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Spannungen im Kosovo: Bundeswehr schickt Eingreiftruppe auf den Balkan

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Zwei Wochen vor den Wahlen in Serbien droht neue Gewalt, die Nato fürchtet eine Eskalation im Nordkosovo. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE forderte sie deshalb bei der Bundeswehr die Entsendung einer schnellen Eingreiftruppe an. Berlin hat der Bitte entsprochen.

Bundeswehr-Truppen im Kosovo: Die Lage bleibt angespannt Zur Großansicht
REUTERS

Bundeswehr-Truppen im Kosovo: Die Lage bleibt angespannt

Berlin - Die Bundeswehr entsendet auf dringlichen Wunsch der Nato erneut und kurzfristig eine 550 Mann starke deutsche Eingreiftruppe auf den Balkan. Verstärkt durch 150 Österreicher soll die Operational Reserve Force (ORF) eine befürchtete Gewalteskalation im Nordkosovo rund um den Wahltermin in Serbien am 5. Mai verhindern. Am Freitagabend unterrichtete das Einsatzführungskommando in Potsdam ausgewählte Parlamentarier, dass man dem Wunsch des Kommandeurs der Nato-Truppe Kfor im Kosovo, die ORF zu verlegen, zugestimmt hat. Diese war erst vor einigen Wochen schrittweise aus dem Kosovo zurückgezogen worden. Nun soll sie laut Planung ab dem 1. Mai wieder vor Ort einsatzbereit sein.

Die Entsendung der Eingreiftruppe illustriert die angespannte Lage zwischen Serbien und dem Kosovo. Seit Monaten gibt es zwischen Belgrad, das den Kosovo bis heute als abtrünnige Region betrachtet, und Pristina Streit über die Wahlen. Ursprünglich wollte Belgrad auch in mehrheitlich von Serben bewohnten Gemeinden im Kosovo Wahllokale öffnen, dies wurde jedoch abgesagt. Nun rumort es im Nordkosovo. "Mit den gegenwärtig unvereinbaren Positionen von Serbien und Kosovo zur Durchführung der Wahlen und der bereits volatilen Situation im Nordkosovo besteht die Gefahr von Eskalation", so das Einsatzführungskommando. Es bestehe "erhebliches Konfliktpotential" für den ganzen Kosovo.

Derzeit hat die Nato rund 5800 Soldaten der Kfor-Truppe auf dem Balkan stationiert, rund 1300 davon stellt die Bundeswehr. Grundsätzlich besteht die Aufgabe der internationalen Soldaten seit dem Beginn der Operation im Jahr 1999 in der Vermeidung von neuen Konflikten zwischen dem Kosovo und Serbien. In den letzten Monaten war die eigentlich geplante weitere Reduzierung der internationalen Einheiten der Nato deutlich in Frage gestellt worden, da sich die Lage im Kosovo eher zuspitzt als entspannt. Erst im Februar hatte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) die Lage im Kosovo als schwierig bezeichnet, eine Reduzierung der Einheiten sei deswegen derzeit nicht denkbar.

Die Eingreiftruppe ORF war erst kürzlich nach einem ersten Kriseneinsatz im Kosovo nach Deutschland zurückbeordert worden. Im August des vergangenen Jahres hatte der deutsche Kommandeur der Kfor die Truppe erstmals wegen wachsender Spannungen im Kosovo angefordert. Hintergrund waren damals Streitigkeiten um die Kompetenzen bei Grenzkontrollen zwischen Serbien und dem Kosovo. Nun müssen die Soldaten der ORF erneut in Richtung Kosovo ausrücken. Das Kontingent wird aus dem ABC-Abwehrregiment 750 aus Bruchsal und aus Teilen des Artilleriebataillons 295 aus Immendingen gestellt.

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1. warum nur?
Hagen65 20.04.2012
... schlägt man nicht das serbische Nordkosovo an Serbien?
2. Oh du, atmendes Leben
caecilia_metella 20.04.2012
Wer soll sich dafür denn interessieren? Daran ist KEIN EINZIGER MANN beteiligt.
3. Das kann ja was werden
fortion 20.04.2012
Zitat von sysopREUTERSZwei Wochen vor den Wahlen in Serbien droht neue Gewalt, die Nato fürchtet eine Eskalation im Nordkosovo. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE forderte sie deshalb bei der Bundeswehr die Entsendung einer schnellen Eingreiftruppe an. Berlin hat der Bitte zugestimmt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,828874,00.html
Das letzte mal, als ein Verbündeter Deutschlands eine schnelle Eingreiftruppe für den Balkan forderte ging die Sache nicht gut aus.
4. Völker trennen!
armin.k 20.04.2012
Zitat von Hagen65... schlägt man nicht das serbische Nordkosovo an Serbien?
Genau richtig! Man möge in den Gebieten demokratisch in freien geheimen Wahlen das Volk abstimmen lassen und dann kann es entscheiden, wozu es gehören will. Nur das ist wahres Völkerrecht, nicht jenes, welches auf früher willkürlich gezogenen Grenzen beharrt!
5. Oh Gott
achazvonthymian 20.04.2012
Große Kampfkraft wird man nicht verlangen, sonst würde man diese lendenlahme Truppe nicht anfordern. Vielleicht wird man Brunnen bauen und Mädchenschulen errichten wie in Afghanistan. Den Bundeswehrsoldaten zwickt der Bauch, die Läuse beißen in ihren Filzanzügen, die Gewehre sind verrostet und ansonsten können die meisten gerade noch Schreiben und Lesen. Allerdings sind mir diese harmlosen Bundeswehrsoldaten lieber als die Wehrmacht, die in den 40er Jahren Gräueltaten in Jugoslawien anrichtete.
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