Mängel bei der Bundeswehr Deutsche "Tornados" sind nicht Nato-tauglich

Die mangelhafte Ausrüstung der Bundeswehr wird immer peinlicher. Nach SPIEGEL-Informationen heißt es in einem vertraulichen Papier, dass die Kampfjet-Flotte eigentlich nicht mehr an Nato-Missionen teilnehmen dürfe.

Kampfflugzeuge vom Typ "Tornado"
DPA

Kampfflugzeuge vom Typ "Tornado"

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Deutschland kann wegen der altersschwachen Kampfjets der Bundeswehr seine Bündnisverpflichtungen gegenüber der Nato nicht mehr einhalten.

In einem vertraulichen Bericht, über den der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe berichtet, schreibt das Verteidigungsministerium, dass die 93 "Tornados" deshalb sofort umfangreich modernisiert werden mussten. Grundsätzlich sei "die Einsatzbereitschaft mit zunehmendem Alter des Waffensystems deutlich risikobehaftet".

Die Mängel und Risiken, die der Bericht auf Dutzenden Seiten aufzählt, sind vielschichtig. Im Kern geht es um die Frage, ob man die in den Achtzigerjahren eingeführten "Tornado"-Jets, die im Ernstfall auch amerikanische Atombomben abwerfen sollen, überhaupt noch so modernisieren kann, dass sie wie geplant bis 2035 im Einsatz bleiben können. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Der Bericht nennt dazu sehr viele kritische Details. Demnach gelten das IT-System und die Verkabelung der "Tornados" als völlig veraltet. Der Jet ist daher nicht ausreichend abhörsicher. Er verfügt auch über kein kryptiertes Kommunikationssystem, das bei allen internationalen Einsätzen Pflicht ist.

Ebenso besitzt der "Tornado" bis heute kein von der Nato gefordertes Freund-Feind-Erkennungssystem, das irrtümliche Angriffe auf alliierte Jets oder folgenreiche Verwechslungen von Kampfjets in der Luft vermeiden soll. Der Einbau der Geräte in die deutschen "Tornados" sei allerdings bis 2019 "nicht mehr realisierbar", so der Bericht, ab dann gilt die Technik bei der Nato als verpflichtend.

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Waffensysteme der Bundeswehr: Bedingt einsatzbereit

Das Gesamt-Urteil in dem vertraulichen Papier ist alarmierend: Im jetzigen Zustand "könnte das Waffensystem Tornado an keinem Nato-Einsatz mehr teilnehmen", heißt es in der Beschreibung des möglichen Schadens, der in leuchtendem Rot markiert ist. Die Modernisierung allein für die IT der Jets, so das Papier, werde "Mehrkosten in Millionenhöhe" zur Folge haben. Zudem sei nicht klar, ob das Upgrade technisch überhaupt machbar ist.

Trotz der bestehenden Mängel hat Deutschland bei der Nato ab Januar dieses Jahres zehn "Tornados" für deren Eingreiftruppe NRF angemeldet, sie sollen die Einheiten der Allianz im Ernstfall aus der Luft unterstützen.

Mit den Problemen am "Tornado" wird die Bundeswehr noch lange kämpfen müssen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte 2016 entschieden, die "Tornados" noch bis 2035 und damit länger als geplant zu nutzen. In der Zwischenzeit will sie einen marktverfügbaren Kampfjet als Nachfolger aussuchen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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lesheinen 31.03.2018
1.
Über die Qualität der Ausrüstung hört man seit Jahren nur Negatives. Wenn der ganze Kram zu nichts nutze ist, frage ich mich, warum Jahr für Jahr Milliarden für Schrott ausgegeben werden. Wäre es nicht besser, billig aus rostigem Eisen Schwerter herzustellen und die so gewonnenen Milliarden in Infrastruktur und die Aufstockung von Hartz IV und der Renten reinzustecken?
mirage122 31.03.2018
2. Wird nichts mit Uschi!
Auf dem Weg zur Merkel-Nachfolge hat vdL einfach schon zu viele Federn gelassen. Aber sie wollte ja unbedingt das Verteidigungs-Ministerium auf dem Weg zu "Höherem". Immerhin hat sie Auslandserfahrung gesammelt - aber das war's dann auch schon!
cadaquesien 31.03.2018
3. Ich finde das überhaupt nicht peinlich.
Diese Zustände bei unseren Streitkräften unterstreichen doch vielmehr, wieviel Gewicht wir als Gesellschaft diesem Verein zumessen. Wenig, offenbar. Gut so.
kevinschmied704 31.03.2018
4. gegenfrage...
warum ist das wichtig? gibt es einen Grund, das es anders sein müsste? wenn alle vom krieg reden und sich selbst manipulieren, wird es irgendwann auch ganz sicher krieg geben. ich sehe ein das man vorsorgen muss, mit blick auf das Weltgeschehen, rate ich aber tunlichst davor, Monster zu schaffen.
tucson58 31.03.2018
5. Vertrauliches Papier ......
Das ist in den Medien immer so eine Sache wenn man keine konkreten und nach vollziehbare quellen angeben kann .. So ist das alles nur pure Spekulation. Aber abgesehen davon, ist das so auch leider zu glauben wenn man den Zustand der Bundeswehr kennt. Was hier seit Jahren gemacht wird ist ein politischer Skandal der sich seinesgleichen sucht . Man will auf der großen Bühne mitspielen, aber hat nicht das zeug dazu !
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