Bundeswehr in Afghanistan Guttenberg führt Kämpfer-Orden ein

Soldaten der Bundeswehr sollen schon bald mit einer neuen Medaille ausgezeichnet werden. Der Orden wird nach SPIEGEL-Informationen auf Initiative von Verteidigungsminister Guttenberg für Einsätze im Kampf verliehen. Eine Reduzierung der Truppenstärke am Hindukusch steht vorerst nicht zur Debatte.

Guttenberg (in Afghanistan Anfang November): Neuer Orden für deutsche Soldaten
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Guttenberg (in Afghanistan Anfang November): Neuer Orden für deutsche Soldaten


Hamburg - Für den Einsatz im Kampf können Bundeswehrsoldaten künftig mit einem neuen Orden belohnt werden. Auf Initiative von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) billigte Bundespräsident Christian Wulff nach SPIEGEL-Informationen eine neue Gefechtsmedaille. Diese Sonderstufe der Einsatzmedaille der Bundeswehr soll an jene Soldaten verliehen werden, die "mindestens einmal aktiv an Gefechtshandlungen teilgenommen oder unter hoher persönlicher Gefährdung terroristische oder militärische Gewalt erlitten" haben.

Das neue Ehrenzeichen, so sieht es der Erlass vor, soll auch nach dem Tod verliehen werden können. Die erste der neuen Gefechtsmedaillen will Guttenberg am 25. November vergeben.

Mit seiner Einführung kommt der Minister einer weitverbreiteten Kritik in der Truppe entgegen: Die normale Einsatzmedaille der Bundeswehr erhalten alle Soldaten in einem Auslandseinsatz - ob sie überwiegend im Feldlager arbeiten oder auf Patrouille in umkämpfte Gebiete gehen.

Ein Verwundetenabzeichen für die deutschen Soldaten, wie es die Armeen anderer Nationen kennen, hatten Verteidigungsministerium und Bundespräsidialamt dagegen abgelehnt: "Grundlage für eine Auszeichnung sind besondere durch den Soldat zu erbringende Leistungen, die bei einem Verwundetenabzeichen so nicht gegeben wären.

Vorerst keine Reduzierung der Truppenstärke in Afghanistan

Derweil will die Bundesregierung die Truppen für den Afghanistan-Einsatz erst im Jahr 2012 reduzieren - und riskiert damit einen Zwist mit der SPD im Bundestag. Nach SPIEGEL-Informationen vereinbarten Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Guido Westerwelle (FDP), Guttenberg sowie das Innen- und das Entwicklungshilferessort bei einem Spitzentreffen im Kanzleramt, das bestehende Mandat mit einer Obergrenze von 5000 Soldaten und einer flexiblen Reserve von 350 zusätzlichen Soldaten Anfang nächsten Jahres zu verlängern.

Die bisher nicht eingesetzte Reserve soll auch weiterhin in Deutschland für Ausnahmesituationen bereitgehalten und nicht, wie von den USA und dem Isaf-Oberkommandierenden US-General David Petraeus gewünscht, zur Ausbildung der afghanischen Armee nach Afghanistan entsandt werden.

Mit einer Regierungserklärung will Westerwelle Mitte Dezember vor dem Parlament für eine breite Mandatsmehrheit werben.

Mit der geplanten Verlängerung des Mandats steuert die schwarz-gelbe Koalition auf einen Konflikt mit der SPD zu: "Der Abzug muss im nächsten Jahr beginnen", fordert der Europaabgeordnete Martin Schulz. "Vor der Verlängerung des Afghanistan-Mandats im Januar muss die Regierung dafür einen konkreten und präzisen Fahrplan vorlegen", sagt das SPD-Präsidiumsmitglied. Sollte Merkel den verweigern, empfiehlt er der SPD-Bundestagsfraktion zwar eine Zustimmung zum neuen Mandat, allerdings solle sie dann zusätzlich "einen solchen Fahrplan" als eigenen Entschließungsantrag einbringen.

Für die folgenden Jahre werde es in diesem Fall "keine weiteren Verlängerungen des Mandats mit den Stimmen der SPD geben", sagt Schulz. Es müsse sichergestellt sein, "dass die Bundeswehr spätestens im Korridor zwischen 2013 und 2015 an keinen Kampfhandlungen mehr teilnimmt".

Eine Spitzenrunde um Schulz, Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hatte sich am Montag der vergangenen Woche über die sozialdemokratische Linie zum Bundeswehreinsatz verständigt.

Taliban Großangriff auf Nato-Flughafen

Unterdessen hat die Nato in Afghanistan einen Großangriff auf einen Nato-Stützpunkt auf dem Flughafen von Dschalalabad abgewehrt. Acht Angreifer seien erschossen worden, berichtete die Nato. Die Taliban behaupteten, 14 Selbstmordattentäter seien an der mehrere Stunden andauernden Attacke beteiligt gewesen.



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Seite 1
darmstädter 15.11.2010
1.
Wenn man so liest könnte man meinen Opus Dei übernimmt!
Coolie, 15.11.2010
2. Jawoll....
...endlich kehrt wieder großdeutsche Tradition zurück. Ein Hoch auf unseren GröVaZ. Nun lohnt es sich wieder, für einen Blechorden zu sterben. Kotzen könnte ich....
sitiwati 15.11.2010
3. na, macht
Zitat von Coolie...endlich kehrt wieder großdeutsche Tradition zurück. Ein Hoch auf unseren GröVaZ. Nun lohnt es sich wieder, für einen Blechorden zu sterben. Kotzen könnte ich....
sih doch gut, auf nem Sarg: dei deutsche fahne und ein Blechstern!
Bre-Men, 15.11.2010
4. Dabei
hat er doch gestern so ergriffen getrauert.
simpelkopp, 15.11.2010
5. Orden - der alte Trick
Zitat von sysopSoldaten der Bundeswehr sollen schon bald mit einer neuen Medaille ausgezeichnet werden. Der Orden wird nach SPIEGEL-Informationen auf Initiative von Verteidigungsminister Guttenberg für Einsätze im Kampf verliehen. Eine Reduzierung der Truppenstärke am Hindukusch steht vorerst nicht zur Debatte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728961,00.html
Um in aussichtslosen Lagen fuer unsinnige Ziele kaempfende Soldaten noch bei Stimmung zu halten werden mit Tamtam, Blabla, Trommeln und Trompeten Orden verliehen. Ein alter seit Jahrhunderten ueblicher Trick. Falls die Soldaten ueberleben, koennen dann eventuell noch begeisterte "Helden" an nationalen Feiertagen mit Klapperblech dekoriert herummarschieren und sich wichtig vorkommen. Gebraucht werden von den Realitaeten bestimmte statt vom patriotischem Ideologienebel getruebte Entscheidungen. Aber dieser sog. Patriotismus passt doch in das alte Adelsdenken. Liebe Foristen bedenkt: Wir leben im 21. Jahrhundert! simpelkopp
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