Bundeswehr-Orden Jung will Tapferkeitsmedaille - aber kein Eisernes Kreuz

Ehrenzeichen für "außergewöhnlich tapfere Taten": Für deutsche Soldaten soll es einen neuen Orden geben. Diesem Plan von Verteidigungsminister Jung hat Bundespräsident Köhler zugestimmt. Abgelehnt wird eine Rückkehr des Eisernen Kreuzes - ein CDU-Abgeordneter hatte das gefordert.


Berlin - Verteidigungsminister Franz Josef Jung macht sich dafür stark, dass Bundeswehrsoldaten einen Orden für besondere Tapferkeit erhalten können. Über die Idee des Ministers werde seit 2006 mit dem Bundespräsidialamt beraten, sagte Jungs Sprecher Thomas Raabe heute in Berlin. An eine Rückkehr des zu Zeiten der Wehrmacht verliehenen Eisernen Kreuzes sei aber zu keinem Zeitpunkt gedacht worden. Wie der Orden aussehen könne, sei offen.

Der Bundespräsident selbst erklärte heute, er billige eine neue Auszeichnung für Tapferkeit von Soldaten grundsätzlich. Wie ein Sprecher Horst Köhlers heute der dpa in Berlin sagte, soll es eine weitere Stufe des sogenannten Ehrenzeichens der Bundeswehr für "außergewöhnlich tapfere Taten" geben. Bisher gibt es vier Stufen dieser Auszeichnung. Auch von diesen solle es Sonderausführungen für besonders herausragende Einzelleistungen geben.

Jung (mit Bundeswehrsoldaten): Neuer Orden für Tapferkeit
AP

Jung (mit Bundeswehrsoldaten): Neuer Orden für Tapferkeit

Ein Vorschlag des CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhard Beck hatte gestern für Aufregung gesorgt. Bei einem Parlamentarischen Abend des Reservistenverbands der Bundeswehr in Berlin hatte er angeregt, "besonderen Mut oder besondere Tapferkeit" von Soldaten mit einem neuen Orden zu würdigen: ausgerechnet in Form des Eisernen Kreuzes, das schon im Ersten und Zweiten Weltkrieg als Auszeichnung für Helden diente und von vielen Kriegsopfern mit den Schrecken der Hitler-Diktatur identifiziert wird.

Er wisse zwar, "dass unter diesem Zeichen viel Angst und Schrecken über die Völker gekommen sei", hatte CDU-Bundestagsabgeordnete argumentiert. Das Eiserne Kreuz prange aber auch jetzt an allen Flugzeugen, Schiffen und Panzern des deutschen Militärs - und sei bei den Auslandseinsätzen zwischen Balkan und Hindukusch zu einem "Zeichen der Hilfe und Solidarität" geworden.

Jung hatte die Anregung in seiner Rede bei der Veranstaltung wunschgemäß aufgegriffen. Tapferkeit habe in der Tat "eine Würdigung verdient". Er wolle den Vorschlag an den Bundespräsidenten weiterleiten, versprach Jung, "um gegebenenfalls eine besondere Einsatzmedaille zu kreieren".

Orden und Ehrenzeichen kann der Verteidigungsminister nicht alleine beschließen, sie müssen vom Staatsoberhaupt gestiftet werden. Im Bundestag liegt schon seit geraumer Zeit eine Petition vor, die ebenfalls die Wiederauferstehung des Eisernen Kreuzes als Tapferkeitsorden zum Ziel hat. Vielen Soldaten sind die bisherigen Auszeichnungen nicht gut genug. Denn Einsatzmedaillen für Aufenthalte in den diversen Auslandsmissionen werden auch ohne besondere Leistungen vergeben, Hauptsache, die vorgegebene Dienstzeit von vier Monaten wurde absolviert.

als/dpa

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