Mission im Mittelmeer Kampfschwimmer der Bundeswehr sollen IS-Waffenschmuggler jagen

Die Bundeswehr rüstet gegen Waffenschmuggler im Mittelmeer auf: Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen sollen erstmals Kampfschwimmer vor der libyschen Küste eingesetzt werden.

Bundeswehr-Kampfschwimmer
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Die Bundeswehr bereitet sich auf offensive Einsätze gegen Waffenschmuggler des "Islamischen Staats" im Mittelmeer vor. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen schickt das Verteidigungsministerium erstmals eine Einheit von Kampfschwimmern vor die libysche Küste. Die Elitekämpfer der Marine sollen sich dort im Rahmen der EU-Militäroperation "Sophia" unter Wasser lautlos verdächtigen Schiffen nähern, die Waffen für den IS nach Libyen schmuggeln wollen, die Ladung kontrollieren und die Besatzung festsetzen wenn Waffen gefunden werden.

Insgesamt werden in den kommenden Wochen rund 30 Soldaten der Kampfschwimmer ins Mittelmeer verlegt. Wie die Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte operieren sie unter strengster Geheimhaltung. Die Bundeswehr stellt sich damit offenkundig auf eine härtere Gangart bei der Operation "Sophia" ein.

Bisher hat die EU-Mission, die aus mehreren Kriegsschiffen besteht, die Schleppernetzwerke ausschließlich beobachtet. Ihre Erkenntnisse sollen dazu dienen, die Zahl der von Schleusern aufs Mittelmeer geschickten Flüchtlingsboote zu reduzieren. Zudem haben die Kriegsschiffe, darunter derzeit der deutsche Tender "Werra" und die Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern", bereits Tausende Flüchtlinge von ihren nicht seetauglichen Booten gerettet und in Sicherheit gebracht.

Der Kampf gegen die Schleuser allerdings stand bis heute eher im Hintergrund. Nach EU-Angaben wurden bei der Rettung von Flüchtlingen bislang nur 70 verdächtige Personen festgesetzt und an die italienischen Behörden übergeben. Ein Grund für die geringe Zahl der Festnahmen ist, dass die Mission aufs Seegebiet begrenzt ist; keine der beteiligten Nationen will Operationen an der Küste Libyens durchführen.

Kontrollen möglicher IS-Waffenlieferanten

In den kommenden Monaten soll die Mission aber nun Schritt für Schritt ausgeweitet werden. Zum einen will die EU stärker militärisch gegen die Schleusernetzwerke vorgehen. Außerdem sind Kontrollen von verdächtigen Schiffen geplant, die Waffen für den "Islamischen Staat" (IS) nach Libyen bringen könnten. Auch für diese Aufgabe könnten die Kampfschwimmer der Bundeswehr zum Einsatz kommen.

Die Kampfschwimmer sind seit Jahren für geräuschlose Zugriffe auf hoher See geschult. Meist nutzen sie das Wasser zur Tarnung: Mit kleinen U-Booten zum Beispiel können sie sich unter Wasser an verdächtige Schiffe anschleichen, die Motoren lahmlegen und die Schiffe dann entern. Ihre jahrelange Ausbildung zielt letztlich auf alle Arten des Nahkampfs. Dazu trainieren die Kampfschwimmer auch mit den amerikanischen Navy Seals.

Die Elitesoldaten der Marine, stationiert in Eckernförde, sind die älteste Spezialeinheit der Bundeswehr. Kampfschwimmer fuhren bereits bei der Anti-Piraterie-Mission "Atalanta" vor Somalia auf deutschen Schiffen mit, dort kamen sie aber - zumindest offiziell - nie zum Einsatz. Über den Einsatz von Spezialkräften wird der Bundestag nur im Nachhinein unterrichtet, über die Informationen müssen die Abgeordneten allerdings schweigen.


Anmerkung: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, die Kampfschwimmer sollten im Mittelmeer neben den Waffenschmugglern auch Flüchtlingsschleuser ins Visier nehmen. Dies ist laut einer Reaktion des Ministeriums auf den Artikel jedoch im aktuellen Operationsplan der Bundeswehr für die Mittelmeer-Operation nicht vorgesehen.

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