IT-Manager für die Bundeswehr Bestens verbunden

Ursula von der Leyen will die Bundeswehr fit fürs digitale Zeitalter machen. Die Rekrutierung eines Ex-Telekom-Managers, der dabei helfen soll, wirft Fragen auf - nicht nur wegen des üppigen Gehalts.

Bundeswehrsoldaten im Kompetenzzentrum für Software-Entwicklung in Dresden
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Bundeswehrsoldaten im Kompetenzzentrum für Software-Entwicklung in Dresden

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Wenn Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen über die Rekrutierung von Fachpersonal redet, spart sie nicht an Superlativen. Für die Bundeswehr will die forsche Unions-Ministerin nur die "besten Köpfe". Doch gerade im Bereich der Modernisierung des IT-Bereichs sind Top-Kräfte offenbar schwer für den Dienst bei der Truppe zu begeistern.

Auf den ersten Blick passt eine aktuelle Personalie in dieses Bild. Am Donnerstag hat die Gesellschafterversammlung der Bundeswehr-Tochterfirma BWI einen neuen Geschäftsführer benannt. Auf Betreiben der Bundeswehr, die 49,5 Prozent an der BWI hält, soll Ulrich Meister, früher Top-Manager bei T-Systems, den Job noch im Mai diesen Jahres von einem Bundeswehrbeamten übernehmen.

Die BWI spielt für die Bundeswehr eine wichtige Rolle. Vereinfacht gesagt ist die Firma in Meckenheim, an der auch Siemens und IBM beteiligt sind, der Internet-Provider der Truppe. Die Firma betreibt das gesamte Daten- und Kommunikationsnetz der Bundeswehr, betreut mehr als 140.000 Rechner und alle Leitungen zwischen den 1200 Bundeswehr-Standorten.

Meister scheint für den Posten wie geschaffen. Bis 2012 fungierte er als Top-Manager beim Branchenriesen T-Systems, hat also Erfahrung mit großen Netzwerken. Die Bundeswehr hatte sich schon lange für Meister starkgemacht. Anfang 2016 entschied dann Staatssekretär Gerd Hoofe, dass der alte BWI-Geschäftsführer dem neuen Mann weichen und den Übergang der BWI in eine reine Bundeswehr-Firma organisieren soll.

Für den Wechsel zur Bundeswehr-Tochter sagte man Meister allerlei Sonderregelungen zu. Neben einem satten Jahresgehalt von einer halben Million Euro inklusive Dienstwagen bestand der Neuzugang auf eine Art Jobgarantie für vier Jahre, für den Fall einer vorzeitigen Kündigung wollte er eine Abfindung von fast einem Jahresgehalt. Regulär gewährt die BWI solche Zusagen nicht. Im Fall Meister aber drückte man alle Augen zu.

Vorwurf der Kumpanei

Im Unternehmen sorgt die prominente Personalie nicht nur wegen des Luxus-Vertrags für Unmut. Meister soll auch fachlich umstritten sein. Als T-Systems-Manager war er vor einigen Jahren verantwortlich für eines der wichtigsten Projekte, das die Telekom-Tochter im Auftrag des BWI durchführen sollte: die Programmierung der gesamten Bundeswehr-Telekommunikation von analogen Geräten auf Internettelefonie.

Das Vorhaben der T-Systems-Leute endete im Fiasko, am Ende erledigten die BWI-eigenen Programmierer die Aufgabe. Kurze Zeit später, Ende 2012, fiel Meister bei T-Systems einer Umstrukturierungsmaßnahme zum Opfer. Offiziell trennte man sich im beiderseitigen Einvernehmen.

Dass ausgerechnet Meister nun wieder in hochdotierter Position zur BWI zurückkehrt, alarmiert die Belegschaft. Mitarbeiter haben bereits angekündigt, das Haus zu verlassen. Von einem regelrechten Braindrain, dem Abgang der vielgesuchten Computerspezialisten, ist bereits die Rede. Auch in internen Bundeswehrpapieren wird wegen des Neuzugangs vor "Irritationen und Unruhe" bei der Belegschaft und den anderen Geschäftsführern gewarnt.

In Meckenheim wird zudem der böse Verdacht einer Kumpanei bis in die Ministeriumsspitze gestreut. Hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich, der einstige Telekom-Mann Meister kenne die Rüstungs-Staatssekretärin Katrin Suder gut. Die enge Vertraute von Ministerin von der Leyen war vor ihrer Zeit im Ministerium bei der Unternehmensberatung McKinsey als Spitzenkraft aktiv und in der deutschen Berater-Szene wohlbekannt.

Bundeswehr verteidigt Besetzung

Der Vorwurf ist schwerwiegend. Fest steht, dass Suder im Jahr 2012 ein Buch Meisters unterstützte. In dem etwas sperrigen Werk mit dem Titel "Visionen 2030" fabulieren verschiedene Autoren über die Zukunft der Arbeitswelt, die Top-Beraterin Suder schrieb damals das Vorwort.

Die Bundeswehr verteidigte die Rekrutierung Meisters. Mit dem früheren Telekom-Mann, so ein Sprecher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, habe man einen "hervorragenden Fachmann" für die anspruchsvolle Aufgabe gewinnen können. Schon die Anfrage nach der Personalie hatte im Ministerium für helle Aufregung gesorgt, sorgsam hatte man den sensiblen Vorgang zuvor im kleinsten Kreis besprochen.

Trotzdem musste die Bundeswehr die Verbindungen des neuen Geschäftsführers zur Staatssekretärin einräumen. Laut dem Sprecher habe Suder vor ihrer Zeit als Staatssekretärin als Beraterin von McKinsey bei der Telekom mehrere Projekte für Meister geleitet. Seit dieser Zeit seien sich die "beiden bekannt". Bei der Kandidatenauswahl "nach objektiven Kriterien" habe dies aber nur "eine nachgeordnete Rolle" gespielt, behauptet das Ministerium.

Durch die Antwort wird zumindest klar, dass Suder in die Rekrutierung ihres Bekannten aus der Berater-Zeit direkt eingebunden war. Manche im Ministerium sagen sogar, ohne die alte Bande hätte sich Meister gar nicht auf den Job bei der Bundeswehr-Tochter eingelassen.

Ebenso bestätigte ein Sprecher, dass Mitarbeiter der BWI über Probleme bei der vorherigen Tätigkeit von Meister für die Bundeswehr-Firma berichtet hätten. Allerdings habe Meister das Projekt erst in einer "fortgeschrittenen Phase" übernommen. Fehler seien ihm also nicht anzulasten.



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