Marodes Material Triebwerkprobleme halten Bundeswehr-Hubschrauber am Boden

Die Bundeswehr muss nach Informationen des SPIEGEL weiterhin auf große Teile ihrer Ausrüstung verzichten - sie ist schlicht nicht verwendbar. Vor allem bei den Hubschraubern sieht es schlimm aus.

Transporthubschrauber NH90: Beinahe-Absturz im Juni
DPA

Transporthubschrauber NH90: Beinahe-Absturz im Juni


Die Bundeswehr bekommt den desolaten Zustand ihres technischen Geräts nicht in den Griff. Auch Monate nach Bekanntwerden der Missstände habe sich die Lage nicht grundlegend gebessert, räumte Generalinspekteur Volker Wieker nach Informationen des SPIEGEL am vergangenen Mittwoch vor Parlamentariern ein. Besonders desaströs ist die Lage bei den Hubschraubern.

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Von den 35 Exemplaren des Modells NH90 waren vergangene Woche nach internen Unterlagen lediglich sieben einsatzbereit. Große Sorgen bereiten bei diesem Helikopter die Triebwerke. Die Prüfer des Bundesverteidigungsministeriums vermuten einen Konstruktionsfehler, weswegen mindestens vier Mal in diesem Jahr Triebwerke zu Schaden gekommen sind. Im Juni wäre es sogar beinahe zu einem Absturz gekommen.

Beim Kampfhubschrauber "Tiger" gibt es nach SPIEGEL-Informationen Probleme am Tank, an den Sitzen und den Spezialhelmen der Piloten. Bei den Helmen können veraltete Teile nicht ausgetauscht werden. In einem vertraulichen Schreiben wird davor gewarnt, dass Mitte 2015 "der Flugbetrieb komplett eingestellt" werden müsse, wenn sich die Lage nicht verbessere.

Das Verteidigungsministerium verweist auf eine eigens ins Leben gerufene Taskforce: "Probleme, die nicht von heute auf morgen entstanden sind, können auch nicht von heute auf morgen gelöst werden." Leicht entspannt hat sich laut Auskunft des Generalinspekteurs lediglich die Situation beim Schützenpanzer "Puma".

Der Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner fordert angesichts der bestehenden Ausrüstungsmängel der Bundeswehr, große Neubeschaffungsprojekte wie etwa beim NH90 zurückzustellen: "Der Bericht des Generalinspekteurs zeigt, dass die Probleme beim Materialerhalt keine Eintagsfliege sind. Bevor die Bundeswehr neues Gerät für Milliarden beschafft, muss sie einen Fahrplan entwickeln, wie sie die Probleme beim Materialerhalt lösen will."

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insgesamt 69 Beiträge
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wibo2 19.12.2014
1. Müssen die Sachsen - als Nato Speerspitze - auf Luftunterstützung verzichten?
"Die Bundeswehr muss nach Informationen des SPIEGEL weiterhin auf große Teile ihrer Ausrüstung verzichten - sie ist schlicht nicht verwendbar. Vor allem bei den Hubschraubern sieht es schlimm aus." (SPON) Alles kaputt, alles am Boden. Ausrüstung mangelhaft, Geld und Wartungspersonal bei Bundeswehr fehlen. G36 nicht treffsicher. Die Bundeswehr kämpft mit sich selbst. So kann man einfach keinen Krieg führen!
Baelauchbaby 19.12.2014
2. Es wird einfacher werden...
...wenn man nicht mehr bei Airbus Defence einkauft. Lieber von der Stange in den USA. Und dann in Lizenz in Deutschland fertigen lässt. Andere Länder haben damit überhaupt gar keine Probleme.
kral1 19.12.2014
3. Einweg-Waffen
Ich frage mich ob die Waffen der Bundeswehr überhaupt für einen Dauereinsatz konstruiert wurden. Anscheinend sind die Lastenheft der bestellten Waffen nicht so belastbar dass die Hersteller zur Gewährleistung verpflichtet wären.
Ersttäter 19.12.2014
4. Brontosaurus und Alimentationsclub.
Deutschland ist wie ein Brontosaurus. Riesenmagen/Wirtschaft, kaum Gehirn und auch keine Krallen oder ernst zu nehmenden Zähne. Wozu diese Bundeswehr noch gut ist, weiß sie vermutlich nur allein. Alimentationsclub.
mcgrant1 19.12.2014
5. Die Speerspitze gegen Russland!
Selten so gelacht! Die Soldatenfamilien haben zwar Kindergärten, dafür keine Knarre die trifft. 50% des Materials nicht einsatzfähig - und für das brauchen wir ca. 30 Mrd Euro pro Jahr!?
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