Bundeswehr-Skandal Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen für deutsche Botschaften

Das Auswärtige Amt hat seine Botschaften im Nahen Osten nach der Veröffentlichung der makabren Fotos deutscher Soldaten in Afghanistan zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Die Regierung in Kabul verurteilte die Tat. Zu Ausschreitungen empörter Muslime ist es noch nicht gekommen.


Berlin - "Die Botschaften sind frühzeitig über die Bilder unterrichtet und sensibilisiert worden, damit sie die Sicherheitsmaßnahmen entsprechend anpassen konnten", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Dies betreffe vor allem die Vertretungen in der afghanischen Hauptstadt Kabul, aber auch in der gesamten Region des Nahen und Mittleren Ostens.

Bundeswehr in Afghanistan: Afghanische Regierung "tief betrübt"
AP

Bundeswehr in Afghanistan: Afghanische Regierung "tief betrübt"

Die "Bild"-Zeitung hatte gestern fünf Fotos veröffentlicht, auf denen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan - teils mit obszönen Gesten - mit einem Totenschädel posieren. Der Vorfall hatte Sorge um die Sicherheit der deutschen Soldaten in Afghanistan ausgelöst.

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz warnte vor neuen Gefahren für die Bundeswehr in Afghanistan nach der Totenschändung. "Dieser schlimme Vorgang ist geeignet, die Sicherheit der deutschen Soldaten in Afghanistan erheblich zu beeinträchtigen", sagte Gertz der "Passauer Neuen Presse".

Die "schockierenden Bilder werden natürlich in der islamischen Welt verbreitet werden. Diese Aufnahmen werden von Taliban und al-Qaida gegen uns instrumentalisiert werden. Das ist gefährlich und fatal, weil es nicht nur unsere Reputation beschädigt, sondern auch Demonstrationen provozieren kann", sagte Gertz.

Die afghanische Regierung verurteilte die Totenschändung scharf. "Die Regierung und das Volk Afghanistans sind von der Nachricht über die Schändung eines menschlichen Schädels tief betrübt worden", teilte das Außenministerium mit. "Das Ministerium und die Islamische Republik Afghanistan verurteilen die Tat scharf, die gegen islamische Werte und afghanische Traditionen verstößt." Zu Ausschreitungen empörter Muslime ist es jedoch noch nicht gekommen.

Man rufe die deutschen Behörden auf, die Tat - wie von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Franz Josef Jung versprochen - zu untersuchen, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen und sicherzustellen, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholten.

Nach Angaben von Jung sind mittlerweile sechs Verdächtige ermittelt, vier von ihnen seien nicht mehr bei der Bundeswehr. Sie stammen aus dem bayerischen Standort Mittenwald. Die Täter würden einer "gerechten Strafe" zugeführt, sagte der CDU-Politiker im Bundestag.

Das Verhalten der Soldaten aus dem Jahre 2003 stehe "im diametralen Widerspruch zu den Werten des Grundgesetzes und zur Ausbildung" der Bundeswehr. Der Minister versicherte: "Wer sich so verhält, der hat in der Bundeswehr keinen Platz." Zugleich warnte er vor einer Pauschalverurteilung.

Dieser Einzelfall dürfe nicht zu einer Generalverdächtigung gegen jene gut 200.000 Bundeswehrsoldaten führen, die bislang in Auslandseinsätze gegangen seien. Diese hätten sich korrekt verhalten und das Ansehen der Bundesrepublik gestärkt.

als/AFP/dpa

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