Bundeswehr-Mangelwirtschaft Luftwaffe hat nur vier kampfbereite "Eurofighter"

Neue massive Probleme beim "Eurofighter": Nach SPIEGEL-Informationen sind von 128 Kampfjets nur eine Handvoll einsatzbereit. Im Ernstfall könnte die Bundeswehr ihre Nato-Pflichten nicht erfüllen.

Eurofighter auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Schönefeld
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Eurofighter auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Schönefeld

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Die Besucher der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA südlich von Berlin konnten dieser Tage den "Eurofighter" als Meisterwerk der Technik bewundern. Gleich mehrmals donnerten die Kampfjets der Bundeswehr vergangene Woche über das Ausstellungsgelände am Flughafen Schönefeld. Die Piloten zeigten waghalsige Manöver, vor allem die Loopings waren spektakulär.

Die Einsatzrealität sieht trister aus. Nach SPIEGEL-Informationen kämpft die Luftwaffe mit einem massiven Problem am "Eurofighter". Der Großteil der 128 Maschinen starken Flotte ist für Einsätze gesperrt. Den Technikern macht das Selbstschutzsystem Sorgen, da an einem Behälter für Sensoren, im Fachjargon Wing Pod genannt, Kühlflüssigkeit austritt.

Ohne das System "Dass" aber ist der Jet für echte Missionen nicht einsatzbereit. Laut Insidern dürften derzeit nur rund zehn "Eurofighter" zu echten Einsätzen starten. Gemeint sind damit Anforderungen der Nato oder eben ein Notfall über Deutschland, zum Beispiel das Eindringen von feindlichen Flugzeugen in den Luftraum. Mit der kleinen Zahl sind die deutschen Zusagen an die Nato kaum zu erfüllen, bei der Allianz hat man 82 "Eurofighter" für Krisenfälle angemeldet.

Ohne Selbstschutz kein echter Einsatz

Das Problem ist kompliziert. Vereinfacht gesagt haben alle "Eurofighter" an den Flügeln einen Sensor, der feindliche Jets oder Angriffe erkennt und den Piloten warnt. Vor rund einem halben Jahr entdeckte man, dass der Pod nicht mehr richtig gekühlt wird. Da er zentral für das Selbstschutzsystem "Dass" ist und dieses bei allen Einsatzflügen aktiv sein muss, sinkt die Zahl der einsatzbereiten Jets.

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Waffensysteme der Bundeswehr: Bedingt einsatzbereit

Erst kürzlich kam dann noch ein weiteres Problem hinzu. Zwar konnten die Techniker die defekten Pods an den Flügeln austauschen, allerdings brauchten sie ein bestimmtes Ersatzteil zum Abdichten des Kühlkreislaufs. Dies aber, so die ernüchternde Antwort der Industrie, ist derzeit nicht mehr lieferbar, weil der Hersteller verkauft worden ist. Die Luftwaffe hat davon nichts erfahren, nun muss man improvisieren.

Schon vor der Entdeckung der neuen Probleme galt der "Eurofighter" als Sorgenkind der Luftwaffe. In einer offiziellen Übersicht für den Bundestag wurden im vergangenen Jahr nur 39 der 128 Jets als einsatzbereit aufgeführt. Dieser Bericht, im Fachjargon Klarstand genannt, war einer der düstersten Befunde über die vielen Waffensysteme und sorgte für negative Schlagzeilen. Aber zumindest schien es so, als verschweige man die Probleme nicht mehr.

Im Video: Eurofighter im Einsatz - Härtetest für die Himmelsstürmer

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Genaue Zahl als "geheim" eingestuft

Gerade deshalb sind die aktuellen Reaktionen der Bundeswehr erstaunlich. Ein Sprecher teilte dem SPIEGEL mit, die "tagesaktuelle Verfügbarkeit" beim "Eurofighter" sehe derzeit besser aus als 2017, genaue Zahlen seien als "geheim" eingestuft. "Ihren aktuellen Einsatzverpflichtungen kommt die Bundeswehr derzeit uneingeschränkt nach", betonte die Bundeswehr. Es werde daran gearbeitet, den Engpass bei den Ersatzteilen auszugleichen.

Die Antwort ist, vorsichtig ausgedrückt, irreführend. So zählt die Luftwaffe alle "Eurofighter"-Jets als verfügbar, die überhaupt fliegen dürfen. Dazu gehören aber viele Flieger, die nicht über ein funktionierendes Selbstschutzsystem verfügen. Diese dürfen zwar mit Attrappen an den Flügeln für Trainingsflüge oder Manöver genutzt werden. Echte Einsätze, so wie die Luftraumüberwachung am Ostrand der Nato, sind mit diesen Jets aber ausgeschlossen.

