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Bundeswehr: Traumatische Störungen bei Soldaten bleiben oft unentdeckt

Bundeswehrsoldat in Kunduz: Jeder fünfte startet mit psychischen Problemen in den Einsatz Zur Großansicht
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Bundeswehrsoldat in Kunduz: Jeder fünfte startet mit psychischen Problemen in den Einsatz

Deutlich mehr Bundeswehrsoldaten als bislang angenommen leiden unter Belastungsstörungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Bundestags. Sie zeigt auch: Jeder fünfte Soldat startet bereits mit einer Störung in den Auslandseinsatz.

Berlin/Dresden - Die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die mit traumatischen Störungen aus Auslandseinsätzen zurückkommen, ist einer Studie zufolge größer als bisher angenommen. Die vom Bundestag in Auftrag gegebene sogenannte Dunkelzifferstudie zeige, dass - aus Scham oder Angst vor beruflichen Nachteilen - nur etwa jeder fünfte Betroffene professionelle Hilfe suche.

Nur etwa 20 Prozent der psychischen Krankheiten wie posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) würden überhaupt erkannt und behandelt, heißt es in der Untersuchung. Der "Welt" und der "Süddeutschen Zeitung" liegt die Studie vor. Sie soll an diesem Dienstag in Berlin offiziell vorgestellt werden.

Die Studie wurde 2008 in Auftrag gegeben und sollte nicht diagnostizierte PTBS-Fälle und sonstige psychische Erkrankungen durch Auslandseinsätze untersuchen.

Die Bundeswehr biete PTBS-Kranken schon diverse Möglichkeiten der Behandlung an, sagte Studienleiter Prof. Hans-Ulrich Wittchen von der Technischen Universität Dresden der "Welt". "Viele Betroffene haben aber Angst vor dem Gang zum Psychiater oder Psychotherapeuten, vielleicht befürchten sie auch negative Folgen für die Karriere."

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Studie weiter berichtet, geht jeder fünfte deutsche Soldat bereits mit einer psychischen Störung in den Auslandseinsatz. Demnach handelt es sich um "manifeste, aber zumeist nicht erkannte" Störungen. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, sagte der Zeitung, die Bundeswehr sei nun gefordert, endlich effektive Früherkennungsverfahren zu etablieren. "Nur psychisch gesunde Soldatinnen und Soldaten dürfen in die Einsätze gehen."

Im Mai wurde bereits bekannt, dass die Bundeswehr ihre Soldaten künftig verstärkt auf psychische Erkrankungen untersuchen will.

fab/dpa

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1.
inecht 26.11.2013
... wenn man freiwillig in den Krieg zieht! Leider genießt diese Form der Gewaltbereitschaft gesellschaftliche Akzeptanz.
2. Überzogen
bugs bunny 26.11.2013
Natürlich sind kriegerische Einsätze für Soldaten belastend. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muss man keine Studie in Auftrag geben. Es reicht, die eigenen Väter und Großväter zu fragen, wie sie sich im Krieg gefühlt haben. Nur mit dem Unterschied, dass sich nach dem Krieg kein Mensch für deren posttraumatische belastungsstörungen interessiert hat. Sie mussten einfach ihr leben neu organisieren. Man kann es nicht mehr hören, wenn Soldaten einen solchen Beruf wählen, und sich dann wundern, wenn es ernst wird. PTBS öffnen dem Berufszweig der ganzen Psycho-Branche mal wieder die Kassen-Kassen, nicht mehr und nicht weniger. Und nicht belastbare Soldaten sollen sich einen anderen Job suchen, wie Lehrer, die den Stress nicht aushalten, wie eben alle, die den falschen Beruf gewählt haben.
3.
Stäffelesrutscher 26.11.2013
Zitat von sysopDPADeutlich mehr Bundeswehr-Soldaten als bislang angenommen leiden unter Belastungsstörungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Bundestags. Sie zeigt auch: Jeder fünfte Soldat startet bereits mit einer Störung in den Auslandseinsatz. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-studie-ptbs-bleibt-bei-soldaten-oft-unentdeckt-a-935621.html
Nur jeder fünfte? Jeder hat doch zumindest eine Lesestörung, denn Artikel 87a Grundgesetz beschränkt die Aufgaben der Bundeswehr auf die Verteidigung - womit nicht die Verteidigung der Profite afghanischer Warlords und der örtlichen Drogenmafia gemeint ist. Und Artikel 26 verbietet die Vorbereitung eines Angriffskrieges.
4.
MashMashMusic 26.11.2013
Jetzt wollen wir mal schauen, wie lange es dauert bis die ersten aus den Löchern kommen, die "Sind doch selbst dran schuld!" rufen. Nein. Sie sind nicht selbst dran schuld. Zweitens: Natürlich muss Menschen mit PTBS geholfen werden, völlig egal, wo das herkommt. Auch Soldaten.
5. ja ja
tanmenu 26.11.2013
Zitat von sysopDPADeutlich mehr Bundeswehr-Soldaten als bislang angenommen leiden unter Belastungsstörungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Bundestags. Sie zeigt auch: Jeder fünfte Soldat startet bereits mit einer Störung in den Auslandseinsatz. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-studie-ptbs-bleibt-bei-soldaten-oft-unentdeckt-a-935621.html
Erst ordentlich einen auf Krieg machen und wenn man dann wieder normal arbeiten muss, ist man traumatisiert und muss auf Kosten der Allgemeinheit behandelt werden.
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Fotostrecke
Feldlager Kunduz: Die Bundeswehr packt zusammen

Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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