Gefährliche Uno-Mission Drohnen sollen Bundeswehrsoldaten in Mali schützen

Der Bundeswehreinsatz im Norden Malis wird gefährlicher, weil dort verschiedene Terrorgruppen verstärkt zusammenarbeiten. Überwachungsdrohnen sollen die Soldaten nun besser schützen.

Heron-Drohne
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Heron-Drohne

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Die Anschlagsgefahr beim Uno-Einsatz der Bundeswehr im Norden Malis steigt, daher entsendet Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen so schnell wie möglich drei Aufklärungsdrohnen vom Typ Heron. Bereits im November sollen die israelischen Drohnen mit ihren hochempfindlichen Kameras die ersten Überwachungsflüge starten und Missionen der Bundeswehr aus der Luft absichern, so das Ministerium in einem Bericht für den Bundestag. Bewaffnet sind die unbemannten Flieger nicht.

Die Lagebeschreibung für die kürzlich erst begonnene Mission der Bundeswehr klingt düster: Angesichts der derzeitigen Bedrohungslage, so der Vermerk, seien die Drohnen zum Schutz der Soldaten dringend notwendig. Besonders bei ihren Erkundungsfahrten außerhalb des Uno-Camps in der Stadt Gao drohen demnach Anschläge auf die Truppen.

Ende Mai attackierte ein Selbstmordkommando das Uno-Lager in Gao, in dem auch rund 400 Bundeswehrsoldaten stationiert sind. Ein chinesischer Soldat wurde getötet. In internen Papieren rechnet die Bundeswehr den Anschlag mit einer Autobombe direkt der Terrorgruppe al-Qaida zu.

Im Norden Malis agieren diverse bewaffnete Milizen. Seit Jahren kämpfen die Tuareg um mehr Einfluss und die Unabhängigkeit der Region, hinzu kommen Schmuggler und Islamisten, die sich al-Qaida angeschlossen haben.

Seit Ende 2015 bündeln die Feinde der Uno-Mission ihre Fähigkeiten offenbar. Die Lage werde derzeit durch die "gestiegene Effektivität" der verschiedenen Terrorgruppen in Nordmali bedrohlicher, so die Analyse der Bundeswehr: Sie arbeiteten zusammen und tauschten ihre Expertise im Bombenbau und in Angriffstaktiken aus.

Angriff aus dem Hinterhalt

Als Beispiel für die Effizienz der Gegner wird in Bundeswehrkreisen ein Angriff auf einen Uno-Konvoi Ende Mai genannt. Damals wurden die Uno-Fahrzeuge zunächst mit einem Sprengsatz und dann mit Handfeuerwaffen attackiert. Ein solcher Hinterhalt, den deutsche Soldaten aus ihrem Einsatz in Afghanistan kennen, sei bisher in der Region nicht üblich gewesen.

Aktuell hat die Bundeswehr die Bedrohungslage für alle großen Verbindungsstraßen in Nordmali auf die höchste Stufe ("HOCH") gesetzt, mit Bombenattacken muss man demnach dort jederzeit rechnen. Die Truppe verlässt das Lager in Gao grundsätzlich nur in schwer gepanzerten Fahrzeugen, die man aus dem Afghanistan-Einsatz kennt. Um ihre Mission zu erfüllen, müssen sie jedoch immer wieder absitzen und bei Gesprächen die Situation am Boden sondieren.

Die Heron-Drohnen gelten bei der Bundeswehr als sehr effektiv. Aus der Luft können sie das riesige Gebiet in Norden Malis stundenlang beobachten. Dabei können die Analysten am Boden gut erkennen, wenn an Straßen Bomben vergraben werden oder Feinde kleine Stellungen für Hinterhalte anlegen. Für das Lagebild der Uno insgesamt seien die Bilder sehr wertvoll. Bisher fliegt die Bundeswehr in Mali nur mit "Luna"-Drohnen, die einen viel kleineren Radius haben.

Gefährlichste Uno-Mission weltweit

Die Mission in Nordmali gilt weltweit als die gefährlichste Mission der Vereinten Nationen überhaupt. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 wurden 24 Uno-Soldaten getötet, rund die Hälfte davon im Mai und Juni. Im gesamten Vorjahr kamen zwölf Uno-Soldaten ums Leben.

Trotz intensiver Bemühungen der Europäischen Union kommt der politische Prozess, der dem Norden Malis mehr Unabhängigkeit sichern soll, nicht richtig in Gang.

2012 hatten islamistische Gruppen vom Norden aus versucht, auf die Hauptstadt Bamako im Süden zu marschieren, erst eine französische Intervention konnte sie stoppen. Auftrag der Uno-Mission in Mali (Minusma) ist es, das Land nun wieder zu stabilisieren. Doch seit über einem Jahr verhandelt man über diverse Abkommen für mehr regionale Autonomie, immer wieder ziehen sich die verschiedenen Parteien von den Gesprächen zurück.

