Berlin - Es ist ein heikler Einsatz deutscher Soldaten in unmittelbarer Nähe zum Bürgerkriegsland Syrien. Nun warnt der Bundeswehrverband: Möglicherweise sind die deutschen Soldaten bei ihrer Türkei-Mission unzureichend gegen einen Chemiewaffen-Angriff durch die Assad-Armee geschützt.
"Wir müssen uns fragen, wie sich der syrische Diktator Assad verhalten wird, wenn er mit dem Rücken an der Wand steht", sagte Verbandschef Ulrich Kirsch der "Passauer Neuen Presse". Die größte Gefahr gehe von einem Einsatz chemischer Waffen aus.
Die Bundeswehr hatte am Dienstag mit der Verschiffung der Ausrüstung für den Einsatz von zwei "Patriot"-Raketenabwehrstaffeln begonnen. Gleichzeitig startete ein erstes Vorauskommando mit 20 Bundeswehrsoldaten in die Türkei.
Nach Auffassung Kirschs reichen die für den Einsatz eingeplanten ABC-Abwehrkräfte bei weitem nicht aus. Mehr als die doppelte Zahl ist seiner Einschätzung nach für den Schutz vor einem Chemiewaffenangriff nötig. Der Oberst ist selbst Spezialist für atomare, biologische und chemische Kampfstoffe.
Das Verteidigungsministerium widersprach Kirsch. "Wir haben ABC-Schutzfähigkeiten in dem Kontingent abgebildet", sagte Sprecher Stefan Paris. "Wir haben das so abgebildet, dass wir in angemessener Zeit auch im Einsatzraum reagieren können." Wie viele ABC-Spürpanzer, Entgiftungsfahrzeuge und Spezialisten in die Türkei geschickt werden, sagte er allerdings nicht.
Die Bundeswehr hatte am Dienstag ihren vom Bundestag im Dezember beschlossenen Türkei-Einsatz gestartet, mit dem der Nato-Bündnispartner gegen mögliche Raketenangriffe aus Syrien geschützt werden soll. Die eingeplanten "Patriot"-Flugabwehrraketen sind in der Lage, auch ballistische Raketen abzufangen. Insgesamt sollen rund 350 Bundeswehrsoldaten in die Türkei geschickt werden. Spätestens Anfang Februar soll die volle Einsatzbereitschaft hergestellt sein.
jok/dpa
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