr, hieß es in der Beschlussdrucksache des Rathauses. Und: Die in Hannover stationierten Bundeswehrangehörigen selber hätten sich daher für eine Umbenennung nach ihrem gefallenen Kameraden ausgesprochen.

apr/AFP/dpa

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Seite 1
nadennmallos 28.03.2018
1. Kann die Dame hier eigentlich machen was Sie will?
Langsam wirds lächerlich, auch mit der Begründung, denn meine Freiheit hat der besagte Namensgeber nicht verteidigt. und schon garnicht außerhalb Deutschland. Gebt den Kaserner einfach neutrale Namen und fertig. Dieser ohnehin äußerst fragliche Personenkult führt zu nichts und: Er macht den Mann und Vater oder die Frau und Mutter ( Wenn sie denn Familie hatten) leider nicht wieder lebendig!
dbrown 28.03.2018
2. Ob 1. oder 2. Weltkrieg,
diese ganzen Nazi-Huldigungen gehören dringend abgeschafft. Auch wenn immer noch viem zu viele Ewiggestrige nichts davon hören wollen.
memphisman 28.03.2018
3. Begrüßenswert!
Als ehemaliger Zeitsoldat und Reservist finde ich die Benennung von Kasernen nach verdienten BW-Soldaten außerordentlich begrüßenswert. Das Andenken an im Einsatz gestorbenen Kameraden auf diese Weise zu ehren, ist genau das, was unsere Bundeswehr von den alten und überkommenen Traditionen abbringt. Aus meiner Einheit sind 1998 drei Kameraden in Bosnien gefallen, ein Oberfeldwebel, ein Haupt- und ein Obergerfreiter.
ex_Kamikaze 28.03.2018
4. Jede Armee braucht eine Tradition,
und die kann sich nur auf militärische Erfolge oder soldatische Vorbilder stützen. Da sieht es bei der Bundeswehr trübe aus. Alle früheren deutschen militärischen Erfolge sind heute bäh, Preußen ist bäh und Bayern und Sachsen (und natürlich die noch kleineren Teilstaaten) haben nur Niederlagen eingebracht. Alle Schlachtfelder liegen in heute verbündeten Staaten, außer eben Rußland. Nur hat Deutschland dort mehr Menschen getötet als sonst auf der ganzen Welt zusammen. Taugt also auch nicht. Wir sollten aber wenigstens die preußischen Militär- und Staatsreformer weiter zulassen, inklusive der bayrischen Seitenwechsler (es gibt ja in München eine Wredekaserne, benannt nach einem bayerischen Feldmarschall dessen Truppen immer mit dem marschierten der gerade siegte - erst mit Napoleon, dann gegen ihn). Immerhin haben die das ganze Land von der napoleonischen Fremdherrschaft befreit und erheblichen gesellschaftlichen Fortschritt erreicht. Ein Haar in der Suppe ist allerdings bei jedem zu finden - bei Blücher, bei Gneisenau, bei Scharnhorst, bei Yorck, bei Hardenberg und auch bei Stein.
Hans58 28.03.2018
5.
Zitat von dbrowndiese ganzen Nazi-Huldigungen gehören dringend abgeschafft. Auch wenn immer noch viem zu viele Ewiggestrige nichts davon hören wollen.
Im 1. Weltkrieg gab es die Nationalsozialisten noch nicht Derzeit gibt es 20 Kasernen in Deutschland, die nach Soldaten des 1.. oder des 2. Weltkriegs benannt worden sind Sie stehen auf der Liste für zukünftige Umbenennungen. P.S. Haben Sie sich mal an Ihrem Wohnort umgesehen, welche Straßen oder Plätze "verdächtige" Namen aufweisen.......
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