Oberleutnant unter Terrorverdacht Bundeswehr-Geheimdienst durchleuchtet Umfeld von Franco A.

Nach der Festnahme des terrorverdächtigen Oberleutnants Franco A. sucht die Bundeswehr in den eigenen Reihen nach möglichen Komplizen oder Mitwissern. Auch zu seiner Waffe wurden überraschende Details bekannt.

Bundeswehrsoldat (Archiv)
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Die Bundeswehr will im Fall Franco A. auf Nummer Sicher gehen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat Generalinspekteur Volker Wieker angewiesen, neben den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen das militärische Umfeld des terrorverdächtigen Oberleutnants auszuleuchten. A. war beim Jägerbataillon 291 im französischen Illkirch eingesetzt. Mit den Recherchen wurde der Militärgeheimdienst MAD beauftragt.

Für die Bundeswehr ist der Fall des Offiziers, der sich eine Tarnidentität als syrischer Kriegsflüchtling beschaffte, dann in Wien mit einer geladenen Waffe erwischt wurde und sich später bei Telefonüberwachungen als überzeugter Ausländerfeind erwies, ein Alarmsignal. So war Franco A. während seiner rund acht Jahre Dienstzeit weder durch zwei Sicherheitsüberprüfungen durch den MAD noch durch Hinweise von Kameraden als extremistisch oder rechtslastig aufgefallen.

Die Recherchen des MAD fokussieren sich nun zunächst auf das direkte Umfeld des 28-jährigen Soldaten. So werden alle Soldaten, die beim Jägerbataillon mit ihm eingesetzt waren, erneut befragt. Schon nachdem A. in Wien mit der scharfen Waffe erwischt worden war, gab es erste Vernehmungen. Dabei äußerten einige seiner Kameraden zumindest, dass er während der Flüchtlingskrise abfällig über Ausländer gesprochen habe. Als stramm rechts allerdings bezeichnete ihn keiner der Soldaten.

SPD bezeichnet von der Leyen als Sicherheitsrisiko

Zumindest als Hypothese muss die Militärführung davon ausgehen, dass es unter den Kameraden Mitwisser oder gar Komplizen gibt. Folglich erwartet man mit Spannung die Auswertung von sichergestellten Laptops, Mobiltelefonen und Speichermedien aus den diversen Hausdurchsuchungen bei dem Zugriff am vergangenen Mittwoch. Sollte sich dabei herausstellen, dass es eine Art rechtes Netz rund um Franco A. in der Truppe gab, wäre das für die Truppe ein Super-GAU.

Politisch steht Ministerin von der Leyen, die bisher eisern zu dem Fall schweigt, bereits unter Druck. Aus der SPD heraus wird sie gemeinsam mit Innenminister Thomas de Maizière schon als Sicherheitsrisiko bezeichnet. Nach einer Sitzung des Geheimdienstkontrollgremiums kritisierten die Linken, der MAD habe bei den Sicherheitsüberprüfungen des jungen Soldaten ganz offenbar nicht richtig nachgeforscht und deswegen seine rechte Gesinnung nicht enttarnt.

Liest man die Bundeswehrakte von A., wirkt er wie ein Muster-Soldat. Vor gut acht Jahren kam er zur Truppe, alle Tests bestand er mit Bestnoten, war engagiert, stets pünktlich, durchlief sogar eine französische Generalstabsprüfung. Im vergangenen Jahr wurde er zum Jägerbataillon 291 nach Illkirch versetzt, dort plante er auf einer sogenannten S3-Stabstelle internationale Übungen und Manöver. Unter seinen Kameraden galt er als hochintelligenter Einzelgänger.

Pistole aus dem Zweiten Weltkrieg

Spätestens nachdem er von der Polizei in Wien mit einer geladenen Waffe erwischt wurde, die er auf einer Flughafentoilette versteckt hatte, zeigte sich ein anderes Bild. Schon auf dem Flughafen fanden die Fahnder ein Mobiltelefon und einen USB-Stick mit Audiodateien, wahrscheinlich aus einer WhatsApp-Kommunikation. In den Nachrichten soll Franco A. gegen Ausländer hetzen. In einem Vermerk heißt es, die Aussagen seien mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unvereinbar.

Danach ermittelte die deutsche Justiz verdeckt gegen A., die Bundeswehr wurde gebeten, ihn weiter normal zum Dienst antreten zu lassen. Bei einer Telefonüberwachung allerdings bestätigte sich das Bild eines rechtsextrem und ausländerfeindlich gesinnten jungen Manns, der mit Gesinnungsgenossen gegen Ausländer hetzte. Bei den Recherchen des MAD soll nun auch geklärt werden, ob unter den Kontakten von Franco A. weitere Bundeswehrsoldaten sind.

Rätsel gibt den Fahndern noch immer die gefundene Waffe auf. Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich bei der Pistole um das Fabrikat "French Unique", Kaliber 7,65. Zwar sei die Waffe wohl funktionstüchtig gewesen, allerdings wurden Pistolen diesen Typs zur Zeit des Zweiten Weltkriegs gefertigt und gelten eher als begehrtes Sammelobjekt. Ob A. mit der Waffe also tatsächlich einen Anschlag geplant hat, erscheint durch diese neue Erkenntnis zumindest fragwürdig.

Bei seiner Vernehmung in Wien hatte A. angegeben, er habe die Waffe beim Besuch des "Balls der Offiziere" am 20. Januar in Wien in einem Busch gefunden. Aus Angst, die Pistole werde bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen entdeckt, habe er sie dann in der Toilette versteckt.

Mitarbeit: Jörg Diehl

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