Tödlicher Absturz in Mali "Tiger" verlor Triebwerksklappen

Neue Erkenntnisse zum Absturz des "Tiger"-Kampfhubschraubers in Mali: Nach SPIEGEL-Informationen hat der Unglücks-Helikopter vor dem Crash Teile des Triebwerks verloren.

Kampfhubschrauber des Typs Tiger in Mali
DPA

Kampfhubschrauber des Typs Tiger in Mali

Von


Nach dem tödlichen Absturz eines "Tiger"-Kampfhubschraubers in Mali Ende Juli hat die Bundeswehr für Flüge mit dem gleichen Helikoptertyp nach SPIEGEL-Informationen eine weitere Sicherheitswarnung erlassen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 42/2017
SPIEGEL-Gespräch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

In der "Vordringlichen Technischen Anweisung" des Luftfahrtamts der Bundeswehr werden jetzt strenge Kontrollen der Wartungsklappen an beiden Triebwerken vor und nach jedem Flug angeordnet. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Zuvor hatte die Bundeswehr in der malischen Wüste nach SPIEGEL-Informationen in mehreren Kilometern Entfernung von der Absturzstelle Teile der Triebwerksverkleidung der Unglücksmaschine gefunden. Diese könnten sich gelöst und während des Sturzflugs den Rotor beschädigt haben.

In der Anweisung heißt es dazu, Piloten und Techniker müssten für das Risiko von losen Klappen als "möglichen beitragenden Faktor auf das Unfallgeschehen" sensibilisiert werden.

Offenbar ist also ein Zusammenhang mit dem Absturz, bei dem beide Piloten ums Leben kamen, durchaus möglich.

Bisher hatte die Bundeswehr eine Fehlfunktion des Autopiloten als zentrale Ursache für den plötzlichen Sturzflug aus 500 Metern vermutet. Demnach könnte das Automatik-System den Helikopter steil nach unten gesteuert haben. Dieser Spur geht auch der Hersteller Airbus nach.

Airbus und die Bundeswehr hatten nach dem Unfall eine Warnung an alle Piloten herausgegeben, den Autopiloten nicht in Gebieten mit thermischen Turbulenzen einzusetzen und zu jeder Zeit die Hände an den Steuerknüppeln zu lassen, um bei möglichen Fehlfunktionen einzugreifen.

Obwohl die Absturzursache bislang nicht ganz aufgeklärt ist, hat das Heer die Wiederaufnahme des "Tiger"-Flugbetriebs mit Auflagen genehmigt. Zu der internen Warnung wollte sich die Bundeswehr trotz mehrfacher Nachfragen nicht äußern, da diese als Verschlusssache eingestuft sei.

Das zuständige Luftfahrtamt teilte lediglich allgemein mit, die "Vordringlichen Technischen Anweisungen" würden "Maßnahmen zur Vermeidung der theoretisch möglichen Ursachen eines Absturzes" abdecken. Die Recherchen zum Absturz würden weiter "ergebnissoffen" geführt.

Der "Tiger"-Kampfhubschrauber, einer der modernsten Flieger der Bundeswehr, war Ende Juli bei einem Flug zu einer Mission in Mali urplötzlich bei etwa 250 km/h über die Nase nach vorne abgekippt und im Sturzflug gen Boden gerast.

