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Kunduz-Affäre: Bundeswehr-Oberst Klein zum Brigadegeneral befördert

Die Beförderung stand seit längerem fest, jetzt ist sie amtlich: Georg Klein ist bei der Bundeswehr vom Oberst zum Brigadegeneral aufgestiegen - Klein war 2009 befehlshabender Offizier beim Luftangriff nahe Kunduz mit vielen Toten.

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dapd

Georg Klein: Neuer Posten bei der Bundeswehr

Bonn - Die Personalie findet sich in der aktuellen Ausgabe der Bundeswehr-Wochenzeitung "aktuell": Der durch die Kunduz-Affäre bekannt gewordene Oberst Georg Klein ist befördert und zum Brigadegeneral ernannt worden. Klein wird in der kurzen Meldung auf der dritten Seite der Zeitung zusammen mit weiteren Bundeswehrsoldaten genannt, die von Staatssekretär Stéphane Beemelmans befördert wurden.

Klein hatte am 4. September 2009 in Afghanistan den Befehl zur Bombardierung von zwei Tanklastzügen nahe Kunduz erteilt. Dabei waren fast 100 Zivilisten getötet worden - die Kunduz-Affäre wurde zu einem der größten Skandale der Bundeswehr während des Afghanistan-Einsatzes. Klein wurde damals wegen des Einsatzes über Monate massiv kritisiert, die Staatsanwaltschaft ermittelte, das Verfahren wurde später eingestellt. Auch die Bundeswehr verzichtete nach mehrmonatiger Prüfung darauf, ein Disziplinarverfahren gegen Klein einzuleiten.

Klein hatte die Tanklaster für eine potentielle Gefahr für das deutsche Feldlager angesehen. Die Bomben auf die beiden Laster, die in einem Flussbett festgefahren waren, töteten jedoch hauptsächlich Zivilisten, die sich aus den Tanks Sprit abzapften. Die Bundeswehr entschädigte nach dem Angriff Dutzende Familien, es gibt aber immer noch Afghanen, die Ansprüche erheben.

Die Nato hatte das Bombardement intensiv untersucht und schwerwiegende Fehler bei der Erteilung des Abwurfbefehls identifiziert. Zentral dabei war, dass Klein als ranghöchster Kommandeur gegenüber den Bomberpiloten einen aktuellen Angriff auf Nato-Truppen ("troops in contact") meldete, obwohl dieser nicht vorlag. Ebenso meldete Klein - seinen Aussagen nach unter Berufung auf eine Geheimdienstquelle - dass sich rund um die Tanker hauptsächlich bewaffnete Taliban befänden. Auch dies stellte sich später als falsch heraus.

Die Hinterbliebenen afghanischer Zivilopfer des Bombardements dürfen weiter auf Schadensersatz durch die Bundesrepublik hoffen. Ihre Klage ist zumindest nicht von vorneherein ohne Aussicht auf Erfolg. Das Bonner Landgericht war zuletzt beim Prozessauftakt nicht dem Antrag der Bundesrepublik gefolgt, die Klage aus mehreren Gründen als unzulässig abzuweisen. Die Bundesrepublik ist nach Ansicht der Kläger und ihrer Anwälte als Dienstherr des damaligen Kommandeurs Klein zur Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld verpflichtet.

In dem ersten Zivilverfahren verlangt ein Vater von zwei mutmaßlich bei der Bombardierung getöteten Söhnen von der Bundesrepublik 40.000 Euro. Eine Witwe und Mutter von sechs Kindern, die nach Angaben ihrer Anwälte ihren Vater und Ernährer verloren haben, fordert eine Entschädigung von 50.000 Euro.

hen/mgb/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
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1. Gratulation ...
Neutrinoschreck 03.04.2013
... zum Brigadier.
2. Er kriegt dann auch sicher noch das Bundeslametta hinterher-
ratschbumm 03.04.2013
Zitat von Neutrinoschreck... zum Brigadier.
geworfen. Der Mann ist eine Schande für Deutschland.
3. optional
aeronaut79 03.04.2013
Diese Beförderung betont, dass sein Handeln nicht gegen geltende Gesetze verstoßen hat (wie mehrfach von Gerichten und Gutachtern festgestellt wurde). Ich gratuliere Herrn Klein ganz herzlich.
4. Herr General Klein ,
spmc-122226439819235 03.04.2013
herzlichen Glückwunsch und ein paar Herren mehr mit Ihrem Stehvermögen für die Truppe.
5. Was will der Autor uns sagen?
mescal1 03.04.2013
War die Beförderung falsch? richtig? Und ich bin ja so froh, dass die Afghanen von uns 40.000 und 50.000 haben wollen, denn die anderen Nationen haben ja auch immer bezahlt. Besonders die Taliban bezahlen jeden Toten. Raus aus Aghanistan und lasst denen ihren eigenen Dreck machen. Ich frage mich allerdings was der Autor uns unterschwellig einflößen will. Das ist kein seriöser Journalismus.
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