Rechentricks mit Einsatzfristen

Einen ähnlichen Rechentrick wendet die Bundeswehr an, wenn sie behauptet, man komme allen Nato-Verpflichtungen nach. Dahinter steckt das Prozedere, dass Mitgliedstaaten Zusagen mit Fristen versehen, wann das Material einsatzbereit sein muss. Deutschland hat 82 "Eurofighter" für die "High Readiness Force" und die "Force of Lower Readiness" angemeldet.

Damit hat man 90 und 180 Tage Zeit, einsatzbereite Jets bereitzustellen. Da es derzeit aber keinerlei akute Anfragen gibt, kann die Bundeswehr behaupten, man komme allen aktuellen Einsatzverpflichtungen nach. Ein Insider: "Wir können mit gutem Gewissen sagen, dass große Teile der Truppe einsatzbereit sind, da es derzeit keinen Einsatz gibt."

Das Problem mit dem Selbstschutzsystem ist derzeit nur eine der Sorgen der Militärs. Weil die Luftwaffe über nur zwei Handvoll Luftkampfraketen für die "Eurofighter"-Flotte verfügt, sind nach SPIEGEL-Informationen nur vier Jets für echte Kampfeinsätze startklar. Da man die Waffen auch nicht schnell nachkaufen kann, sind die Nato-Anforderungen selbst mit einem Vorlauf nicht zu erfüllen. Auch dieses Detail ist als "geheim" eingestuft.

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einwerfer 02.05.2018
1. Die Friedensbewegung hat gesiegt
Kein U-Boot und nur 4 Eurofighter einsatzbereit, das nenne ich 'Frieden schaffen mit immer weniger Waffen'. Als wirtschaftlich denkender Mensch muss ich allerdings einwenden: bischen wenig für 37 Milliarden, oder ?
ovi100 02.05.2018
2. Gro-Ko Schuld an diesen Tatsachen..
da sieht man wie momentan die Gro-Ko das Land kaputt regiert.. Friede-Freude-Eierkuchen Mentalitaet geparrt mit mangelnde Sachkompetenz bei den Ministern tun Ihr Uebrigstes! Apropo wurde dieses Unternehmen nicht zufaellig aus dem Ausland eingekauft der vielleicht wissentlich das Bauteil nicht mehr herstellt? Damit hat er die Wunderwaffe auf einen Schlag nutzlis gemacht und auf den 60 Jahren Stand gebracht..Was machen die Buerokraten den ganzen Tag um nicht solche moegliche Problemfaelle zu erkennen? Gibt es keine laengerfristigen Liefervertraege fuer solche Bauteile ueber die Gesamtbauzeit des Flugzeugs?!? warum wurden nicht neue Lieferanten ausgesucht oder das Bauteil nicht neu ausgeschrieben?!? Wurden die Erklaerungen des Unternehmens recherchiert? Eine Menge Fragen die selbst ein in der Materie ahnungsloser in 5Minuten einfallen..
oli h 02.05.2018
3. Geheim!
Wieso werden eigentlich Informationen als geheim eingestuft wenn sie dann doch jeder im Spiegel lesen kann? Darüber hinaus würde mich ein Vergleich mit Grossbritanien interessieren wie es dort mit der Verfügbarkeit der Typhoons aussieht. Die nehmen ja jetzt auch nicht Grössenordnungen mehr an Geld für die Rüstung in die Hand und haben noch ein paar ganz andere Hausnummern im Arsenal.
bommipit 02.05.2018
4. Traurig.......
das man sich nicht geschützt fühlt. Aber ich denke die Firmen die die Bundeswehr mit Ersatzteilen beliefern eine große Mitschuld haben. Da sind wir bei dem Satz Angebot und Nachfrage. Man liest das die Firma die das Ersatzteil für die Kühlflüssigkeit herstellt verkauft worden ist. Das heißt nicht dass diese nicht mehr herstellen. Die wollen Geld machen denke ich Mal. Solche Firmen muss die Politik an die Kandarre nehmen mit einer Lieferpflicht. Per Gesetz und wegen der nationalen Sicherheit.Die Beamten im Beschaffungsamt muss eine Möglichkeit zur Sanktion gegeben werden. Notfalls gehören die Chefs der Firmen in den Knast. Dieses Getue der Firmen in den USA gibt es nicht. Dort wandern sie in den Knast wenn sie die nationale Sicherheit gefährden.Aber in Deutschland jammern die Firmen ja schon wegen ein paar Cent Lohnerhöhung in der Slowakei.
politisch_nicht_korrekt 02.05.2018
5. 2%-Ziel
Vor diesem Hintergrund kann man die Forderung der USA nach erhöhten Verteidigungsanstrengungen durchaus verstehen. Und auch die Nichtbeteiligung am jüngsten Syrien-Einsatz sieht jetzt nicht mehr nach kluger Zurückhaltung aus, sondern nur noch danach, es schlicht nicht zu können.
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