Bundeswehr-Kasernen Von der Leyen kann Internet-Versprechen nicht halten

Schnelles Internet für alle - mit diesem Versprechen wollte Ursula von der Leyen die Bundeswehr attraktiver machen. Doch nach SPIEGEL-Informationen hat bislang nur ein Bruchteil der Truppe kostenloses WLAN.

Bundeswehr-Kaserne
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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist mit ihrem Vorhaben gescheitert, die Bundeswehr durch freie Internetzugänge gerade für junge Soldaten attraktiver zu machen. Stattdessen müssen die Soldaten nach SPIEGEL-Informationen noch Jahre auf kostenfreie Zugänge zum Internet warten. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 27/2018
Fußball, Politik, Wirtschaft

Die Schlappe ist für von der Leyen ärgerlich: 2014 hatte die Ministerin allen fast 180.000 Soldaten in rund 2200 Bundeswehrgebäuden freies und schnelles Internet versprochen.

Jetzt, immerhin mehr als vier Jahre nach ihrem Einzug ins Verteidigungsressort, räumt ihr Haus ein, dass derzeit nur 2100 Soldaten an fünf Pilot-Standorten kostenfreies WLAN nutzen können. Für alle Soldaten sei freier Netzzugang frühestens Ende 2020 herstellbar, sagte eine Sprecherin auf SPIEGEL-Anfrage.

Grund für die massiven Verzögerungen sind auch Planungsfehler. So forderte die Telekom, anfangs von der Bundeswehr mit der Vernetzung der Truppe beauftragt, dass diese die Verkabelung von den Netzknotenpunkten zur Kaserne selbst bezahlt. Durch langwierige Verhandlungen mit dem Großkonzern ging viel Zeit verloren.

Erst im Sommer 2017 beauftragte man die Inhousegesellschaft BWI mit dem Projekt, die Bundeswehr ist an der IT-Firma beteiligt. Ob sie den ambitionierten Zeitplan einhalten kann, will im Ministerium niemand garantieren. Unter Experten heißt es immer wieder, möglicherweise könne sich die flächendeckende Versorgung auch noch bis 2020 hinziehen.

Die Situation für die Soldaten mutet ziemlich skurril an. In den Einsätzen wie in Afghanistan, Tausende Kilometer weg von der Heimat, können fast alle Soldaten über schnelles Internet Filme schauen oder mit ihren Verwandten chatten. In den Kasernen daheim hingegen bleiben die Soldaten offline.

Mittlerweile haben viele Soldaten auf eigene Kosten mobile Hotspots angeschafft. Die Wirtschaft hat auf die Marktlücke bereits reagiert: Anbieter wie Vodafone haben sogar spezielle Tarife nur für Soldaten.

Die Ministerin selbst ist wenig glücklich über die Verzögerung beim Projekt Internet für alle. Von der Leyens Frust war nach SPIEGEL-Informationen auch ein Grund, dass sie die verantwortliche Abteilungsleiterin Ende März ohne Angabe von Gründen in den Ruhestand schickte.

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
hugahuga 29.06.2018
1.
Sie kann es nicht. Röschen ist eine Fehlbesetzung - vielleicht nicht im Bereich von Kita Problemen - aber mit der BW ist sie in jedem Fall völlig überfordert. Wann endlich wird auch dieses Problem gelöst?
TontonTombi 29.06.2018
2. Fr. von Leyen kann gar nicht halten - warum ist die bloss noch im Amt?
Frau von Leyen ist so ziemlich die unfähigste Managerin in der Regierungs-Riege. Warum ist die überhaupt noch im Amt ? In jedem zivilisierten Land hätte man derartige "von Laien" schon längst gekickt. - "krummschiessende" Gewehre für Millionen verprasst.... - kaputte Panzer - keine einsetzbaren Hubschrauber mehr in der BW (und Marine= WARUM (zum Teufel) ZAHLT FRAU MERKEL DER NOCH EIN GEHALTT: Ein kräftiger Tritt in ihren Allerwertesten wäre schon vor 2 Legislaturperioden fällig gewesen. Ich werde mich nach anderen Parteien umschauen - diese unfähige Bande MUSS WEG von unseren Steuergelder. Kick sie Angela - sonst bist - die ist unhaltbar.
Velociped 29.06.2018
3. Wenn sie nicht einmal ein paar WLAN-Hotspots auf die Reihe bringt...
Ankündigungen kann sie, große Politik machen auch - aber Umsetzen offensichtlich nicht. Kein Wunder, wenn die Kette der fehlgeschlagenen Rüstungsprojekte unter ihr nicht ab- sondern zunimmt. Kein Wunder, dass kaum noch Material einsatzbereit ist. Aber sie fordert viel mehr Geld, damit sie damit besser misswirtschaften kann. Wann wird eigentlich Bilanz gezogen? Sicher nach 100 Tagen waren die meisten zu Tage getretenen Probleme, die Probleme ihrer Vorgänger. Inzwischen ist das anders, inzwischen hat sie die Probleme selbst verschuldet. So zahlen wir deutlich steigende Rüstungsetats, damit das Geld dann in Misswirtschaft versickert. Ihre Spezl von McKinsey & Co hat sie gut alimentiert, wie es FJS nicht schlimmer gemacht hat. Wenn so jemand Hoffnungsträgerin der CDU ist, besteht für die Partei wenig Hoffnung.
coyote38 29.06.2018
4. Jetzt mal ernsthaft ...
Hat IRGENDWER tatsächlich etwas ANDERES erwartet ...? Die Frau ist seit JAHREN mit restlos ALLEM überfordert. Da ist das Verteidigungsministerium nicht die erste Station. Oder kann man mir auch nur ein EINZIGES Projekt von Frau von der Leyen nennen, was sie NICHT krachend gegen die Wand gefahren hätte ...?
genugistgenug 29.06.2018
5. Hardware, besonders die erprobten Siemens Lufthaken, fehlen!
Für diese Dinger hat man schon vor 50 Jahren den Lehrling losgeschickt um damit die Kabel frei durch die Zimmer führen zu können - und das war lange vor Netzwerk/WLAN Zeiten. Unbedingt notwendig war dazu auch die 'Feierabendschablone". Aber wieder im Ernst - zuerst müssen Mitarbeiter bestimmt werden die sich drum kümmern müssen - dann müssen die mit Computern geschut werden - danach Netzwerk und am Ende WLAN. Weil inzwischen viele neue Updates auf dem Markt sind, beginnt das in 20 Jahren wieder von vorne. Von den Kostentopfen ganz abgesehen. Vor 20 Jahren waren wir auf Einladung der Amis bei einem Manöver dabei - Partner aus 35 Nationen und Organisation durch Bundeswehr - Die Amis hatten vorsorglich eine private Firma beauftragt und die hatten innert Stunden in jedem Gebäude Netzzugriff - der Monteur hatte schöne zwei Wochen weil alles sauber lief. Die Bundeswehr durfte auch Soldaten ins Nervenzentrum abstellen (Ausbildung an modernster Kriegstechnik, usw.) - die ersten 3 Tage hat man die noch gesucht, dann aufgegeben. Weil die BW Feldheren/Webel immer verschiedene Soldaten abstellten und die am anderen Tag zum Küchendienst, usw. verdonnerten. Aber immerhin haben die BWler alle Wettkämpfe gewonnen, wie Bierkrug stemmen, usw.
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