Luftangriff auf syrische Schule Bundeswehr soll Aufklärungsbilder geliefert haben

Bei einem Bombardement in Syrien starben 33 Zivilisten. "Tornados" der Bundeswehr sollen die Luftbilder für den Angriff geliefert haben. Der Verteidigungsausschuss wurde darüber informiert.

Deutscher "Tornado" in Incirlik (Türkei)
REUTERS

Deutscher "Tornado" in Incirlik (Türkei)


Die Bundeswehr soll Aufklärungsbilder für einen Luftangriff geliefert haben, bei dem 33 Zivilisten getötet wurden, berichten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung". Bundeswehrgeneralinspekteur Volker Wieker habe den Verteidigungsausschuss des Bundestags in einer geheimen Sitzung über den Sachverhalt informiert. Inwieweit die Bilder der Bundeswehr eine Rolle bei der Bombardierung spielten, blieb zunächst unklar.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) teilte in der vergangenen Woche mit, es sei eine Schule angegriffen worden, in der Vertriebene untergebracht waren. Demnach ereignete sich der Angriff in der von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kontrollierten Stadt Al-Mansura in der Provinz Rakka.

Laut SOHR wurde die Attacke von der US-geführten Anti-IS-Koalition durchgeführt. Die Organisation steht der syrischen Opposition nahe und sammelt von Großbritannien aus Informationen über den syrischen Bürgerkrieg.

Das zuständige US-Quartier ermittelt bereits, ob und wie viele tote Zivilisten es bei dem Luftangriff gegeben hat. Offenbar wollte die Bundeswehr den Verteidigungsausschuss vorsorglich informieren, dass es die Aufklärungsfotos der Bundeswehr gibt.

Laut den Berichten hatten die Aufklärungstornados einen Tag vor dem Angriff Luftbilder von al-Mansura gemacht und diese an die internationale Koalition weitergeleitet.

Das Verteidigungsministerium wollte sich zu dem Fall nicht äußern und berief sich auf Geheimhaltung. Ein Sprecher bestätigte der "SZ", dass die Bundeswehr routinemäßig Luftbilder von möglichen Zielen mache. Diese entstünden jedoch meist lange vor einem Angriff, sodass nicht feststellbar ist, wer sich aktuell in dem Umfeld aufhält. Diese Informationen kämen aus einer Vielzahl anderer Quellen.

Luftangriffe werden im Regelfall auch nicht auf der Basis von Aufklärungsbildern geflogen, sondern jeweils von Spezialkräften am Boden angefordert.

SPIEGEL ONLINE

Die Bundeswehr selbst fliegt keine Luftangriffe gegen den IS in Syrien oder im Irak. Die im türkischen Incirlik stationierten deutschen "Tornado"-Jets machen lediglich hochauflösende Bilder von IS-Stellungen zur Identifizierung von Angriffszielen.

koe/dpa



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