Mängel bei der Bundeswehr Schwere Helme machen Piloten krank

Das Bundeswehrgutachten der KPMG-Prüfer listet noch viel mehr Probleme auf als bisher bekannt. So traten gehäuft Pannen beim Transporthubschrauber NH90 auf - wie etwa die fehlkonstruierten Helme der Piloten.

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NH90 Hubschrauber: Noch mehr Probleme
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NH90 Hubschrauber: Noch mehr Probleme


Berlin - In dem 1500 Seiten starken Bericht der KPMG-Prüfer finden sich haarsträubende Details zu weiteren Pannen, die sich bei der Entwicklung neuer Waffensysteme ereignet haben. Gehäuft treten sie auf beim Transporthubschrauber NH90. Das anschaulichste Beispiel dafür sind die Helme der Piloten. Die "physiologisch ungünstige Schwerpunktlage des Helmsystems", so schreiben die Gutachter auf Seite 492, führe dazu, dass die Piloten "tageweise nicht am Flugdienst teilnehmen können".

Dahinter verbirgt sich folgendes Problem: Der Helm, den die beiden Piloten im NH90 tragen, wiegt sehr viel. Zur Ausstattung gehört ein wuchtiges Visier vor den Augen des Piloten, in das Flugdaten wie Geschwindigkeit und Höhe eingeblendet werden. Auch ein Nachtsicht-System ist in das Helmmodul integriert. Es wiegt stolze zweieinhalb Kilo und zerrt am Nacken des Piloten.

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Bundeswehrausrüstung: Bedingt einsatzbereit
Schon bei Übungen in den USA und beim Einsatz in Afghanistan beschwerten sich eine ganze Reihe von Piloten über Nacken- und Kopfschmerzen durch die ergonomisch belastende Konstruktion des Helmes. Im Flug wirkt sich dies auf die Konzentration und den Orientierungssinn der Piloten negativ aus. Viele von ihnen meldeten sich wegen der hohen Beanspruchung der Nackenmuskulatur krank.

Lösung? Unbekannt!

Besonders betroffen davon ist derjenige der beiden Piloten, der nicht fliegt, sondern die Instrumente beobachten muss. Er bewegt den Kopf mit dem viel zu schweren Helm häufig nach oben oder unten und bekommt es folglich früher mit Nackenproblemen zu tun. Die Prüfer von KPMG kritisieren, dass "die Einsatzdauer der Piloten signifikant begrenzt" wird. Sie mahnen an, dass "nicht bekannt" sei, ob es für das Problem überhaupt schon eine Lösung gibt.

Das gleiche gilt für eine ganze Reihe anderer Mängel, die am NH90 entdeckt wurden. Der SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgabe von einem dramatischen Zwischenfall, bei dem auf einem Flug in Afghanistan eines der beiden Triebwerke zerbarst und der Hubschrauber nur mit viel Glück notgelandet werden konnte. Auch ungelöst ist großflächige Korrosion an tragenden Teilen des Hubschraubers.

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insgesamt 30 Beiträge
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flaviussilva 15.10.2014
1. Solche Helme,
sind doch inzwischen in allen westlichen LuftwaffenUsus, war es denn da nötig für die paar Hubschrauber wo Deutschland besitzt noch nen eigenen Helm zu entwickeln ? Oder sind die tatsächlich überall gleich und die DeutschenPiloten nur wehleidiger ? Egal, man kann nur froh das SPON noch keine ausländische Presseschau darüber gebracht und die Öffentlichkeit in anderen Ländern über das Themawohl noch nicht informiert ist, denn die ungläubigenPressestimmen wären dann die totale Blamage !
laxness 15.10.2014
2. das Problem mit den Helmen....
...lässt sich einfach lösen: indem man UAVs einsetzt (umgangssprachlich auch "Drohnen" genannt)
pass.opp.do 15.10.2014
3. Sofort IS ausrüsten!
KH90 und Konsorten am besten sofort an die Gotteskrieger. Mit Kopfweh köpft es sich nämlich nur schwerlich.
comsubpac 15.10.2014
4. Alter Hut
Soweit ich weiß tritt dieses Problem schon lange auf und nicht nur bei der Bundeswehr. Zusammen mit den ersten Nachtsichtgeräten fingen auch amerikanische Piloten an über Nackenprobleme zu klagen. Nachtsichtgeräte und Helmvisiere haben nunmal eine gewisse Größe und Gewicht. Einerseits ist die Kritik ja durchaus berechtigt aber ich finde die Spiegel Artikel zu dieser Thematik in letzter Zeit immer etwas zu einseitig und wenig reflektierend. Muss jetzt wirklich über ein Problem, dass seit langem bekannt ist und von dem nicht nur die Bundeswehr betroffen ist in der Art und mit einem eigenen Artikel berichtet werden?
ottomahne 15.10.2014
5. Schwere Helme machen Piloten krank
Nachtsicht-Geräte zerren am Nacken? Besser an meinem Nacken zerrt etwas, als dass etwas daran rum metzgert...! Hier sollte doch endlich die Absicht zugegeben werden: Je schwerer der Helm, desto la(h)mer der IS! Trotzdem bleibt einem inzwischen der "Humor" im Hals stecken...; wenn denn der Kopf noch drauf ist...!
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