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30. September 2014, 20:17 Uhr

Desolate Bundeswehr-Ausrüstung

Hersteller warnt vor Mängeln am "Eurofighter"

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Die schlechten Nachrichten für Ministerin von der Leyen reißen nicht ab: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE warnt jetzt der Hersteller des "Eurofighter", dass am Rumpf Baumängel entdeckt wurden. Die Maschinen sollen deshalb weniger fliegen.

Berlin - Beim Material der Bundeswehr ist ein neuer Mangel entdeckt worden. Diesmal geht es nach Informationen von SPIEGEL ONLINE um den Kampfjet "Eurofighter", von dem die Bundeswehr 109 Exemplare besitzt. Der Hersteller hat die Truppe kürzlich gewarnt, dass sich am Rumpfhinterteil des Jets "Herstellungsfehler an einer großen Zahl von Bohrungen" entdeckt worden seien. Deswegen ist auch die Auslieferung neuer Jets durch "Airbus Defence and Space" zunächst verzögert worden.

Das Verteidigungsministerium unterrichte die Obleute des Haushaltsausschusses über den neuen Mangel. Zwar bestehe für die Flugsicherheit der deutschen "Eurofighter" bisher keine Gefahr, so das Schreiben des Staatssekretärs Ralf Brauksiepe, die Auswirkungen des Produktionsfehlers auf die Lebensdauer des Jets seien aber "noch nicht absehbar". Laut dem Schreiben sei der Einsatzbetrieb der deutschen "Eurofighter" "weiterhin sichergestellt".

Das Problem der Bohrungen, das im schlimmsten Fall zur Ablösung von Bauteilen und dem Verlust der Stabilität des Rumpfs führen kann, betrifft laut dem Schreiben sowohl bereits ausgelieferte als auch in Produktion befindliche Jets. Vorsorglich entschied sich das Haus von Ministerin Ursula von der Leyen, die weitere Abnahme von "Eurofighter"-Modellen vorerst auszusetzen, berichtete Brauksiepe.

Mechanikern der britischen Streitkräfte war der Fehler zuerst aufgefallen. Die Royal Air Force entschied sich deshalb, die Maschinen nicht mehr so lang fliegen zu lassen. Die Luftwaffe wird sich nun den Briten und den Hinweisen des Herstellers anschließen und die Lebenszeitdauer des "Eurofighter" auf maximal 1500 Flugstunden begrenzen. Die praktischen Auswirkungen sind zunächst überschaubar: Die 42 derzeit überhaupt voll oder eingeschränkt einsatzfähigen Jets haben diese maximale Anzahl von Flugstunden noch lange nicht erreicht. Die halbierte Lebensdauer eines Eurofighters dürfte schnell den Ruf in der Bundeswehr nach Schadensersatz gegen den Airbus-Konzern laut werden lassen.

Der neue Mangel passt dennoch zum Bild der desolaten Ausrüstungslage der Bundeswehr. Der SPIEGEL hatte am Wochenende berichtet, dass nicht einmal ausreichend Maschinen für den Nato-Ernstfall wie etwa einen Angriff auf einen Bündnispartner bereitstehen. Auch Ministerin Ursula von der Leyen gerät nun immer mehr in Erklärungsnot. "Jetzt wird deutlich, dass nicht nur altes Gerät der Bundeswehr Ärger bereitet, sondern auch neu zulaufende Technik wie der 'Eurofighter'", sagte der Grünen-Haushaltsexperte Tobias Lindner SPIEGEL ONLINE.

Von der Leyen gerät immer mehr unter Druck

Vergangenen Mittwoch hatte Generalinspekteur Volker Wieker im Verteidigungsausschuss einen Statusreport der Teilstreitkräfte vorgelegt. Die Vorstellung des sogenannten Ampel-Berichts geriet zum Offenbarungseid der Bundeswehr. Obwohl hinter den einzelnen Waffensystemen oft ein grünes Licht die Einsatzbereitschaft suggerierte, sprechen die Zahlen eine andere Sprache: Die Bundeswehr scheint weit weniger als bedingt einsatzbereit.

Von der Leyen gerät durch die Mängelliste ihrer Truppe immer mehr unter Druck. Viele der Fehler beruhen zwar auf Missmanagement und falschen Entscheidungen in der Vergangenheit. Dennoch muss sich die CDU-Politikerin fragen lassen, warum sie, die vor gut zehn Monaten mit dem Versprechen von Transparenz antrat, die Probleme nicht vorher offenlegte. Auch ob sie das Thema bisher angemessen behandelt, wird stark bezweifelt.

Stattdessen kündigt die Ministerin immer neue Maßnahmen an, die sich zwar zunächst verlockend anhören: Um den Notstand bei der Transportflotte der Luftwaffe zu beheben, sollen zum Beispiel Flugzeuge geleast werden. Was sich wie eine neue Idee der Ministerin anhört, wird jedoch bereits seit Jahren praktiziert. Für den Afghanistan-Einsatz beispielsweise werden schon immer Antonov-Jets angemietet, um das schwere Gerät zu transportieren.

Es sind diese Worthülsen, meist in der Boulevardpresse geäußert, die von der Leyen Kritik von den Fachpolitikern einbringen. Selbst aus den Reihen der Koalition wird sie attackiert. Vorläufiger Höhepunkt der Kritik: Am Montag wurde von der Leyen von der SPD als "Foto-Ministerin" diffamiert, weil sie sich bei Terminen und Auslandsreisen ähnlich exzessiv inszeniert wie vorher wohl nur Karl-Theodor zu Guttenberg.

Die Ministerin aber lässt sich bisher nicht beirren. Am Tag, als die neuen Pannen beim "Eurofighter" bekannt wurden, kündigte ihre PR-Abteilung sogleich den nächsten spektakulären Fototermin an: Am kommenden Donnerstag will sie die Bundeswehr-Kaserne in Hammelburg besuchen. Dort trainieren derzeit rund 30 Peschmerga aus Kurdistan an deutschen Waffen für den Krieg gegen den "Islamischen Staat" (IS).

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