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22. September 2014, 09:00 Uhr

Risse am Heck

Die Hälfte aller deutschen Marine-Helikopter ist kaputt

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Heute soll die Fregatte "Lübeck" in Richtung Indischer Ozean aufbrechen, um Piraten zu jagen. Das Schiff wird dabei auf Bordhubschrauber verzichten müssen. Wegen technischer Probleme ist die Hälfte aller Marine-Helikopter nicht startklar.

Berlin - Die Marine kämpft mit massiven Problemen: Viele ihrer Hubschrauber sind nicht einsatzbereit, was erhebliche Auswirkungen auf die Anti-Piraterie-Mission "Atalanta" am Horn von Afrika hat. Ein Sprecher des Wehrressorts bestätigte einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). Das Blatt hatte technische Probleme bei den Bordhubschraubern des Typs "Sea Lynx" gemeldet.

Die Fregatte "Lübeck", die heute in Richtung Indischer Ozean aufbrechen soll, wird deswegen offenbar ohne die Bordhubschrauber ablegen. Diese werden eigentlich als Aufklärer und Jäger von Piratenschiffen eingesetzt.

Das Hubschraubermodell "Sea Lynx" wurde seit den Achtzigerjahren eingesetzt. Mitte Juni wurden Probleme gemeldet. Bei der sogenannten Vorfluginspektion für den Einsatz vor der Küste Somalias entdeckten Techniker des Fliegergeschwaders 5 an dem Helikopter mit der Marine-Kennung 83+24 einen etwa 20 Zentimeter langen Riss im Heckkonus, dem hinteren Teil des Fluggeräts. Ebenso sollen auch erste Nieten, die die Stahlplanken zusammenhalten, schon abgerissen oder zumindest locker gewesen sein.

Gesamte Flotte nicht "flugklar"

Die Techniker erklärten den Helikopter, der mit rund 2000 Flugstunden erst weniger als ein Drittel seiner Lebenszeit erreicht hat, für fluguntauglich. Laut "SZ" wurden danach bei weiteren "Sea Lynx"-Hubschraubern ähnliche Risse und andere Mängel festgestellt. Deshalb sei derzeit die gesamte Flotte von 22 Helikoptern des Typs nicht "flugklar".

Die Einschränkung für die Marine ist erheblich: Die deutschen Seestreitkräfte verfügen nur über 43 Hubschrauber. Die restlichen Modelle vom Typ "Sea King" gelten jedoch als altersschwach und wegen ständiger Reparaturen als nur sehr bedingt einsatzbereit. Faktisch ist damit der Flugbetrieb der Marine lahmgelegt. In der Truppe rechnet man nicht damit, dass die Probleme mit dem "Sea Lynx" dieses Jahr noch behoben werden können.

Nach dem dramatischen Bericht über die katastrophale Einsatzbereitschaft der Luftwaffe steht damit nun auch die Marine in einem schlechten Licht.

Chaotischer Rüstungsbereich der Bundeswehr

Im Wehrressort dürfte es wegen der schlechten Nachrichten weitere Nachforschungen geben. Obwohl die Mängel seit drei Monaten bekannt sind, scheint die Ministeriumsspitze erst vergangene Woche durch eine Vorlage an Staatssekretärin Katrin Suder davon erfahren zu haben. Ministerin Ursula von der Leyen hatte Suder, früher Unternehmensberaterin bei McKinsey, erst kürzlich ins Haus geholt, um den chaotischen Rüstungsbereich der Bundeswehr auf Vordermann zu bringen. Sie hatte sich kürzlich auf einer Fachtagung von Militärexperten recht locker als "New Kid on the Block" vorgestellt.

Sollte Suder tatsächlich erst drei Monate nach der Entdeckung der gravierenden Probleme von der Marine darüber informiert worden sein, würde das die Tradition fortsetzen, schlechte Nachrichten auch intern so lange wie möglich geheim zu halten. An diesem Geist waren schon mehrere Vorgänger der aktuellen Ministerin gescheitert.

Für die deutsche Teilnahme an der Anti-Piraterie-Mission "Atalanta" sind die technischen Probleme an den Helikoptern ein herber Rückschlag. In der Vorlage für die Staatssekretärin heißt es, der Ausfall der Helikopter bedeute "einen erheblichen Fähigkeitsverlust für den Einsatzverband und die Auftragserfüllung". Ein Ministeriumssprecher betonte, im Flugbetrieb gehe die Sicherheit vor.

Bei der Operation "Atalanta" werde nun anstelle der "Sea Lynx" der Seefern-Aufklärer des Typs "P-3C Orion" eingesetzt. Den hatte die Bundeswehr 2006 von den Niederlanden erworben. In Marinekreisen heißt es, mit dem Flugzeug könne man zwar aufklären - natürlich sei ein Hubschrauber aber wesentlich vielseitiger einzusetzen.

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