Online-Panne Bundeswehr stoppt umstrittene Frauen-Kampagne

Mit klischeeträchtigen Motiven wollte die Bundeswehr mehr Frauen rekrutieren - jetzt hat das Verteidigungsministerium die Aktion gestoppt. Der Grund soll eine Panne im Onlineauftritt der Werbekampagne sein.


Hamburg - Das Verteidigungsministerium hat eine umstrittene Werbekampagne für Frauen in der Bundeswehr abgebrochen. Die Kampagne war für ihre klischeehafte Darstellung von Frauen heftig kritisiert worden. Das soll aber laut Verteidigungsministerium nicht der Grund für den Stopp gewesen sein - sondern ein bizarrer Fehler beim Internetauftritt der Kampagne.

Kampagnen-Panne: Zewa statt Tarnfleck
Thomas Wiegold/ augengeradeaus.ne

Kampagnen-Panne: Zewa statt Tarnfleck

Wer die Seite via Facebook ansteuerte, sah ein Werbemotiv für "Zewa wisch & weg"-Haushaltstücher mit der Unterzeile: "So vielfältig wie Sie: Individuelle Karrieremöglichkeiten für Frauen bei der Bundeswehr." Die Seite war von einer vom Bundesamt für das Personalwesen der Bundeswehr beauftragten Werbeagentur erstellt und erst am Mittwoch freigeschaltet worden. Wer zurzeit die Internetadresse der Kampagne (frauen-in-der-bundeswehr.de) eingibt, wird automatisch auf die Homepage der Bundeswehr weitergeleitet.

Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums erklärte, dass die Kampagne bereits am Donnerstagnachmittag bis auf Weiteres gestoppt worden sei. "Sollten sich erste Angaben erhärten, dass ein Programmierfehler der vom Bundesamt beauftragten Agentur Ursache für die irrtümliche Verbreitung des Zewa-Bildes und die sich anschließende rufschädigende Diskussion war, behält sich das Ministerium rechtliche Schritte vor", erklärte sie.

Über den Stopp der Kampagne hatte zuerst der verteidigungspolitische Blog "Augen geradeaus!" berichtet, bei dem auch weiterhin ein Screenshot von der Panne zu sehen ist.

ric/dpa



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insgesamt 21 Beiträge
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tkedm 03.10.2014
1.
So wie ich das auf dem Screenshot erkenne, war der Fehler wohl nur eine gesponserte "Facebook"-Anzeige für die Kampagne, der ein falsches Werbebild zugeordnet war. Was hat das mit dem eigenen Internetauftritt zu tun?
mattutat 03.10.2014
2. Eine Panne hat, wer dies eine Panne nennt
Da werden also Fotos von Frauen gezeigt bei Tätigkeiten, die nicht alle, aber doch viele junge Frauen gerne machen, mit dem Subtext, zu überlegen, ob die Bundeswehr nicht eine ebensolche Tätigkeit sein könnte. Einzig die SpOn-Redakteurin Reimann hat in ihrem gestrigen Artikel dazu eine Reduzierung und Diskriminierung der Frauen auf solche dort symbolhaft dargestellten Tätigkeiten erkannt. In der aktuellen c't gibt es übrigens eine politisch vollkorrekte Bundeswehranzeige für zivile IngenieurInnen mit einem biederen Mann und einer ebensolchen Frau bei der gemeinsamen Lektüre von vermutlich technischen Unterlagen. Die ganz Empörungsbereiten werden aber auch da was finden, alleine schon diese phallischen Teile im Bildhintergrund ...
mauvaisreveur 03.10.2014
3. Kampagne war und bleibt ein epic fail
Um die Kampagne nochmal bündig zusammenfassen: Die Bilder haben Frauen bei Tätigkeiten abgebildet, die nichts mit dem beworbenen Arbeitgeber und dessen Jobangebote zu tun haben. Keine an Männer gerichtete Kampagne würde diese mit "typischen Männerinteressen" wie Sport, Autos, etc. abbilden, weil man glaubt, Männern erklären zu müssen: Keine Sorge, Jungs! Wenn ihr bei uns arbeitet, könnt ihr immer noch das machen, was wir Kerle immer gerne tun, ne? Das wäre nämlich eine beleidigende Unterforderung derjenigen, die sich wirklich für das Angebot der Bundeswehr interessieren. Warum das bei vielen Foristen nicht ankommt, sondern als "bizarre feministische Kampagne" gedeutet wird, ist ein Armutszeugnis für die deutsche Gesellschaft.
zwuck 03.10.2014
4. #Aufschrei
Ich möchte mich Kommentar No. 2 anschliessen. Sehr richtig. Mein Frauenbild, obwohl ich wesentlich jünger bin, muss wohl auch aus den 50ern sein. Ich kann nichts empörendes bei den Bildern finden. Abgesehen vom "Zewa"-Bild, das ich zugegebenermassen auch in keinen logischen Bezug zur eigentlichen Aktion setzen kann. Irgendwie scheint es, als ob Emanzipation im Jahre 2014 nur eine Richtung kennt: rückwärts. Über einen #Aufschrei-Tag scheint die Gleichberechtigungsbewegung jedenfalls kaum hinaus zu kommen. Bestenfalls wenig nachhaltiger Aktionismus und kurzweilig überlaute Empörung. Und am Ende des Tages wird doch wieder Rosamunde Pilcher geguckt und laut nach dem Staat gerufen, wenn es darum geht, alte Rollenbilder zu zementieren und das Erziehungsjahr zu finanzieren. Das ist unendlich lahm, wo es doch wirklich etwas zu tun gäbe ...
Mogelmann 03.10.2014
5. Kleinkariert
Da etwas diskriminierendes zu finden ist kleinkarierte Spinnerei. #Aufschrei! Eine Frau in einem Schuhladen! Erst wenn jemand etwas draus konstruiert reduziert er oder sie die Frau auf Schuhekaufen.
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