Ärger in Elite-Einheit Frauenfeindliche Sprüche - Bundeswehr setzt KSK-Kommandeur ab

Beim KSK gibt es Hinweise auf weitere Missstände: Nach SPIEGEL-Informationen muss der Vizekommandeur der Eliteeinheit seinen Posten wegen derber Sprüche und Drohungen räumen. In einem anderen Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Soldaten auf dem KSK-Kasernengelände (in Calw)
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Soldaten auf dem KSK-Kasernengelände (in Calw)

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Im Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr gibt es nach SPIEGEL-Informationen neue Hinweise auf Fehlverhalten der militärischen Führung. Die Bundeswehr will nach internen Ermittlungen jetzt den stellvertretenden Kommandeur der Eliteeinheit absetzen.

Eine zivile Angestellte der Einheit, die im baden-württembergischen Calw stationiert ist, hatte sich über Oberst Thomas B. beschwert - wegen verbaler Entgleisungen, Drohungen und frauenfeindlicher Sprüche. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Nach einer Prüfung durch den Wehrdisziplinaranwalt entschied die Militärführung, den Vizekommandeur aus dem KSK zu versetzen. Er macht zurzeit eine Kur. Das KSK, eine Einheit von rund 1100 Mann, soll deutsche Geiseln im Ausland befreien oder Terroristen gefangen nehmen.

Geschmacklose Abschiedsparty

Die Bundeswehr betont, der Fall von Oberst B. habe nichts mit Vorwürfen zu tun, die ebenfalls in dieser Woche bekannt wurden: Demnach hatten KSK-Soldaten im April für einen scheidenden Kompaniechef eine Party ausgerichtet, die völlig aus dem Ruder gelaufen war.

Einer Zeugin zufolge sollen auf der Feier bei Sindelfingen rechtsextreme Lieder gespielt und der Hitlergruß gezeigt worden sein. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Nazi-Vorwürfen gegen diese Truppe übernommen. Es sei ein Verfahren wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet worden, teilte ein Sprecher am Freitag mit.

Für ihren Kompaniechef hatten die Soldaten eine Art Rundlauf aufgebaut, mit Bogenschießen, einer Kletterwand und einem Weitwurfwettbewerb mit Köpfen von toten Schweinen. Eine Frau war von den Soldaten extra aus Hamburg eingeflogen worden und sollte dem scheidenden Kommandeur als "Hauptpreis" nach dem Parcours zugeführt werden. Zum Geschlechtsverkehr sei es aber nicht gekommen, da der Oberstleutnant zu betrunken war, so sagte es die Zeugin aus.

Die Bundeswehr vernahm in den letzten Wochen Dutzende Teilnehmer und stellte fest, dass es den Parcours gab. Die Soldaten hätten jedoch erklärt, es seien weder rechtsextreme Lieder gespielt noch der Hitlergruß gezeigt worden, heißt es aus dem Kommando des Heeres. Geschmacklos sei die Feier aber schon gewesen.

Für das KSK, dessen Mitglieder als die Besten der Besten bei der Bundeswehr gelten, sind die Schlagzeilen mehr als nur peinlich. Seit Jahren versucht die Einheit mehr weiblichen Nachwuchs zu gewinnen. Sowohl der Partyexzess als auch die derben Sprüche des Kommandeurs dürften Frauen eher abschrecken.

SPD-Kritik an von der Leyen

Die SPD kritisierte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wegen ihres Umgangs mit den neuen Skandalen scharf. Fraktionschef Thomas Oppermann warf der Ministerin vor, sie fülle ihre Führungsrolle der Bundeswehr nicht aus.

"Täglich werden neue Probleme öffentlich, bis hin zum Tod eines Soldaten in der Routineausbildung", sagte Oppermann dem SPIEGEL, "doch statt die Fälle rigoros aufzuklären, betreibt die Ministerin nur noch Selbstinszenierung".

Oppermann fügte hinzu: "Die Bundeswehr hat kein Haltungsproblem aber mit Ministerin von der Leyen ein gravierendes Führungsproblem an der Spitze."

