Materialprobleme Bundeswehrpiloten müssen auf ADAC-Helikoptern trainieren

Kreative Mangelwirtschaft: Nach SPIEGEL-Informationen müssen Hubschrauberpiloten der Bundeswehr wegen mangelhafter Einsatzbereitschaft der eigenen Flotte nun auch in ADAC-Helikoptern trainieren.

Eurocopter-Hubschrauber EC 135 (bei einem Besuch des damaligen Umweltministers Peter Altmaier in einem Nordsee-Windpark im August 2012)
dapd

Eurocopter-Hubschrauber EC 135 (bei einem Besuch des damaligen Umweltministers Peter Altmaier in einem Nordsee-Windpark im August 2012)


Die Bundeswehr lagert wegen des schlechten Zustands ihrer Helikopterflotte einen großen Teil ihres Pilotentrainings aus. Nach SPIEGEL-Informationen sollen die Hubschrauberpiloten der Truppe künftig auch in zivilen ADAC-Hubschraubern trainieren, da nicht genug einsatzbereite eigene Flieger bereitstehen.

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Für rund 21 Millionen Euro hat das Verteidigungsministerium deswegen am vergangenen Dienstag 6500 Flugstunden per Vertrag beim Automobilclub eingekauft. Ab März 2018 sollen Bundeswehrpiloten am Truppenstandort im niedersächsischen Bückeburg auf Hubschraubern vom Typ EC 135 für ihre Basisausbildung oder zum Erhalt von Fluglizenzen die nötigen Stunden abfliegen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Grund der Notmaßnahme ist der sogenannte Klarstand, also die Zahl von Helikoptern, die flugbereit sind. Sowohl die erst vor einigen Jahren eingeführten Hubschrauber "Tiger" als auch der NH90 leiden unter technischen Ausfällen und stehen nicht oft genug für Ausbildungsflüge zur Verfügung. Zudem sind mehrere von ihnen noch immer im Mali-Einsatz der Truppe gebunden.

Durch den Kauf der Flugstunden sollen nun vor allem junge Piloten trotz der schlechten Materiallage ausreichend viele Flugstunden abfliegen können. Auf den ADAC-Hubschraubern wird vor allem der Instrumentenflug geübt. Militärisch, also für den scharfen Einsatz mit Waffen, werden die Piloten weiterhin auf Helikoptern der Bundeswehr ausgebildet.

Sowohl der "Tiger" als auch der NH90 gelten seit ihrer Einführung vor rund fünf Jahren als pannenanfällig. Zuletzt gab es immer neue Anweisungen für Checks der Triebwerke, die vor und nach jedem Flug durchgeführt werden müssen und viel Zeit in Anspruch nehmen. Derzeit hat die Bundeswehr gerade so viele vollausgebildete Piloten, um den Mali-Einsatz zu bemannen.

Bis heute ist auch der tödliche Absturz eines "Tiger" in Mali nicht vollständig aufgeklärt. Der Kampfhubschrauber war auf dem Weg zu einem Einsatz urplötzlich mit der Nase nach vorne in die Tiefe gestürzt, beide Piloten kamen ums Leben. Laut den ersten Ermittlungen gab es eine Fehlfunktion des Autopiloten, der den Flieger nach unten lenkte.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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mgb

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