Wegen der fragilen Sicherheitslage stockt die Uno ihre Truppen noch einmal auf 13.300 Soldaten auf. Auch das Mandat für den Einsatz wurde angepasst. Noch recht abstrakt heißt es darin, die Soldaten könnten nun "alle notwendigen Mittel" zur Ausübung ihres Mandats ergreifen, dazu zählten auch "direkte Einsätze" gegen Dschihadisten "im Fall schwerer und glaubwürdiger Bedrohung".

Bisher gehen einzig die Franzosen in einer separaten Mission gegen islamistische Gruppen vor. Im Mandat der Bundeswehr ist eine aktive Bekämpfung von Feinden nicht vorgesehen - allenfalls zum Selbstschutz sollen sie Gewalt anwenden.



insgesamt 5 Beiträge
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docmillerlulu 04.07.2016
1. Klar - die sollen schützen.
Und wenn sie dann so langsam hoffähig sind, dann wird es wohl auch neue Aufgaben für diese Schutzengel geben. Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Gibt es einen Grund annehmen zu dürfen daß wir nicht später auch Hochzeitsgesellschaften "beschützen"?
auweia 04.07.2016
2. @ docmillerlulu
Klar: Die sollen schützen. Und zwar in erster Linie unsere Soldaten. Und dafür wäre auch eine bewaffnete Drohne sehr sinnvoll. Der von Ihnen heraufbeschworene "Hochzeitsgesellschaftsfall" ist den Amerikanern passiert, weil der Lenker der Drohne Freudenschüsse aus Kalaschnikows (gehören in AFG durchaus zur männlichen Grundausstattung) mit einer Attacke verwechselt hat. Tragisch - aber ziemlich selten. Ich nehme an, die korrekte Reaktion auf dieses Szenario wird inzwischen geübt und die Bw tut das vorbereitend auch. Gleichzeitig lernen natürlich die die Überwachung interessierenden Personen auch. Was würden Sie sagen, wenn aus einer "Hochzeitsgesellschaft" heraus, die UN-Peacekeeper angegriffen werden?
Bernhard.R 04.07.2016
3. Sie hatten einen Staat gegründet, Nord-Mali
bis die Franzosen kamen, ihn überfielen und vernichteten. Deutschland hilft dabei.
smartphone 04.07.2016
4. Viel interessanter sollte sein
daß man in Deutschland es geradezuin Lichtgeschwindigkeit geschafft hat , die eigenen hitec Firmen quasi kaputt zu machen . Einige botenvor 10 Jahren einstzfähige Technik an, da studierte Mr DJi noch...Und heute ? Noch interessanter ist ,daß relevante Ingenieure hierzulande man lieber (dümmliche) Absagen seit Jahrzehnten schickt - anstatt einzustellen ..... Mittlererweile kauft man Drohnen in Israel oder USA... Übrigens dies. das permanente Drohenbashing sollt man lieber lassen, denn so wie es diesem Segment geht , geht es bald der Autoindustrie - bis man auf solch einem Supertanker merkt , daß Schraube und Ruderblatt längst abgerostet ... Länge läuft recht lang ....
Hans58 04.07.2016
5.
Zitat von Bernhard.Rbis die Franzosen kamen, ihn überfielen und vernichteten. Deutschland hilft dabei.
Trauten Sie sich nicht zu sagen, wer sich hinter "sie" verbirgt? "Sie" waren Tuaregs (Mali National Movement for the Liberation of Azawad - MNLA) , unterstützt von Islamisten, einen Staat im Norden von Mali ausgerufen haben. Der Stadt hieß nicht Nord-Mali, sondern Azawad. "Sie" sind auch diejenigen, denen u.a. der UN-Menschenrechtsrat Menschenrechtsverletzenden vorwirft, was man allerdings auch der Armee von Mali vorwirft. Deutschland hat nicht aktiv in den Bürgerkrieg eingegriffen. Französische und malische Truppen haben in der Operation Seval Gebiete im Norden von Mali zurück erobert. An der Rückeroberung haben sich auch westafrikanische Staaten (ECOWAS - Economic Community of West African States) mit Truppen im Rahmen von AFISMA (African-led International Support Mission to Mali) beteiligt, legitimiert durch den UN-Sicherheitsrat. AFISMA ging in MINUSMA (United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali) im Juli 2013 auf. Soviel zum "überfallen" und "vernichten". Vor dem "Überfall" und der "Vernichtung" haben fremde Mächte den Teil im Norden von Mali überfallen...actio > reactio, daraus wird ein Schuh!
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