Bundeswehr in Afghanistan Hunderte Soldaten leiden an Kriegstraumata

Der Bundeswehr-Kampfeinsatz in Afghanistan liegt Jahre zurück - trotzdem werden immer noch Kriegstraumata neu diagnostiziert: Allein im vergangenen Jahr waren 182 Soldaten betroffen.

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (2013)
DPA

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (2013)


Auch fünf Jahre nach Ende des Afghanistaneinsatzes bleibt die Zahl der an Kriegstraumata erkrankten Soldatinnen und Soldaten hoch. 2018 wurde bei 182 von ihnen eine einsatzbedingte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert. Das sind zwölf Erstdiagnosen mehr als noch 2017, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Sanitätsdienst der Bundeswehr berichtet.

Häufig nähmen Betroffene erst Jahre nach dem auslösenden Ereignis "eine unserer vielen Hilfsmöglichkeiten wahr", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Insgesamt seien im vergangenen Jahr bei 279 Soldaten einsatzbedingte psychiatrische Erkrankungen diagnostiziert worden, dazu zählen etwa auch Depressionen. 2017 waren es 274 Fälle. Erfasst werden nur Fälle, die in Bundeswehreinrichtungen behandelt werden - die tatsächliche Anzahl dürfte damit noch höher liegen.

Viele Soldaten würden sich erst später melden, "weil erst heute PTBS wie eine körperliche Verwundung angesehen wird", sagte Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Bundestages. Bei vielen Soldaten seien die Erkrankungen inzwischen aber chronisch, und es sei fraglich, ob die Bundeswehr den bestehenden Behandlungsbedarf noch adäquat befriedigen könne.

Der Kampfeinsatz der Nato in Afghanistan endete bereits 2014. Es war die vorerst größte und teuerste Auslandsmission der Bundeswehr, sie dauerte 13 Jahre und kostete fast neun Milliarden Euro. Bis zu 5350 Soldaten waren im Land. Die Bilanz des Einsatzes fiel nüchtern aus.

Bis heute hat die Bundeswehr bis zu 1300 Soldaten in Afghanistan stationiert, um die Ausbildung der landeseigenen Streitkräfte zu unterstützen. Ein Ende der Mission war zuletzt nicht in Sicht. Am Dienstag stellt Wehrbeauftragter Bartels seinen Jahresbericht vor.

Im Video: Posttraumatische Belastungsstörung - Treffer auf der Seele

SPIEGEL.TV

lmd/dpa



insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Christian Guenter 28.01.2019
1. Ja,
schrecklich. Aber wenn wir unsere Demokratie verteidigen gibt es halt ein paar Kolateralschäden. bgebombt? Die Hinterbliebenen leiden wahrscheinlich heute noch.
JackBlackBack 28.01.2019
2. Sanitär ungleich Sanität
ich möchte bei einem so sensiblen Thema wie diesem nur die Frage stellen ob es nicht angemessen erscheint vor der Veröffentlichung eine gründlichere Textprüfung vorzunehmen. Einen Sanitärdienst gibt es bei der Truppe sicherlich auch aber es dürfte wohl der Sanitätsdienst gemeint sein.
roby 28.01.2019
3. Und immer dran denken ...
Meldefrist ist max. 10 Jahre nach dem auslösenden Ereignis bzw. zwei Jahre nach der Diagnose. Für Auslandseinsätze ist oftmals kein direkt auslösenden Ereignis erforderlich, es reicht oft eine Dauerbelastung. Anwalt hinzuziehen!
r.b. 28.01.2019
4.
"unter Berufungauf den Sanitärdienst der Bundeswehr berichtet." den ruft man wenn man einen Klempner braucht. Es ist der SanitäTsdienst. zudem sollte man anmerken, dass der Afghanistaneinsatz auch noch nicht beendet ist. Es wurde nur das Mandat gewechselt. Nur weil Soldaten nicht mit der Intention, an Kampfhandlungen teilzunehmen in den Einsatz geschickt werden heißt es noch lange nicht, dass man nicht trotzdem traumatisierende Dinge selben kann.
lp26 28.01.2019
5. Psychiatrische Erkrankung
Worin unterscheidet sich eine psychiatrische Erkrankung von einer psychischen Erkrankung?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.