Deutsche Nato-Truppe Bundeswehr rückte mit Besenstielen ins Manöver

Die Waffenrohre an ihren Fahrzeugen fehlten - da malten Bundeswehr-Soldaten Besenstiele schwarz an und zogen mit der Attrappe in ein Nato-Manöver. So berichten es zwei ARD-Magazine, die Bundeswehr wiegelt ab.


Berlin - Ein Fernsehbericht prangert erneut die mangelnde Ausrüstung der Bundeswehr an: Die ARD-Politikmagazine "Kontraste" und "Report Mainz" berichten, bei dem deutschen Gefechtsverband der Nato-Eingreiftruppe NRF gebe es erhebliche Mängel. Bei einem Manöver in Norwegen seien etwa Besenstiele statt eines Waffenrohrs an gepanzerte Fahrzeuge montiert worden. Für die bessere Optik seien die Holzstäbe schwarz angemalt worden.

Ein Bundeswehrsprecher wies den Bericht als irreführend zurück. Die betreffenden Ausrüstungsgegenstände seien bei der Übung im September 2014 nicht benötigt worden. Das Manöver habe vielmehr vor der Nominierung der Einheit für die sogenannte Speerspitze stattgefunden.

Bei der Übung in Norwegen seien die Boxer-Fahrzeuge als Gefechtsstandfahrzeuge eingesetzt worden, wofür "keine Waffenanlage vorgesehen" sei. Warum die Soldaten dennoch die Anlage simuliert hätten, sei unklar, sagte der Sprecher.

Zudem wies der Sprecher auf den Zeitpunkt der beschriebenen Übung hin, diese habe weit vor der Integrierung der deutschen Einheit in den Nato-Verband stattgefunden. Die Nato selbst erprobt 2015 die sogenannte Speerspitze erst, sie soll frühestens 2016 einsatzbereit sein.

Wegen der Zuordnung des Verbands zur NRF habe Generalinspekteur Volker Wieker bereits vor einigen Wochen angeordnet, diesen "materiell voll auszustatten". Bis dahin fehlendes Material sei seither vorhanden oder "läuft zu", sagte der Sprecher der Bundeswehr. Dies werde demnächst abgeschlossen sein. Wo allerdings keine Waffenanlage benötigt würde, werde diese auch weiterhin nicht montiert werden.

Die ARD-Politikmagazine zitieren jedoch aus einem internen Bericht eines Inspizienten der Bundeswehr. Soldaten hätten sich demnach bitter über die Lücken beklagt. Es sei unklar, "wie man mit Besenstielen den politisch vorgegebenen NRF-Auftrag erfüllen könne", hieß es aus der Truppe. Die Waffenanlagen seien bis heute nicht bei dem Verband verfügbar.

Die Soldaten hätten laut dem Bericht erklärt, die Bewaffnung für das gepanzerte Fahrzeug GTK Boxer sei zu "100 Prozent" nicht vorhanden. Bei den P8-Pistolen fehlten 41 Prozent, beim Maschinengewehr MG3 seien es 31 Prozent. Außerdem seien mehr als drei Viertel der "Lucie"-Nachtsichtgeräte nicht vorhanden oder nicht einsatzbereit. Wenn das Material nicht verfügbar sei, könne laut Bericht auch der Auftrag der schnellen Eingreiftruppe der Nato nicht erfüllt werden.

Konkrete Fragen zu den Mängeln habe das Ministerium nicht beantworten wollen, berichten die ARD-Magazine. Stattdessen sei nur betont worden, der Truppenverband sei zertifiziert und einsatzbereit.

vek/dpa/AFP



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insgesamt 116 Beiträge
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Seite 1
abraxas63 17.02.2015
1.
Unser täglicher Bericht über den miserablen Zustand der Bundeswehr. Es soll aber nicht gerade der Verteidigungshaushalt massiv erhöht werden?
achimedes 17.02.2015
2. Panzer verschrotten - raus aus der Nato !!
.. denn wieder stehen für die Deutschen Kriege vor der Haustür ! Es lebe der Pazifistische Grundgeist !
coyote38 17.02.2015
3. Stimmt
Es wurden definitiv KEINE Besenstiele schwarz angemalt. Richtig ist vielmehr, dass die Soldaten für ihre Handfeuerwaffen keine Maneuvermunition bekommen haben und "peng-peng" gerufen haben ...
Marie Antoinette 17.02.2015
4.
Wofür auch Nachtsichtgeräte? Frau von der Leyen möchte die Bundeswehr doch gerne familienfreundlicher machen. Da is um 17 Uhr Feierabend mit Krieg ;)
Tunix 17.02.2015
5. Bewährtes Übungsmaterial
Dazu sollte man auch wissen, dass diese Fahrzeuge ohne Motoren durch innen laufende Soldaten angetrieben werden. Attrappen dieser Art wurden schon von der Reichswehr für Übungszwecke benutzt.
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