Bundeswehr-Gelöbnis Empörung über nackte Brüste

Nach der Störaktion beim feierlichen Gelöbnis der Bundeswehr in Berlin wird nun eine Bannmeile für die Hauptstadt gefordert. Eine Reihe halbnackter Frauen hatte die Veranstaltung gestürmt.


Protest im Bendlerblock
REUTERS

Protest im Bendlerblock

Berlin - Vor allem Bundestagsvizepräsident Rudolf Seiters (CDU) und die Deutsche Polizeigewerkschaft forderten schärfere Sicherheitsvorkehrungen. Derartige Vorkommnisse dürften sich in der Hauptstadt keinesfalls wiederholen, sagte Seiters. Mit ihrem "würdelosen Verhalten" hätten die Störer dem Ansehen Deutschlands und der Bundeswehr geschadet, die eine Friedensarmee sei.

Die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen, Angelika Beer, wies die Forderung als unnötig zurück. Sie verurteile die Störung, eine Bannmeile sei aber nicht notwendig. Entscheidend sei eine Normalisierung im Verhältnis zwischen Bundeswehr und Öffentlichkeit.

Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) nannte die Aktion "politisch unberechtigt, geschmacklos und würdelos". Er nehme dies aber nicht allzu ernst. "Es amüsiert mich mehr, als es mich empört."

Die Bundeswehr, die für die Einlaßkontrollen zu der Veranstaltung zuständig war, hatte einen Tag nach dem Eklat im Bendlerblock noch keine exakten Erkenntnisse darüber, wie es den Störern gelungen war, trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen den Veranstaltungsort zu erreichen. Ein Sprecher kündigte interne Untersuchungen an. "Das ist eine ärgerliche Sache", räumte er ein.

Die Polizei nahm insgesamt 42 Personen in Gewahrsam. Mehreren Frauen war es gelungen, sich fast nackt auszuziehen und oben ohne über den Platz zu flitzen. Einige von ihnen hatten ihre Brüste mit Parolen bemalt. Feldjäger fingen die Frauen, die von demonstrierenden Männern flankiert wurden, schließlich ein. Sieben Demonstranten müssen mit Untersuchungshaft wegen Landfriedensbruchs rechnen.

Die Gelöbnis-Gegner, eine Splittergruppe der Organisation "Jungdemokraten/Junge Linke", zeigten sich zufrieden mit ihrer Aktion und kündigten weitere Proteste gegen militärische Zeremonien in der Hauptstadt an.

Erst vor der Sommerpause hatte der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das die Ablösung der Bannmeile durch befriedete Bezirke rund um die Verfassungsorgane vorsieht. Die Deutsche Polizeigewerkschaft im Beamtenbund will nun doch eine Bannmeile für Berlin durchsetzen. Diese Einrichtung habe sich in Bonn bewährt.



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