Werbeoffensive der Truppe Bundeswehr stellt deutlich mehr Personal ein

Mit einer PR-Offensive wirbt die Bundeswehr um Schulabgänger. Schließlich sind die Aufgaben der Truppe durch Auslandseinsätze zuletzt eher gewachsen. Die Werbung zeigt nun offenbar Wirkung. 

Soldaten während der Ausbildung
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Soldaten während der Ausbildung


Die Truppe überaltert, die Personaldecke dünn, der Nachwuchs nur schwer zu finden: Seit Jahren hat die Bundeswehr das Problem, neues Personal zu finden. Mit millionenschweren Kampagnen wirbt sie deshalb um Schulabgänger. Das zahlt sich offenbar aus.

In diesem Jahr konnte die Bundeswehr mit 21.500 Einstellungen schon fast so viele Menschen unter Vertrag nehmen wie im gesamten Vorjahr, berichtet die "Rheinische Post". Zudem verzeichnete die Bundeswehr in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 36.000 Bewerber. Nach eigenen Angaben lag sie damit über den Zahlen von 2016. Im vergangenen Jahr hatten sich insgesamt 58.400 Menschen beworben.

Kritik an Werbekampagne

Nach der Statistik ist der Frauenanteil unter den Bewerbern seit 2015 von 16 auf 19 Prozent gestiegen. Verschiebungen gibt es auch bei den Schulabschlüssen: Im laufenden Jahr hatten demnach 42,7 Prozent der Bewerber die Fachhochschulreife oder einen höheren Bildungsabschluss - im Vorjahr waren es 35,6 Prozent gewesen.

Mit verschiedenen Initiativen hatte die Bundeswehr zuletzt versucht, ihr Image aufzupolieren. Dafür nahm sie viel Geld in die Hand: 2015 gab das Verteidigungsministerium für die Nachwuchsrekrutierung rund 35 Millionen Euro aus, fünf Millionen mehr als 2014.

Auch in den sozialen Netzwerken wurde verstärkt geworben (lesen Sie hier mehr dazu): Bis Herbst 2013 verfügte die Truppe nicht mal über einen offiziellen Facebook-Auftritt. Inzwischen präsentiert sie sich bei Instagram, Facebook und YouTube. 125 Mitarbeiter kümmern sich um die interne und externe Kommunikation. Teil der Werbeoffensive ist die YouTube-Serie "Die Rekruten".

YouTube / Die Rekruten

An der Werbekampagne gab es viel Kritik: Schließlich war die Zahl der Rekruten unter 18 Jahren noch nie so hoch wie im vergangenen Jahr: Zum Stichtag 1. November 2016 zählte die Bundeswehr 1576 Minderjährige, die bei der Bundeswehr anfingen.

mho/dpa

insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
auweia 25.08.2017
1. Ermutigend.
Hier kann man mal ein positives Beispiel für die Ankunft einer staatlichen Organisation im #Neuland sehen. (Vielleicht sind Polizei, Feuerwehr und THW ja lernfähig) Das ganze wäre natürlich nicht nötig gewesen, hätte man die Wehrpflicht nicht gekippt. Allein *dafür* dürfte Herr zu Guttenberg nie wieder ein politisches Amt bekleiden...
muellerthomas 25.08.2017
2.
" Zudem verzeichnete die verzeichnete die Bundeswehr in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 36.000 Bewerber. Nach eigenen Angaben lag sie damit über den Zahlen von 2016. Im vergangenen Jahr hatten sich insgesamt 58.400 Menschen beworben. " Verteilen sich die Bewerbungen denn gleichmäßig über das Jahr? Oder anders gefragt, wie hoch war die Zahl der Bewerbungen in H1 2016? Wenn die Bundeswehr selbst sagt, die Zahlen seien nun höher, ohne aber konkrete Angaben zu machen, spricht das m.E. für nur wenig mehr Bewerber.
bakero 25.08.2017
3.
Zitat von auweiaHier kann man mal ein positives Beispiel für die Ankunft einer staatlichen Organisation im #Neuland sehen. (Vielleicht sind Polizei, Feuerwehr und THW ja lernfähig) Das ganze wäre natürlich nicht nötig gewesen, hätte man die Wehrpflicht nicht gekippt. Allein *dafür* dürfte Herr zu Guttenberg nie wieder ein politisches Amt bekleiden...
Das Kippen der Wehrpflicht war längst überfällig. Nur die Umsetzung war dilettantisch – wie so vieles von Herrn von und zu Guttenberg... So oder so. Daher volle Zustimmung zu Ihrem letzten Satz.
Atheist_Crusader 25.08.2017
4.
Was die Bundeswehr nötig hätte, wäre mal ein bisschen Wertschätzung. Es soll ja nicht so weit gehen wie in den USA, wo Soldaten teilweise wie Jesus McSuperman behandelt werden - aber so wie das hier läuft, hätte ich auch keine Lust dazu. Armeen sind in unserer imperfekten Welt ein notwendiges Übel wenn man seine Freiheiten und Rechte schützen will - wie es aussieht wenn man kein anständige Militär hat, haben wir gerade erst im Irak und der Ukraine gesehen. Ihre Einsätze mögen manchmal fragwürdig sein, aber das kann man den Soldaten nicht anlasten - die machen die Politik nicht. Stattdessen sollte man mal wertschätzen was sie für uns tun. Und ja, es gibt schwarze Schafe - gibt es überall. Aber man kann gleichzeitig gegen solche Personen sein und trotzdem die Bundeswehr als Ganzes unterstützen. Dennoch behandeln Manche die Bundeswehr als einen Haufen.Proto-Faschisten die lieber heute als morgen die Regierung stürzen und sich wieder in Wehrmacht umbenennen wollen. Was bestenfalls falsch ist und schlimmstenfalls zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden könnte. Aber ich fürchte da steckt Deutschland noch zu sehr in seinem Post-WW2-Trauma. Da hat man so viele falsche Lektionen gelernt, dass einem die Tränen kommen. Schlechte historische Analogien kommen vor Prinzipien - lieber schwafelt man darüber, dass deutsche Panzer an der russischen Grenze ja niemals sein dürften - während man es völlig okay findet, dass Russland Hitlers Vorbild folgt und sich Teile seiner Nachbarländer einverleibt. Und zu dieser kolossalen Wahrnehmungsstörung bezüglich der urbösen USA fange ich mal lieber gar nicht erst an, sonst rede ich mich noch in Rage. Zusammengefasst: Wir haben die Armee die wir verdienen. Leider. Und solange Leute nicht fähig sind politisch mal ein bisschen zu differenzieren, wird das auch nicht besser. Der rationale Teil der Bevölkerung kann nur hoffen, dass wir sie zwischenzeitlich nicht ernsthaft brauchen.
hermy 25.08.2017
5. Vergesst
bitte nicht, genug Plätze für traumatisierte Soldaten bereit zu stellen. Nur dass niemand sagt: Das konnten wir nicht wissen.
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