Bundeswehr MAD plant Frühwarnsystem gegen rechtsextreme Soldaten

Die Enttarnung des rechtsextremen Oberleutnants Franco A. alarmiert den Militärischen Abschirmdienst. Im SPIEGEL erklärt MAD-Präsident Gramm, was der Bundeswehrgeheimdienst künftig besser machen will.

Wehrmachts-Maschinenpistole, Soldatenzeichnung in einem Aufenthaltsraum des Jägerbataillons 291 in Illkirch
DPA

Wehrmachts-Maschinenpistole, Soldatenzeichnung in einem Aufenthaltsraum des Jägerbataillons 291 in Illkirch

Von


Der Militärische Abschirmdienst (MAD) will sich künftig intensiver und systematischer um mögliche rechtsextreme Tendenzen in der Bundeswehr kümmern. Nach der Entdeckung der Zelle rund um den Oberleutnant Franco A. soll ein Frühwarnsystem zur Identifizierung von Rechtsextremen in der Bundeswehr eingeführt werden. Sein Dienst müsse "insbesondere mehr in der Prävention tun und möglichst vor die Welle kommen", sagte MAD-Präsident Christof Gramm im Interview mit dem SPIEGEL.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 21/2017
Wie Hacker die Welt attackieren. Wie wir uns schützen können.

Zukünftig will der MAD laut Gramm Kommandeure und Soldaten besser aufklären, wie man schon den Beginn einer Radikalisierung erkenne. Konkret will der Dienst der Truppe dazu einen Kriterienkatalog liefern. "Niemand wird als Extremist geboren, es ist immer ein Prozess", sagte Gramm, "wir als MAD müssen der Truppe helfen, die Anfänge dieser Prozesse besser zu erkennen."

Gramm betonte, der MAD dürfe sich nach den aktuellen Festnahmen nicht "der Illusion eines Einzelfalls" hingeben: "Der Fall Franco A. gibt Anlass zur Sorge, dass ein Dunkelfeld besteht, das wir bisher nicht entdeckt haben."

MAD-Präsident Christof Gramm
Getty Images

MAD-Präsident Christof Gramm

Derzeit bekomme der Dienst "eine ganze Fülle von Meldungen". In der Truppe habe es nach der Entdeckung der rechten Zelle offensichtlich einen Sensibilitätsschub gegeben. "Deswegen werden wir genau prüfen, ob wir in der Vergangenheit etwas übersehen haben", so Gramm.

Gleichzeitig warnte der MAD-Chef davor, die im Sommer beginnenden Sicherheitsüberprüfungen für neue Rekruten bei der Bundeswehr zu überschätzen. Eine Sicherheitsüberprüfung der Stufe eins könne nicht tief in die Köpfe hineinschauen. "Ein Mann wie Franco A., der keinerlei Vorstrafen hatte, wäre allein durch eine solche Überprüfung vermutlich nicht aufgefallen", sagte Gramm.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Donnerstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.