Dieses Thema stammt aus der neuen SPIEGEL-Sonderausgabe zur Bundestagswahl - erhältlich ab Dienstagmorgen und schon heute ab 15 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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insgesamt 224 Beiträge
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nadennmallos 18.08.2017
1. Tja, wenn wir eine KSK brauchen, dann ...
... werden wir mit solchen Männern leben müssen. Tatsache ist nun mal, dass es den "anständigen Krieger", so wie beispielsweise der wagnersche Lohengrin, nicht gibt. Die Jungs (ich will die weiß Gott nicht in Schutz nehmen, aber auch nicht schlecht reden) müssen, wenn es darauf ankommt, sehr viel "aushalten", physisch und psychisch! Sicher, es gibt dort auch "den reinen Idealisten", aber vermutlich sind die in der Minderzahl. Männer die sich für so etwas entscheiden, "ticken" nun mal anders. Das war leider schon zu allen Zeiten so, egal ob bei den alten Römern, den Condottieri, den Söldner im 30jährigen Krieg oder eben bei den heutigen "Söldnern". Frauenfeindliche Sprüche sind einfach dumm, aber wenn derjenige im Ernstfall das Leben anderer Menschen durch seinen persönlichen Einsatz rettet, tja, dann würde man demselben Mann auf die Schulter klopfen.
trompetenmann 18.08.2017
2. Frauen beim KSK?
In kämpfenden Einheiten des KSK halte ich das für falsch. Außerdem bezweifel ich, dass Frauen die extrem harte Aufnahmeprüfung bestehen. Oder werden die Leistungsgrenzen für Frauen gesenkt? Und wenn ja, mit welcher Begründung? Wie auch immer. Wer erwartet, dass in einer derartigen Spezialeinheit nur Geistes- oder Sozialwissenschaftler ihren Dienst tun, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob er nicht an Realitätsverlust leidet.
MattKirby 18.08.2017
3. Und?
Was wird erwartet? Dass zum Töten ausgebildete Einzelkämpfer Schnitzeljagd und Topfschlagen veranstalten? Diese Menschen riskieren im Namen der Bundesrepublik ihr Leben und wegen derartiger Kindereien wird dann der große Hammer ausgepackt. Das ist albern. A propos; was wurde eigentlich aus der rechtsextremen Terrorzelle um Franco A.. Dazu hört man verdächtig wenig.
roenga 18.08.2017
4. Ach SPON!
"Eine zivile Angestellte der Einheit, die im baden-württembergischen Calw stationiert ist, hatte sich über Oberst Thomas B. beschwert - wegen verbaler Entgleisungen, Drohungen und frauenfeindlicher Sprüche." Die Schlagzeile bezieht sich auf diesen Vorfall, im Artikel wird aber nicht weiter darauf eingegangen, sondern ausführlich über den anderen Vorfall mit der Abschiedsparty berichtet. Wäre doch hilfreich gewesen zu erfahren, um welche verbalen Entgleisungen, Drohungen und frauenfeindlichen Sprüche es sich bei dem jetzt abgesetzten KSK-Kommandeur gehandelt hat. Journalism 101 - Schlagzeilen sollten halt den nachfolgenden Inhalt skizzieren.
simonweber1 18.08.2017
5. Ich
bin immer wieder erstaunt, warum Politik und Medien auf solche Vorkommnisse so erschüttert reagieren. Was glauben die eigentlich welcher "Geist" bei der BW herrscht? Ein Verein der von ehemaligen Wehrmachtssoldaten im Wesentlichen geformt wurde. Der die Soldaten und speziell KSK Einheiten, nicht erst nach der Zeit des " Bürgers in Uniform" für das "töten" (falls der Begriff Ihnen nicht behagt, nehmen sie erfolgreiche Kampfausbildung), ausbildet? Wie soll nun das Eine (töten im Ernstfall) mit dem sogenannten Gutmenschentum in Einklang gebracht werden? In einer solchen Organisation ist die politische Tendenz immer stark rechts. Dieser Trend wird nicht abnehmen, sondern durch diverse Auslandseinsätze deutscher Soldaten in Kriegsgebiete eher zunehmen. Moralische Werte sinken bei jedem Soldaten der an Kampfeinsätzen in Kriegsgebieten beteiligt war. Das ergeben zumindest Studien von Psychologen und Psychatern aus den USA, die solche Dinge untersucht haben.
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