Kaserne Bad Salzungen Soldaten sollen Untergebenen wochenlang misshandelt haben

Beschimpfungen, obszöne Videos, körperliche Gewalt: Mehrere Wochen lang sollen drei Bundeswehrsoldaten einen Gefreiten in einer thüringischen Kaserne erniedrigt, misshandelt und gequält haben. Die Bundeswehr hat jetzt die Justiz eingeschaltet - allerdings erst nach einer SPIEGEL-Anfrage.

Werratal-Kaserne in Bad Salzungen: Schwere Vorwürfe gegen Soldaten
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Werratal-Kaserne in Bad Salzungen: Schwere Vorwürfe gegen Soldaten

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Berlin - Drei Bundeswehrsoldaten sollen in einer Kaserne im thüringischen Bad Salzungen einen jungen Gefreiten wochenlang regelmäßig malträtiert, geschlagen und brutal erniedrigt haben. Nachdem sich das Opfer der Attacken innerhalb der Werratal-Kaserne - dort ist das Panzergrenadierbataillon 391 des Heeres stationiert - Anfang Dezember einem Vorgesetzten anvertraute, ermittelt die Bundeswehr wegen des erschreckenden Falls in den eigenen Reihen.

An diesem Freitag teilte das Heer mit, dass man die Staatsanwaltschaft eingeschaltet habe. Man nehme den Fall "sehr ernst". Die Abgabe an die zivile Justiz kam jedoch erst, nachdem der SPIEGEL am Mittwoch die Pressestelle des Heeres mit einer umfangreichen Anfrage über den Fall und die Vorwürfe des Gefreiten konfrontiert hatte. Die drei mutmaßlichen Täter, zwei Mannschaftsdienstgrade und ein Unteroffizier, waren dem Opfer dem Rang nach vorgesetzt.

Die Bundeswehr wollte in ihrer Mitteilung keine detaillierten Angaben zu dem Fall machen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurde allerdings intern bereits wegen Nötigung und wegen des Verdachts auf Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit ermittelt. Unter diesem Paragrafen werden alle Sexualstraftaten, unter anderem sexueller Missbrauch, aber auch die Ausnutzung einer Amtsstellung zum Missbrauch, gefasst.

Laut seiner Anzeige wurde der freiwillig dienstleistende Rekrut der Bundeswehr über Wochen massiv von den Vorgesetzten misshandelt, regelmäßig als Versager beschimpft, mit Filzstiften bemalt, teilweise mit Klebeband gefesselt oder mit einem Tackergerät verletzt. Zudem sollen die mutmaßlichen Täter obszöne Filme mit ihrem Opfer gedreht und ihn damit später erniedrigt haben.

Die beschriebenen Praktiken erinnern an Machtrituale, die bei der Bundeswehr in den vergangenen Jahren immer wieder vereinzelt vorgekommen waren. Vor allem das Erniedrigen von Untergebenen passiert in den Kasernen oder auf den Schiffen der Marine immer wieder.

Großes Aufsehen hatten Details solcher Rituale auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" ausgelöst. Dort wurden nach einer Untersuchung strenge Regeln zur Kontrolle eingerichtet. Trotzdem gehen Experten davon aus, dass viele Fälle von Misshandlungen nie zur Anzeige kommen, da die Opfer Angst vor den Vorgesetzten haben.

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insgesamt 69 Beiträge
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AriadneMedea 13.12.2013
1. Falsche Loaylität gegenüber dem Arbeitgeber...
..dabei müssten die Vorgesetzten ausgewechselt und entlassen werden. De Maizier hat Fürsorgepflicht! Hinterher wird sich über die Leute die ja definitiv Opfer sind lustig gemacht. Schlimm das da Medien eingreifen müssen. Was machen die Chefs der Bundeswehr eigentlich dagegen?
jan.lolling 13.12.2013
2. wie in der NVA
.. da kam es wegen solcher Exzesse immer mal wieder zu Selbstmorden. Allerdings gab es da keine Freiwilligkeit, man musst dahin ob man wollte oder nicht. Die Bundeswehr steht in der selben Tradition und ich wette es ist wie auch früher schon, Soldaten die das nicht hinnehmen werden von den ach so tollen Offizieren als Weicheier angesehen. Es ist doch echt zum kotzen, dass solche Abartigkeiten noch immer statt finden. Zu einem Image einer modernen Armee passt so etwas nun überhaupt nicht.
Beobachter123 13.12.2013
3. ...
Wieviele Handwerker haben letzte Woche ihre Lehrlinge gezüchtigt? Soldaten sind auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Soetwas kommt überall vor und ist nichts besonderes...
wohin 13.12.2013
4. Das wird....
.....definitiv zunehmen. Welcher Typ Mann bzw. Frau geht schon freiwillig zur Bundeswehr? Möchtegernhelden, Waffennarren, nach Abenteuern Suchende (im ersten Kriegseinsatz dürfte sich das Abenteuer relativieren), an mangelndem Selbstvertrauen leidende u. deshalb über untere Dienstgrade Machtausübende, natürlich auch Sadisten darunter. Nicht zuletzt die sichere Kohle. Nur der normale "Mann" wir immer seltener dort anzutreffen sein. Zu guter Letzt wird eine Söldnerarmee draus!
fisoeufius 13.12.2013
5.
Ich war eine Zeit lang in dieser Kaserne stationiert. Tätlichkeiten und Züchtigungen (à la Fesselung auf Stuhl mit anschließender Dusche) selbst mitbekommen. Teils hatten Vorgesetzte von so etwas aus ihrer Erfahrung erzählt und dazu mehrfach "der Zug erzieht sich selbst" erwähnt.
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