Outfit-Regeln der Bundeswehr Tattoos sind stets verdeckt zu tragen

Darüber regt sich die Truppe auf: In einer neuen Dienstanweisung über das "äußere Erscheinungsbild" hat die Bundeswehrführung einen strengen Mode-Knigge für Soldaten ausgegeben - von der Frisur bis zu Tattoos oder Piercings wird alles geregelt.

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Bundeswehrsoldat mit Oberarm-Tattoo: Neue Dienstanweisung der Truppenführung
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Bundeswehrsoldat mit Oberarm-Tattoo: Neue Dienstanweisung der Truppenführung


Berlin - Wenn es in der Bundeswehr richtig rumort, hat Thomas Wiegold reichlich traffic. Der Journalist, früher mal beim "Focus" für die Bundeswehr zuständig, betreibt seit vielen Jahren ein Militär-Blog, das sich jeden Tag mit Nachrichten aus und über die Truppe, oft aber auch mit den Irrungen und Wirrungen des allzu regelwütigen Verteidigungsministeriums, beschäftigt.

Über die Jahre ist Wiegold mit seiner Webseite Augen Geradeaus! so etwas wie eine Institution geworden, nicht selten eine Art Seismograf der soldatischen Erregung, besonders wenn die sich gegen die Vorgesetzten richtet.

Seit Montag brummt Wiegolds Seite kräftig. In mehr als 150 Kommentaren schütteten seine Leser, meist Soldaten oder Beamte bei der Bundeswehr, ihr Herz aus. Es geht ihnen nicht um die omnipräsente neue Ministerin Ursula von der Leyen und ihre Kita-Offensive, die Idee des Teilzeitkriegers oder gar die gerade diskutierte neue Mission im afrikanischen Mali.

Der Bart darf nur im Urlaub wachsen

Vielmehr bewegt ein neues Regelbuch der Truppenführung die Gemüter. In feinstem Beamtendeutsch heißt das Werk: "Das äußere Erscheinungsbild der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr". Ausnahmsweise ist die Dienstanweisung mit der Kennung A.26301.1l noch nicht mal als geheime Verschlusssache eingestuft.

Übersetzen könnte man den sperrigen Titel mit einer Art Mode-Knigge für Soldaten, sozusagen die Stilbibel für Uniformierte. Wie bei der Bundeswehr nicht anders zu erwarten, kommt sie mit vielen Verboten und noch mehr Skurrilem daher.

Der Einstieg des Werks liest sich staatstragend. Die Soldaten seien "Repräsentanten des Staates", im Inland prägten sie das Image der Truppe, im Ausland gar das des ganzen Landes.

Dann gleitet der Text ab in die truppentypische Semantik, die es so nur bei der Bundeswehr gibt. So müsse "die Freiheit zur individuellen Gestaltung des äußeren Erscheinungsbildes gegenüber der sichtbaren Einbindung in die militärische Gemeinschaft zurückstehen".

Nicht verstanden? Es geht auch einfacher: Ein Soldat darf im Dienst nicht so herumlaufen, wie er will, er muss sich an bestimmte Regeln halten. Das hat man sich irgendwie ja schon gedacht.

Wer aber glaubt, die Truppenführung mache sich nur um wirre Frisuren der Untergebenen Sorgen, irrt gewaltig. Vielmehr haben sich die Experten sehr eingehend mit vielen möglichen Verletzungen des guten Geschmacks beschäftigt und damit eine schon ziemlich alte Dienstvorschrift übergründlich erneuert.

Die ersten Regeln erscheinen noch nachvollziehbar. Klar, die Haare eines Soldaten sind kurz und ordentlich zu tragen, Irokesenfrisuren sind tabu. Ein möglicher Bart muss ebenfalls sauber gestutzt sein, wachsen lassen darf sich der Soldat die Haarpracht allerdings im Urlaub. Daneben sollen die Fingernägel kurz und sauber sein, die Schminke der Damen dezent, ebenso der Schmuck an Fingern und Ohren.

Was sind "abnehmbare Körpermodifikationen"?

So weit, so gut, doch spätestens nach diesem Punkt wird es richtig kompliziert. So werden unter dem Stichwort "Körpermodifikationen und -bemalungen" Praktiken beschrieben, die nach beängstigenden Ritualen klingen: "Zu dekorativen Zwecken ohne medizinische Notwendigkeit durchgeführten Eingriffe in die Substanz des menschlichen Körpers".

