Kampfhubschrauber Akuter Pilotenmangel bei der Bundeswehr

Die Probleme mit dem Kampfhubschrauber "Tiger" sind dramatischer als bisher bekannt. Nach Informationen des SPIEGEL gibt es kaum Piloten, die in den Einsatz geschickt werden könnten.

Kampfhubschrauber vom Typ "Tiger"
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Kampfhubschrauber vom Typ "Tiger"

Von Konstantin von Hammerstein


Seit knapp sieben Jahren wird der neue Kampfhubschrauber "Tiger" bei der Bundeswehr eingeführt. Inzwischen sind 49 Maschinen ausgeliefert worden, von denen 38 dem einzigen deutschen Kampfhubschrauberregiment im hessischen Fritzlar zur Verfügung stehen.

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Heft 24/2017
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Doch die Truppe hat erhebliche Probleme, das notwendige Personal bereitzustellen.

Nach Informationen des SPIEGEL verfügen im Moment nur 18 Piloten über die Qualifikation, die für Flüge in Einsatzgebieten erforderlich ist. Das reicht gerade aus, um die vier "Tiger", die im Moment bei der Uno-Mission "Minusma" in Mali eingesetzt werden, ein Jahr lang zu betreiben. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

In einem internen Bericht des Kommandos Heer heißt es, der "Expertiseverlust" sei nicht nur bei jungen, sondern "mittlerweile bei allen" Piloten deutlich sichtbar: "Dies wird zunehmend zu einem sicherheitsrelevanten Thema." Die kleine Gruppe dieser 18 Piloten werde "für alle Übungs-/Schießvorhaben sowie Einsätze und einsatzgleiche Verpflichtungen herangezogen". Das habe "keine dauerhafte Erfolgsaussicht", weil diese Gruppe der hohen zeitlichen Belastung "durch Übungen und Einsätze nicht mehr standhalten wird".

Eine Entlastung sei nicht möglich, "da eine systematische, kontinuierliche Weiterbildung des gesamten bisher auf dem neuen Waffensystem ausgebildeten Personalkörpers mit den wenigen verfügbaren Flugstunden nicht mehr stattfinden kann". Wegen der wenigen Flugstunden könne die "Anzahl der einsatzbefähigten Besatzungen nicht weiter erhöht werden".

Der akute Pilotenmangel ist eine Spätfolge des Afghanistan-Einsatzes. 2012 musste die Bundeswehr vier der gerade neu eingeführten Kampfhubschrauber an den Hindukusch verlegen, obwohl das Pilotentraining gerade erst angelaufen war. 2013 und 2014 fand deshalb so gut wie keine Ausbildung mehr statt, weil alle Fluglehrer in den Einsatz mussten. Bis heute sind von den 123 Pilotenstellen für den "Tiger" nur 62 besetzt, von denen 18 die Vorgaben für Einsätze ("mission readiness") erfüllen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 68 Beiträge
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joG 10.06.2017
1. Es gibt an allen Ecken....
....und Enden die Symptome. Da stellt sich doch die Frage, ob Deutschland nicht ernsthaft sich in der internatiinalen Sicherheit einbringen will und statt dessen ein Potemkinisches Heer stehen hat. Da wird das vielfach und heute schon wieder beschworenes koordinieren des EU Einkaufs nichts bringen. Man hat keine funktionale Armee unterhalten wollen und hat sich echtem Kampfeinsatz verweigert. Das war zu teuer. Um auch nur halbwegs auf Augenhöhe zu kommen wird es eher etliche Jahre gut mehr als die 2 Prozent brauchen und nicht lediglich eine bessere Koordinierung und einen EU Gereralhauprquartier und solchen unsinn.
jujo 10.06.2017
2. ....
Das ist ein finanzielles Problem. Ist der Preis hoch genug findet sich auch das Personal. (für fast alles) Ich verweigerte mich in den achtzigern einem Einsatz mit dem Schiff in das Kriegsgebiet persischer Golf zu fahren. Kollegen ließen sich 15tsd. US $ zahlen für eine Woche Einsatz mit einem Tanker das zu tun. Einige haben das Risiko nicht überlebt.
watch15 10.06.2017
3. Und noch ein Versagen
Wir kaufen uns ein schönes Waffensystem, haben aber keine qualifizierten, ausgebildeten Leute, um es zu bedienen ... und das schon seit Jahren! Was macht UvdL eigentlich sonst, ausser medienwirksame Fotoshootings und Kasernen auf alte WK2 Bilder durchstöbern lassen? Und das Beste (Schlimmste), sie darf mit Rückendeckung der Kanzlerin und auch der Regierungsparteien einfach so weiterwursteln.
AxelSchudak 10.06.2017
4. 2012
2012 war die Era von Thomas de Maizière. Vermutlich ist das Problem aber schon unter seinem Vorgänger Guttenberg entstanden - was seine Verantwortung nicht schmälert. Auch vd Leyen sitzt nun schon Jahre im Amt - was immer dort schiefläuft, liegt in ihrer Verantwortung. Es ist schon etwas her, das wir einen kompetenten Verteidigungsminister hatten. "Militär" ist halt in Deutschland negativ besetzt - damit beschäftigen sich die wenisten ernsthaft...
edgarzander 10.06.2017
5. Für mich ein weiteres Zeichen...
..., dass die 2% des BIP, also die 30 Zusatzmilliarden, bei der Bundeswehr gut angelegt wären.
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