Bundeswehr Soldat hortete Tausende Schuss Munition auf der Stube

Die Bundeswehr ermittelt erneut wegen Waffendiebstahl, dieses Mal in Hannover. Nach SPIEGEL-Informationen hatte dort ein Soldat Tausende Schuss Munition in seinem Spind gelagert.

Spind in Bundeswehrstube (Symbolbild)
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Spind in Bundeswehrstube (Symbolbild)

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In einer Bundeswehrschule hat ein Soldat offenbar im großen Stil scharfe Munition und anderes Militärmaterial gestohlen und in seiner Stube gehortet. Die Bundeswehr ermittelt nach SPIEGEL-Informationen seit einigen Tagen wegen Verdacht des Diebstahls von Munition an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in Hannover.

An der Schule fanden Vorgesetzte am vergangenen Dienstag insgesamt 2321 Patronen Gefechtsmunition für Handwaffen, 630 Patronen Übungsmunition und fünf Übungsgranaten im Spind des Soldaten.

Der Soldat war nur aufgefallen, weil er einer Kameradin angeboten hatte, mit der gestohlenen Munition zu schießen. Diese meldete sich bei den Vorgesetzten. Die Hintergründe des Diebstahls sind bisher noch unklar, abseits von den internen Ermittlern schaltete die Bundeswehr auch die Polizei ein.

Grundsätzlich wird der Verbleib von Munition bei der Bundeswehr streng kontrolliert, zudem sind die Munitions-Lose nummeriert. Besonders bei Schießübungen aber, so Insider, ist es immer noch recht leicht, Munition abzuzweigen.

Fall erinnert an Franco A.

Der neue Fall erinnert an den Fall des rechtsextremen Soldaten Franco A., der über Monate ebenfalls Tausende Schuss Munition bei der Bundeswehr abzweigte und bei einem mutmaßlichen Komplizen hortete.

Bis heute ermittelt die Bundesanwaltschaft, ob sich die Gruppe um Franco A. bei der Bundeswehr Waffen beschafft haben könnte. So waren am 13. Februar dieses Jahres auf dem Truppenübungsplatz Munster zwei G36-Gewehre, eine P8- und eine Signalpistole aus einem "Fuchs"-Transportpanzer gestohlen worden.

Da zur gleichen Zeit in Munster ein mutmaßlich rechtsextremer Soldat eingesetzt war, der Franco A. kannte, prüfen die Ermittler eine Verbindung. Bisher allerdings fand man keine konkreten Hinweise, ob die Gruppe rund um A. hinter dem Waffendiebstahl steckt.

In den vergangenen Jahren waren bei der Truppe immer wieder scharfe Waffen abhandengekommen. Laut einer internen Aufstellung des Wehrressorts fehlten nach Schießübungen der Truppe im Jahr 2015 drei G36-Sturmgewehre, zwei G3- Gewehre und eine P8-Pistole. Im Jahr darauf wurden zwei G36, eine P8 und drei Signalpistolen als verschwunden gemeldet.

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