Bundeswehr NS-Flieger Mölders wird ausgemustert

Verteidigungsminister Struck lässt die "Mölders Kaserne" und das Jagdgeschwader 74 "Mölders" umbenennen. Der Jagdflieger Werner Mölders gehörte zur berüchtigten "Legion Condor", die im Spanischen Bürgerkrieg Dörfer und Städte bombardierte. Mölders wurde im Dritten Reich als "Flieger-As" gefeiert.

Von Sonja Ernst


Werner Mölders (Mitte) mit Kameraden: Der von den Nazis hochdekorierte Oberstleutnant flog für die "Legion Condor"
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Werner Mölders (Mitte) mit Kameraden: Der von den Nazis hochdekorierte Oberstleutnant flog für die "Legion Condor"

Berlin - Werner Mölders, unter den Nationalsozialisten hochdekorierter "Ritter der Lüfte", ist nicht länger Namensgeber für Bundeswehreinheiten und -einrichtungen. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) entschied, die "Werner Mölders Kaserne" im niedersächsischen Visselhövede sowie das in Neuburg an der Donau stationierte Jagdgeschwader 74 "Mölders" umzubenennen, so das Ministerium am Freitag.

Mit der Entscheidung setzt Struck den Bundestagsbeschluss von 1998 um, wonach Bundeswehreinheiten und -einrichtungen die den Namen von Mitgliedern der deutschen "Legion Condor" tragen, umzubenennen sind. Der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) hatte die Streichung Mölders abgelehnt, weil er die Rolle des Piloten im nationalsozialistischen Gesamtsystem als "nicht so herausgehoben" beurteilte.

Die Beweise waren für jedermann zugänglich

Erst ein Beitrag der ARD-Sendung "Kontraste" im April 2004 machte den Einsatz Mölders in der "Legion Condor" unwiderlegbar. "Kontraste" konfrontierte Walter Kolbow, Staatssekretär des Verteidigungsministeriums, mit Einsatzplänen der "Legion Condor". Die Pläne beweisen den Einsatz Mölders im Raum Corbera und lagen - für jedermann zugänglich - im Bundesarchiv.

Die berüchtigte Luftwaffeneinheit "Legion Condor" unterstützte im Auftrag Hitlers im spanischen Bürgerkrieg den putschenden General Francisco Franco, der gegen die Spanische Republik kämpfte.

1936 trafen erste Einheiten der "Legion Condor" in Spanien ein. Zum Sinnbild der Grausamkeit wurde die Zerstörung der spanischen Stadt Guernica am 26. April 1937. Im zweistündigen Bombenhagel starben rund 2000 Menschen. Noch im selben Jahr hielt der Maler Pablo Picasso das Schrecken in dem berühmten Gemälde "Guernica" fest. Die Luftangriffe der "Legion Condor" waren eine neue Dimension des Krieges, sie richteten sich oft auf Krankenhäuser und öffentliche Gebäude.

Hochdekoriert im Dritten Reich

Mölders machte in der NS-Diktatur steile militärische Karriere. 1940 wurde er mit dem Ritterkreuz dekoriert und erhielt ein Jahr später für seine über 100 Abschüsse als erster Soldat der Wehrmacht die Brillanten dazu. 1941 wechselte der Pilot ins Reichsluftfahrtministerium. Im selben Jahr starb Mölders 28-jährig bei einem Flugzeugabsturz.

Mit der Streichung des Namensgebers Mölders hatte man sich lange Zeit gelassen. Nach dem "Kontraste"-Beitrag habe Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die Sache Mölders aufgegriffen, so Uwe Klein, Sprecher des Verteidigungsministeriums.

50 Jahre Bundeswehr: Struck plant symbolträchtige Veranstaltungen
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50 Jahre Bundeswehr: Struck plant symbolträchtige Veranstaltungen

In der Vergangenheit gab es bereits Umbenennungen von Bundeswehreinrichtungen. So wurde 1995 die "Eduard Dietl"-Kaserne in Füssen umbenannt. Dietl führte den deutschen Norwegenfeldzug. 1943 wurde er mit dem Goldenen Parteiabzeichen der NSDAP geehrt und hielt später eine fanatische Durchhalterede in München.

Mit der "Julius Leber"-Kaserne in Berlin, die bis 1995 die Franzosen nutzten, wurde ein Widerstandskämpfer Namensgeber. Der Sozialdemokrat und Antifaschist gehörte in das Umfeld des Widerstandes vom 20. Juli 1940. Er wurde von den Nazis 1945 hingerichtet. Widerständler und Zivilisten werden zunehmend zu Namensgebern.

Über die neuen Namen der "Mölders Kaserne" sowie des Jagdgeschwaders ist noch nicht entschieden, so Klein. Es sollen Vorschläge aus der Bundeswehr kommen sowie mit den Gemeinden vor Ort beraten werden.

Die Truppe präsentiert sich selbstbewusst

2005 steht der 50. Jahrestag der Bundeswehr an. Verteidigungsminister Struck will seine Truppe selbstbewusst in der Öffentlichkeit präsentieren. Bis Ende des Jahres sind verschiedene, teils symbolträchtige Veranstaltungen geplant. Am 26. Oktober sollen Soldaten der Bundeswehr vor dem Reichstagsgebäude in Berlin zum Großen Zapfenstreich antreten - eine Premiere. Das Zeremoniell findet erstmals vor dem Sitz des Bundestags in Berlin statt.

Vor der nun getroffenen Entscheidung der Umbenennung führte Struck verschiedene Gespräche mit Vertretern der Luftwaffe, der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Jagdgeschwaders 74 und einem Mitglied der Familie Mölders, so Klein.

Angehörige des Jagdgeschwaders 74 "Mölders" besuchten zu verschiedenen Anlässen das Grab des NS-Fliegers auf dem Berliner Invalidenfriedhof. Das "Flieger-As" Mölders gilt als Vorbild vieler Jagdflieger. Über das wie und ob des Gedenkens an Mölders ist "noch nicht entschieden", so Klein.



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