Worum es hier geht, wird erst durch die Verbote klar. Gemeint sind simple Tattoos, bei den Soldaten durchaus beliebt. Diese Modifikationen, so das Papier, seien zwar erlaubt, allerdings nur unter strengen Auflagen. So dürfen die Motive und Schriftzüge nicht diskriminierend, pornografisch oder gar grundgesetzwidrig sein.

Zudem müssen die schmerzhaft gestochenen Kunstwerke durch die Uniform verdeckt werden. Befinden sie sich am Hals, auf den Händen oder gar im Gesicht, seien sie "in geeigneter und dezenter Weise abzudecken".

Ebenso penibel regelt die Dienstvorschrift das Tragen von Piercings, im Bundeswehrdeutsch "abnehmbare Körpermodifikationen" genannt, die stets abzulegen seien. Auch Magnetimplantate "sind am ganzen Körper nicht zulässig".

Bei ihrer Stil-Analyse hat die Bundeswehr wirklich an alles gedacht, selbst sogenannte Tunnel in den Ohrläppchen werden klar geregelt, natürlich müssen diese durch eine "hautfarbene Abdeckung" getarnt werden.

Gültig ist das neue Regelwerk, abgesegnet vom Generalinspekteur persönlich, ab dem 1. Februar. Bisher ist nicht bekannt, ob, wie hart und durch wen die Bundeswehr die Vorschriften kontrollieren will oder wird. Doch auch dafür wird es sicher schon bald eine neue Dienstanweisung geben.

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mischamai 22.01.2014
1. Tattoo
Auch wenn Heute viele Menschen diese Hautverschandelungen als gesellschaftsfähig ansehen möchten,für mich persönlich ist es immer noch ein unbegreiflicher Schandfleck den ich nicht sehen möchte.
siviha 22.01.2014
2. ich mach mich mal beliebt..
In x Jobs gibt´s da ganz klare Regeln. Und beim Bund ist´s ein Dranma? Ich denk grad an unseren Nachbarn, jetzt 80, früher bei der Marine. Alles,w as aus Uniform rausguckte,w ar "normal unverziert". hatte er auch kein problem mit und findet´s noch hete nachvollziehbar (wir hatten grad letztens noch ein Gespräch darüber) Alles was von Uniform bedeckt war.. war absolut tättowiert. Fand ich das als Kind klasse. Aber vermutlich wird es nicht lange dauern, bis der erste klagt, da er/sie sich absolut in seinen Persönlichkeitsrechten begrenzt sieht. naja, dann kann er ja Bankkaufmann lernen,d a geht´s besser.
open.eyes 22.01.2014
3. könnte sinn machen
.... Wenn man weniger den optik als den arbeitssicherheitsfaktor bedenkt. Soldaten haben einen technikintensiven beruf, magnetimplantate können da durchaus zu fehlfunktionen führen. Auch verschiedene arten von implantaten können unfallastig sein, wn man nicht grad schreibtischkrieger ist. Ich kenn einen, der ist beim abspringen vom panzer mit seinem ehering am panzer hängen geblieben und trotzdem 2m runtergesprungen... Der finger sah nicht gut aus...
maxxi12 22.01.2014
4. Passt doch...
... dass Soldaten-/innen nun nicht auch noch Piercings, alberne Bemalungen, wild-farbige Frisuren und grelle Make-Ups zur Uniform herumtragen dürfen. Es reicht schon, dass im zivilen Leben diese Dinge zunehmen und zunehmend eine Zumutung sind. Das ist kein Ausdruck von Individualität sondern nur ein Zeichen schlechten Stils und Geschmacks und einer Nachäffermentalität. Mit Freiheit hat das gar nichts zu tun. Regeln der Gemeinschaft und Gesellschaft, eben auch in Bezug auf das Äußere sind schon mehr als genug der "Individualität" ( Wo bleibt die, wenn sich alle piercen und tätowieren lassen ? ) geopfert worden.
Skandal 22.01.2014
5. Wenn man den armen Arm so sieht
fehlt es an Muskelaufbau. Dieser sollte gefördert werden statt sich über aus meiner Sicht "unschöne Tattos" zu ergötzen.
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