Da der Helikopter vollgetankt und bewaffnet war, explodierte die Maschine in einem Feuerball. Die Experten der Bundeswehr konnten am Boden nur noch Trümmer einsammeln, die bisher keinen Hinweis auf einen Materialfehler oder ähnliches erbracht haben.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Poco Loco 14.10.2017
1. Ist schon merkwürdig.
Bei der Beschaffung von Militärausrüstung läuft ganz schön viel schief, Helikopter für die Marine die nicht über Wasser fliegen können, Drohnen die keine Flugerlaubnis bekommen und Fregatten die nicht seetauglich sind und den Ansprüchen nicht genügen. Der M400 ist ein Milliardengrab, auch für den Steuerzahler, und seit vielen Jahren kann nicht geliefert werden. Hat man die Ansprüche zu hoch geschraubt oder sind die Ingenieure so schlampig? Dazu keine Regressansprüche seitens der Regierenden und keine Gewährleistungen seitens der Rüstungskonzerne. So ist das wenn Lobbyisten das Sagen haben und sich die Verträge selber schreiben, nicht umsonst unterhält Airbus ein eigenes Büro im Beschaffungsamt in Koblenz.
bessernachgedacht 14.10.2017
2. #1
Unsinn. Bei so komplexen Systemen wie heute und den Ansprüchen ist die Konstruktion alles andere als trivial und Fehler passieren. Übrigens ebenso in anderen Teilen der Erde, ob USA, Russland oder China. Da gibt es noch viel mehr Verluste und Schwierigkeiten, oder die Systeme sind noch lange nicht so komplex und universell. Der Unterschied ist nur, dass man aus Russland und China von solchen Pannen niemals etwas erfahren wird, aus den USA schon eher, aber auch nicht unbedingt, und wenn dann wird hier einfach nicht drüber berichtet weil es hier niemanden interessiert und auch für die Journalisten völlig uninteressant ist, wenn in irgendeiner Wüste der Welt irgendein US-Hubschrauber abstürzt. Übrigens ist es ganz normal, auch in der freien Wirtschaft, dass Lieferanten Büros bei ihren Kunden unterhalten. Das ist alles andere als anrüchig. Im laufenden Geschäftsbetrieb gibt es eben permantenent Abstimmungsbedarf, den man am besten persönlich klärt. Das geht zb mit Firmenvertretern in unmittelbarer Nachbarschaft.
Poco Loco 14.10.2017
3. @2.
Das ist natürlich naive Verharmlosung was sie da von sich geben. Die Häufung der Vorfälle ist unübersehbar, ganz unabhängig was bei anderen passiert oder nicht. Das Gewehr von Heckler u. Koch hatte ich noch gar nicht erwähnt. Alles eine Aneinanderreihung von stümperhaftem Versagen, und das seit über einem Jahrzehnt. Nirgendwo wird soviel Lobbyarbeit betrieben wie bei den Rüstungskonzernen, das hat nichts mit laufenden Geschäftsverfahren zu tun, Entscheidungen werden manipuliert, sind nicht objektiv und immer zum Nachteil der Militärs und dem Steuerzahler, was soll daran "freie Wirtschaft" sein, das ist doch Lobbyquatsch was sie da schreiben.
bessernachgedacht 14.10.2017
4. nur mal so allgemein
...sind die Militärausgaben im D relativ sehr gering und das obwohl es bei der BW erheblichen Nachholbedarf gibt. Sorry, aber bei so engen Budget ist eben nicht eine wunderwelt wir im Actionkino möglich. Auch zb in dem USA stehen grosse Mengen Militärische Luftfahrzeuge still. Sowas ist eher normal, weil auch nicht alles permanent gebraucht wird. Maschinen wie ein A400M oder die Helikopter sind hochkomplexe Angelegenheiten und zudem absolute Sonderanfetrigungen , die hohen Ansprüchen gerecht werden sollen und zudem während der gesamten Beschaddungsphase permanent umgeplant werden, weil sich die politische Wimdrichtung dauernd dreht oder das Weltgefüge und damit der Bedarf ändert. Jetzt fehlt nur noch der Tipp, man hätte doch Herkules oder Antonov beschaffen können. Die fliegen zwar einigermaßen zuverlässig, aber nur weil sie mehr als ausgereift, nämlich veraltet sind. Und wer will schon von den USA, geschweige denn vom Osten abhängig sein?
ein-berliner 15.10.2017
5. Es ist doch nicht so schwer
Vielleicht sollten Sie lieber mal selbst besser nachdenken @bessernachgedacht. Militärgerät muss unter allen Umständen absolut sicher funktionieren seinem Zweck dienen. Da gibt es keinen Spielraum für hochklomplexen Schrott der nicht nur im Ernstfall zur Lachnummer mutiert. So ist ein Panzer ist ein Kampfwagen und kein Ausstellungsstück. Erstaunlicherweise erfüllt der Leo seine Aufgabe, warum wohl? Da hatten die sogenannten Beschaffer der Bundeswehr eben keine Finger im Spiel. Nur wenn ein Pflichtenheft sinnvoll aufgestellt und verfolgt wird kann auch ein vernünftiges Produkt entstehen. Weiterhin hat die Rüstungsindustrie nur geprüftes Gerät auszuliefern und damit Geld zu verdienen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.